VKU unterstützt Branchenleitfaden zur Regelleistungsvermarktung

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Mit der Verabschiedung des Strommarktgesetzes (StromMG) im Sommer 2016 wurden die Bilanzkreisverantwortlichen (BKV) dazu verpflichtet, ihren Bilanzkreis für sogenannte unabhängige Aggregatoren zum Zwecke der Vermarktung von Regelleistung zu öffnen. Damit sollen neue Anreize fürs Lastmanagement bzw. die Flexibilisierung der Nachfrage geschaffen werden.

Der Begriff Aggregator bezeichnet grundsätzlich eine Art Dienstleister, der z. B. Last aggregiert, um damit Erlöse auf dem Regelleistungsmarkt zu generieren. Ein Aggregator muss dabei nicht gleichzeitig ein Energielieferant sein.
Die Bundesnetzagentur (BNetzA) erhielt durch das StromMG erweiterte Festlegungskompetenz und hatte bereits im Frühjahr 2016 die Branche aufgefordert, einen Leitfaden zur standardisierten Integration der lieferantenunabhängigen Aggregatorenfunktion im Bereich der Regelleistung zu erarbeiten. Mit der Koordination des Branchenverfahrens wurde der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne) beauftragt.
Nach einem sehr intensiven Diskussions- und Konsultationsverfahren mit insgesamt fünf Workshops verständigten sich Anfang Dezember 2016 die Mehrheit der beteiligten Stakeholder - darunter auch der VKU - auf einen Branchenkompromiss.

Mit dem vorliegenden Branchenleitfaden soll das Lastmanagement vereinfacht und die Regelleistungsvermarktung über unabhängige Aggregatoren transparenter geregelt werden. So werden neue Standards eingezogen, über die z.B. mögliche Risiken verursachungsgerechter zugeteilt werden.
Der VKU setzte sich u.a. dafür ein, dass der im Zuge der Regelleistungsvermarktung über unabhängige Aggregatoren bei Energielieferanten anfallende administrative Aufwand (z.B. Fahrplankorrekturprozesse) entschädigt wird. Hier einigten sich die Parteien auf eine maximale Kostenobergrenze.
Darüber hinaus sieht der VKU finanzielle Risiken für Energielieferanten aus möglichen Nachholeffekten. Eine Nachholung kann dann auftreten, wenn z. B. ein Industriebetrieb seine vorher gedrosselte Produktion und damit auch seine Stromabnahme zu einem späteren Zeitpunkt "nachholt". Dies kann für den Lieferanten bzw. den Bilanzkreisverantwortlichen mit Ausgleichsenergiekosten einhergehen. Der VKU begrüßt, dass diese Problematik mit dem Branchenleitfaden nun grundsätzlich anerkannt wird und potentielle Risiken für die BKV/Lieferanten reduziert werden.

Abschließend wurden auch die berechtigten Interessen der Verteilnetzbetreiber im Branchenleitfaden berücksichtigt. Deren Betroffenheit im Rahmen des Lastmanagements steigt vor allem durch die Ausweitung der Flexibilitätsvermarktung auf kleinere Verbraucher, die primär an den Verteilnetzen angeschlossen sind. Daher muss über neue Handlungsoptionen, u.a. im Rahmen der Präqualifikationsbedingungen, nachgedacht werden.

Der Leitfaden wurde Mitte Dezember 2016 an die BNetzA und das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) übergeben. Diese müssen das Papier nun noch bestätigen. Der VKU rechnet mit einem zeitnahen Umsetzungsstart.