Ausgleichsenergiesystem Strom: BNetzA sieht genügend Anreize zur Bilanzkreistreue

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Am 01.12.2015 eröffnete die Bundesnetzagentur (BNetzA) im Rahmen eines Verbändeworkshops den Diskussionsprozess zur Weiterentwicklung des Ausgleichsenergiesystems (AE-System) Strom. Anlass für die Veranstaltung war das im Juli 2015 erschienene Weißbuch "Ein Strommarkt für die Energiewende", in dem das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) ankündigte, zur Stärkung der Bilanzkreistreue das bestehende AE-System zu überprüfen und gegebenenfalls weiter zu entwickeln.

Die BNetzA erhielt in diesem Zusammenhang erweiterte Festlegungskompetenzen. Insbesondere wurde die Regulierungsbehörde beauftragt, folgende Themen zu bearbeiten:

  • Umgang mit Nulldurchgängen bei hohen Ausgleichsenergiepreisen
  • Einpreisung der Kosten zur Regelleistungsvorhaltung in das AE-System
  • Verbesserte Börsenpreiskopplung des Referenzwertes des regelzonenübergreifenden einheitlichen Bilanzausgleichsenergiepreises (reBAP).

Der VKU hatte sich intensiv über Stellungnahmen und Workshopteilnahmen an dem Diskussionsprozess beteiligt. Während der Verband eine verbesserte Börsenpreiskopplung des reBAP sowie eine zielführende Lösung beim Umgang mit Nulldurchgänge unterstützt, wird die Integration der Regelleistungsvorhaltungskosten strikt abgelehnt. Der VKU sieht durch diese Maßnahme keine bessere Anreizwirkung und befürchtet insbesondere für kleinere Bilanzkreisverantwortliche (BKV) mit unelastischer Nachfrage steigende Kosten.

Nach abschließender Prüfung teilt die BNetzA im Juni 2017 mit, dass sie die Einschätzung vieler Marktteilnehmer teilt: Das aktuell bestehende Ausgleichsenergiesystem habe sich bewährt und es bedürfe keiner weiteren Anreize zur Stärkung der Bilanzkreistreue. Dies zeige sich beispielsweise daran, dass sich der Anteil der Viertelstunden mit einem weitgehend ausgeglichen Saldo des Netzregelverbundes, in denen nur ein geringer Regelenergieeinsatz erforderlich war, deutlich erhöht habe. Eine weitere Verbesserung der Bilanzkreistreue durch die Integration der Regelleistungsvorhaltekosten in das AE-System sei aktuell nicht zu erwarten. Ebenso sieht die BNetzA keinen unmittelbaren Bedarf, den Börsenreferenzwert des reBAPs anzupassen.

Darüber hinaus steht ab 2018 die Implementierung der Guideline on Electricity Balancing (GEBL) bevor, die u. a. eine europaweite Harmonisierung wesentlicher Bestandteile des Ausgleichsenergiesystems avisiert. Eine weitere kurzfristige Anpassung des AE-Systems solle daher vermieden werden.
Der VKU begrüßt die Entscheidung der BNetzA. Darüber hinaus wird sich der VKU an der Konsultation zur europaweiten Harmonisierung der wesentlichen Bestandteile des Regel- und Ausgleichsenergiesystems beteiligen.