Rekordhitze und Wasserinfrastruktur

Deutschland ist ein wasserreiches Land. Von den ca. 188 Milliarden Kubikmetern Was-sermenge (das sind die Mengen an Grund- und Oberflächenwasser, die potenziell genutzt werden können – zur Info: das sind mehr als 50 Millionen 50 Meter lange Olympia-Schwimmbecken) nutzt die öffentliche Trinkwasserversorgung weniger als drei Prozent. Wie Wasservorkommen beschaffen sind, ist ebenso wie die Wassernachfrage regional unterschiedlich.

Die Trinkwasserversorgung ist während der langen Trockenperiode größtenteils reibungslos gelaufen. Der Grund hierfür sind die Niederschläge des vergangenen Jahres, die Grundwasservorkommen in Deutschland und die gute und vorausschauende Arbeit der Wasserversorger. Ob es in einem einzelnen Sommer mehr oder weniger regnet, hat auf diese Wasservorkommen kurzfristig keinen großen Einfluss. Das Grundwasser speichert die Niederschläge, Talsperren und Tiefbrunnen sind somit bis in die Sommermonate hinein versorgt.

Vereinzelt ist es im gesamten Bundesgebiet dazu gekommen, dass die örtliche Kapazität der Trinkwasseraufbereitungsanlagen oder Transportsystems nicht immer vollständig für die stark angestiegene Wassernachfrage ausreicht (zur Info: die Steigerungen reichen von 5 Prozent (Leipzig, Sachsen) bis hin zu einer Verdoppelung (Bad Dürkheim, Rheinland Pfalz)). Wenn bei einer Hitzewelle viele Menschen ungewöhnlich viel Wasser entnehmen, kann beispielsweise der Druck im Transportsystem sinken. Ein regelrechter Stresstest für die Systeme. Das passiert vor allem dann, wenn der Wasserverbrauch schlagartig ansteigt, beispielsweise abends, wenn viele Gärten oder Rasenflächen zeitgleich bewässert werden (zur Info: Ein Rasensprenger verbraucht in 2 Stunden rund 750 Liter. Zum Vergleich: Der Wasserverbrauch pro Kopf und Tag liegt bundesweit im Durchschnitt bei 121 Litern).

Mittlerweile haben wir in den meisten Regionen wieder das übliche Durchschnittsniveau der Wasserabgabe erreicht. Nicht nur mit Blick auf länger anhaltende Trockenzeiten, die es in einigen Gebieten gab und noch gibt, wünschen wir uns, dass Verbraucher mit dem Lebensmittel Nr. 1 sorgsam umgehen. In einer anhaltenden Hitzeperiode und den entsprechenden Gebieten sollten Verbraucher abwägen, ob der Wasserverbrauch in allen Fällen wirklich nötig ist - etwa bei der Gartenbewässerung. Insbesondere dann, wenn lokale Wasserversorger Verbraucher entsprechend informiert und an eine Verhaltungsanpassung appelliert haben, setzen sie auf den gesunden Menschenverstand ihrer Kunden.

In wenigen Gebieten hatten örtliche Wasserversorger die Nutzung des Trinkwassers mit Blick auf die anhaltende Hitzeperiode beschränkt. So wurde unter anderem untersagt, Gärten zu bewässern oder Pools neu zu befüllen, selbst wenn das ungewohnte Komforteinbußen mit sich bringen könnte. Die Wasserversorger machen in solchen Fällen ihren Job richtig und handeln in diesen Fällen nachvollziehbar nach der Faustregel: Erst Mensch (und Tier), dann der Rasen. Will heißen: Trinkwasser sollte zuerst Mensch und Tier als Lebensmittel/Nahrung dienen. Da sind wir uns hoffentlich alle einig.