Einigung auf EU-weit einheitliche Regelungen zur Abwasserwiederverwendung Projekt MULTI-ReUse zeigt Anwendungsmöglichkeiten

Die Wiederverwendung von gereinigtem Abwasser gewinnt im Zeichen des Klimawandels zunehmend an Bedeutung. Die EU legt zukünftig einheitliche Vorgaben fest, sofern die Mitgliedstaaten von der Abwasserwiederverwendung Gebrauch machen. Welche Anwendungsmöglichkeiten es gibt, untersucht das Projekt MULTI-ReUse. Die wichtigsten Ergebnisse präsentierte der OOWV mit seinen Partnern im November in Diekmannshausen.

© VKU

Das Europäische Parlament, der Ministerrat und die EU-Kommission haben am 02.12.2019 eine vorläufige Einigung über den Verordnungsvorschlag über Mindestqualitätsanforderungen für die Wiederverwendung von gereinigtem Abwasser erzielt. Die Wiederverwendung soll jedoch ausdrücklich freiwillig bleiben. Mitgliedstaaten sollen die nationale Entscheidungsfreiheit über die Wasserwiederverwendung behalten und von der Verpflichtung absehen können, einen regulatorischen Rahmen für die Zulassung der Wiederverwendung aufzustellen. Der Anwendungsbereich der Verordnung soll sich demnach lediglich auf die landwirtschaftliche Bewässerung konzentrieren. Damit greift der Kompromiss wesentliche Forderungen des VKU auf. Die Einigung muss von Rat und Parlament noch förmlich angenommen werden, sobald der Text konsolidiert worden ist. Sie gilt unmittelbar in den Mitgliedstaaten und bedarf keiner Umsetzung ins nationale Recht. Die Verordnung gilt drei Jahre nach ihrem in Kraft treten.

Wie gereinigtes Abwasser wieder genutzt werden kann, untersucht das Projekt MULTI-ReUse. Dabei wird untersucht, wie das Wasser aus dem Kläranlagenablauf aufbereitet und anschließend in unterschiedlichen Qualitäten in der Industrie, Landwirtschaft und zur Grundwasseranreicherung verwendet werden kann. Ziel ist hierbei, die Ressourcen zur Trinkwasserversorgung zu schonen. Damit will MULTI-ReUse einen Beitrag zur Sicherung der Wasserversorgung als Standortfaktor und im Zeichen des Klimawandels leisten. Der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) als größter Trinkwasserversorger der Region und acht weitere Projektpartner aus Forschung und Anlagenbau entwickeln seit 2016 innovative Techniken und Methoden und erproben diese in einer Pilotanlage auf der Kläranlage Nordenham.

Mitte November 2019 hat der OOWV Vertreter aus der Kommunalpolitik und Industrie zu einer Dialogveranstaltung nach Diekmannshausen eingeladen, um die Ergebnisse des Projektes vorzustellen und zu diskutieren. Diese umfassen verschiedene Aufbereitungsverfahren und daraus resultierende Anwendungsmöglichkeiten des behandelten Abwassers sowie die wirtschaftlichen Kennzahlen, die im Projekt gewonnen worden sind. Die Ergebnisse des Projektes stoßen auf ein reges Interesse. Im Rahmen der Diskussion wurde zudem deutlich, dass eine Reihe von rechtlichen Fragestellungen zu klären sind, wie beispielsweise die Genehmigungsfähigkeit des eingeleiteten konzentrierten Abwassers. Die Ergebnisse des Projektes werden in naher Zukunft veröffentlicht.