Der Ausbau grüner Fernwärme bietet Chancen für Klimaschutz und Wirtschaft! Nachlese der BEE/VKU-Konferenz im Rahmen der Berliner Energietage 2020

placeholder ©Rolf_Schulten/Energietage

Grüne Wärmenetze können einen wesentlichen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele im Wärmebereich leisten und wirtschaftlichen Aufschwung über verschiedene Branchen hinweg stimulieren. Dies verdeutlichte die gemeinsame Veranstaltung „Chancen nutzen: Der Ausbau grüner Fernwärme als Impuls für Klimaschutz zu Wirtschaft“ des Bundesverbands Erneuerbare Energie e.V. (BEE) und des Verbands kommunaler Unternehmen e.V. (VKU) auf den Berliner Energietagen 2020. Aufgrund der COVID-19-Pandemie fand die Veranstaltung im Rahmen des Digitalen Sommers der Energiewende zum ersten Mal in digitaler Form statt.

Einleitend in die Konferenz betonte VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing, dass sich der Aus- und Umbau der Wärmenetze besonders dafür eignet, die Maßnahmen zur Stärkung unserer Wirtschaft mit einer nachhaltigen Modernisierung unserer Volkswirtschaft und unserer Infrastrukturen zusammenbringen. Er wies daraufhin, dass es für die Stadtwerke in diesem Bereich die richtigen Anreize brauche, etwa durch eine bessere KWK- und Wärmenetzförderung im Kohleausstiegsgesetz, um in den kommenden Jahren Milliarden investieren zu können.

Anschließend an das Grußwort von BEE-Geschäftsführer Wolfram Axthelm gab Dr. Ulrike Lehr von der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung zunächst einen Überblick über die gesamtwirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie. Dabei wurde u. a. das Ausmaß der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie quantifiziert und die Möglichkeit einer Green Recovery diskutiert. Konkret wurde es im Anschluss als Transformationsvorhaben in Wiesbaden sowie Ludwigsburg und Kornwestheim von Stadtwerkevertretern vorgestellt. Herr Dr. Schneider (ESWE) plädierte für einen Masterplan für grüne Fernwärme. Er warb zudem für die Herbeiführung eines gesellschaftlichen Konsenses, dass die Energiewende nicht zum Nulltarif zu haben ist. Herr Kohler (SWLB) machte auf weitere Widersprüche zwischen den Wünschen der Politik und der Förderwirklichkeit aufmerksam.

Abschließend tauschten der Bundestagsabgeordnete Klaus Mindrup, der BMWi-Abteilungsleiter Thorsten Herdan sowie der BEE-Geschäftsführer Wolfram Axthelm und der stellvertretende VKU-Hauptgeschäftsführer Michael Wübbels Thesen und Argumente zur Frage „Fernwärme und Wirtschaftspolitik – Passt das zusammen?“ aus.

„Die wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie sowie auch die weiterhin bestehende Notwendigkeit, Treibhausgasemissionen drastisch zu senken, zeigt deutlich, dass Wirtschaftspolitik und Klimaschutz zunehmend zusammen gedacht werden muss“, so Klaus Mindrup. Nach Ansicht von Thorsten Herdan erfüllen Wärmenetze diese Anforderung: „Die Bundesregierung hat frühzeitig erkannt, dass die Umstellung der Fernwärme auf Erneuerbare Energien und Abwärme wichtige konjunkturelle Impulse setzen kann. Nun gilt es, die politisch beschlossenen Maßnahmen beherzt umzusetzen und passende Rahmenbedingungen für die Umstellung zu schaffen.“

Wolfram Axthelm hob indessen die industrie- und strukturpolitischen Stärken der großtechnischen erneuerbaren Wärme hervor. Michael Wübbels warb abschließend dafür, die Kommunen und kommunale Unternehmen gerade wegen der Corona-Pandemie zu befähigen, die Energie- und Wärmewende mit neuer Kraft vor Ort umzusetzen.