"Wir brauchen mehr Grün und Blau im Grau"

Das Interview in der WELT AM SONNTAG (26.08.2018) legte den inhaltlichen Fokus auf die Auswirkungen der Hitzeperiode besonders auf den urbanen Raum. Katherina Reiche, Hauptgeschäftsführerin des VKU, strich zu Beginn noch einmal heraus, dass zu keiner Zeit die Trinkwasserversorgung vor Ort gefährdet gewesen war. Örtliche Verbote zur Entnahme von Wasser aus Gewässern, hätten dem Schutz der Oberflächengewässer gedient.

Auch haben die Wasserversorger ihren Job richtig gemacht, so Reiche weiter, wenn sie vereinzelt entscheiden haben, Trinkwasser zur Bewässerung von Gärten oder zur Befüllung von Pools nicht mehr zu verwenden. In diesen Fällen handelten sie nachvollziehbar nach der Faustregel: erst Mensch und Tier und dann der Rasen.

Sie appellierte an die Politik, Konsequenzen von extremen Wettereignissen ernst zu nehmen. Daher müsse auch die Infrastruktur fit gemacht werden, um auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet zu sein. Es brauche gezielte Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel. Nötig wäre es, die Städte unter der Überschrift Klimaanpassungen einer Art Stresstest zu unterziehen.

Die passenden Lösungen seien oftmals nicht so einfach wie es scheint, so Reiche gegenüber der WELT AM SONNTAG weiter. Größere Rohre seien nicht die automatische Antwort auf Starkregenereignisse. Die Anforderungen an die Infrastruktur seien hier viel komplexer. Überflutungsereignissen kann am besten mit entsiegelten Retentionsflächen begegnet werden. Um Überhitzung zu begrenzen brauche es andere Architektur und Bauleitplanung, andere Flächennutzungspläne, mehr Wasserflächen und mehr Begrünung auf Dächern und Fassaden: „Auf eine Formel gebracht: Wir brauchen mehr Grün und Blau im Grau“, so Reiche im Interview.

Es sei richtig, dass jede Kommune für sich die Risikoanalyse leistet und individuelle Konzepte erarbeite. Aufgabe des Bundes sei es, die Kommunen bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen. Frau Reiche plädierte daher dafür, neben den Finanzmitteln der „Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz“ ein eigenes Förderprogramm für Kommunen zur Vorsorge vor Starkregen und Sturzfluten aufzulegen.