Sektorenkopplung und Flexibilisierung: Was kann Wärme leisten? BEE und VKU diskutierten mit Wirtschaft und Politik auf den Berliner Energietagen 2018

Der Umstieg von fossilen Energien auf klimafreundliche Energieträger im Wärmemarkt ist ein wesentlicher Beitrag zum Erreichen der Klimaziele. Sektorenkopplung und Flexibilisierung sind wichtige Voraussetzungen, um dieses Ziel zu erreichen. Gleichzeitig stellen diese Politik, Wirtschaft und Verbraucher vor besondere Herausforderungen. Auf den Berliner Energietagen diskutierten Anfang Mai der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) und der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) gemeinsam mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung, welchen Beitrag die (leitungsgebundene) Wärme zur Sektorenkopplung und Flexibilisierung leisten kann.

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Zum Auftakt begrüßte Dr. Peter Röttgen, Geschäftsführer des BEE, die rund 100 Gäste. Er stellte heraus, dass es für eine erfolgreiche Wärmewende zentral sei, die erneuerbaren Energien schnell auf die Straße zu bringen. Wärmenetze hätten das Potenzial dies, insbesondere in den Städten, zu leisten.

Anschließend betonte Herr Wübbels, stv. Hauptgeschäftsführer des VKU, dass die Stadtwerke als kommunale Infrastrukturbetreiber eine zentrale Rolle in der Wärmewende haben. Ein Schlüsselelement sei auch die Kraft-Wärme-Kopplung als Sektorenkopplungstechnologie. Entsprechend plädierte Herr Wübbels für verlässliche Rahmenbedingungen für die Weiterentwicklung der KWK und ihrer Infrastrukturen.

Bei dem folgenden "Speed pitch" mit Fragen zu den Herausforderungen, Technikkombinationen und der Wirtschaftlichkeit von Wärmenetzen 4.0 im Bestand gaben die Dortmunder Energie- und Wasserversorgung GmbH (DEW21), das Planungsbüro Ratioplan GmbH und das dänische Beratungsunternehmen Ramboll GmbH Einblicke in ihre Ansätze für innovative Wärmenetze. Weitgehender Konsens herrschte darüber, dass es zahlreiche Herausforderungen gäbe und eine Realisierung oftmals von glücklichen Gegebenheiten und Fördermitteln abhinge.

In der nachfolgenden Diskussion wurden Potenziale und Grenzen der (leitungsgebundenen) Wärme sowie Alternativen zwischen dem Bundeswirtschaftsministerium, dem Umweltministerium Baden-Württemberg sowie dem GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen thematisiert. Weitgehende Einigkeit herrschte darüber, dass der Ansatz der All-Electric-Society schnellstmöglich aus den Köpfen der Politiker verschwinden müsse und die Klimaziele ohne Förderung nicht zu erreichen seien.

Der Frage, welche Strategien es zur Treibhausgasreduktion und zum systemrelevanten Ausbau der leitungsgebundenen Wärme und Kälte in Deutschland gibt, ging das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) im anschließenden Vortrag nach. Denkbar wäre u. a. eine stärkere Ausrichtung auf Treibhausgasemissionen und die Umstellung der Berechnungsmethode des Primärenergiefaktors von Wärmenetzen.

In der abschließenden Podiumsdiskussion mit Vertretern aus der Verwaltung von Berlin und Nordrhein-Westfalen, der Wirtschaft sowie des BEE und VKU wurde der Frage nachgegangen, wie systemrelevant der Ausbau der leitungsgebundenen Wärme und Kälte sei. Weitgehender Konsens herrschte darüber, dass die Wärmewende erhebliche Investitionen und einen Mix aus Ordnungsrecht und finanziellen Anreizen bedarf.