Rückblick: Parlamentarischer Abend „Wärmewende braucht Wärmenetze“ Politik, Wirtschaft und Wissenschaft diskutierten über KWK und mehr

„Keine Energiewende ohne Wärmewende“ und Wärmenetze als „Sammelschienen der Erneuerbaren“ – dies und mehr waren Schlagworte, die auf dem Parlamentarischen Abend des VKU „Wärmewende braucht Wärmenetze“ am 13. Mai 2019 fielen. Diese Aussagen wurden zudem eindrucksvoll mit Zahlen und Fakten aus Wissenschaft und Praxis belegt und mit Bundestagsabgeordneten diskutiert.

©Jan Wullenweber/VKU

Welche Beiträge können die Wärmenetze und die auf absehbare Zeit unverzichtbare Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) für die Wärmewende leisten? Welcher politischen Weichenstellungen bedarf es, um die Wärmeinfrastrukturen auszubauen und für die Integration von erneuerbarer Wärme und Abwärme fit zu machen? Dies und mehr diskutierten Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft auf unserem Parlamentarischen Abend "Wärmewende braucht Wärmenetze" am 13. Mai 2019.

"Keine Energiewende ohne Wärmewende." Zum Auftakt appellierte Katherina Reiche, Hauptgeschäftsführerin des VKU, an die rund 80 Gäste, diese Worte endlich ernst zu nehmen und die Energiewende im Gebäudesektor konsequent anzugehen. Nach Ansicht des VKU bräuchte es dafür Wärmenetze und Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) als entscheidende Schlüsselelemente. Dies bekräftigte Andreas Feicht, Staatssekretär für Energiepolitik im BMWi und ehemaliger VKU-Vizepräsident, im Anschluss. Seiner Ansicht nach seien die Wärmenetze die "Sammelschienen der Erneuerbaren". In Bezug auf die KWK betonte er, dass sich die KWK "im Charakter weiterentwickeln" müsse, um zukunftsfähig zu sein. Dies solle im novellierten KWKG - das nicht nur eine Verlängerung, sondern eine "intellektuelle Weiterentwicklung" sein solle - verankert werden.

Im anschließenden Bericht aus Wissenschaft und Praxis wurden diese Aussagen eindrucksvoll mit Zahlen und Fakten belegt. Eines der wesentlichen Ergebnisse der vorgestellten Studie "Entwicklung der Gebäudewärme und Rückkopplung mit dem Energiesystem in -95 % THG-Klimazielszenarien" des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) war, dass die Wärmeversorgung der Gebäude durch den starken Ausbau von Wärmenetzen bis 2030 und den Einsatz eines Mixes aus verschiedenen Technologien, insbesondere von Wärmepumpen, vollständig dekarbonisiert werden könnte. Bemerkenswert war zudem die Erkenntnis, dass das hohe Potenzial an Wärmenetzen durch technisch ausreichend vorhandene EE-Wärmeerzeugungspotenziale versorgt werden kann. In der Wissenschaft graue Theorie, durch kommunale Unternehmen gelebte Praxis: Für ein bestehendes Quartier im Chemnitzer Stadtteil Brühl hat die iNetz GmbH ein Konzept entwickelt und umgesetzt, dass eine Wärmeversorgung auf Basis niedrigtemperierter Fernwärme, Solarthermie und KWK-Wärme ermöglicht. Zentrale Elemente für den Erfolg des vorgestellten Konzeptes waren der Rückhalt im Stadtrat und die Aktivierung der Gebäudeeigentümer über die Bereitstellung eines kostenfreien Informationsangebots in Form eines "energetischen Gebäudepasses".

Was im Kleinen heute schon mit reichlich Engagement machbar ist, muss zukünftig auch im Großen funktionieren: Welche politischen Weichenstellungen braucht es dafür in ganz Deutschland? Hierzu diskutierten die geladenen Politiker von CDU, SPD, Grünen und FDP unter anderem über eine CO2-Bepreisung. Einigkeit herrschte unter den Vertretern der Regierungsfraktionen, dass das derzeit diskutierte Gebäudeenergiegesetz nicht zum einseitigen Nachteil der Wärmenetze ausgestaltet werden darf. Allein dies wäre aus Sicht des VKU für die Kommunalwirtschaft und für die schrittweise Transformation der Wärmeversorgung schon ein großer Gewinn.