EU-Methanstrategie und Aktivitäten der deutschen Gaswirtschaft

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Die EU-Methanstrategie

In den politischen Anstrengungen zur Erfüllung der Treibhausgas-Minderungsziele als Teil des European Green Deal rückt Methan zunehmend in den Fokus. Am 14. Oktober 2020 hat die Europäische Kommission die „Strategie zur Reduktion von Methan-Emissionen“ (kurz: EU-Methanstrategie) veröffentlicht. Diese zeigt auf, wie die Methan-Emissionen in den Sektoren Landwirtschaft, Abfall und Energie besser erfasst und weiter reduziert werden sollen. Der VKU begleitet die Maßnahmen und Initiativen innerhalb des Grünen Deals weiterhin eng.

Die EU-Methanstrategie selbst ist noch kein Gesetz. Die Europäische Kommission plant jedoch, 2021 einen Gesetzgebungsprozess zu den in der Strategie genannten Maßnahmen anzustoßen. Die EU-Kommission setzt zunächst den Fokus auf horizontale sowie sektorenspezifische Maßnahmen zur Verbesserung der Messung von und Berichterstattung über Methanemissionen in den Sektoren Energie, Landwirtschaft und Abfallwirtschaft. Darauf aufbauend wird die Kommission mögliche Zielvorgaben zur Reduzierung von Methanemissionen prüfen. In wenigen Jahren werden also für alle Unternehmen, insbesondere Netzbetreiber und Gasproduzenten, verbindliche Vorschriften zur Messung, Meldung und weiteren Reduktion von Methan-Emissionen gelten.

Im Vorfeld hatte die Kommission im Juli 2020 eine „Roadmap“ veröffentlicht. Darin verfolgt sie einen integrierten Ansatz, der den Energiesektor, die Landwirtschaft und die Abfallwirtschaft einbezieht. Hauptziel der Initiative ist es, die wichtigsten Handlungsfelder zu identifizieren, in denen die durch den Menschen verursachten Methan-Emissionen signifikant verringert werden können. Der VKU hat sich mit einer Stellungnahme in dem Verfahren eingebracht.

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In der Methanstrategie kündigt die Kommission neben Vorschriften zur Messung und Berichterstattung von Methanemissionen auch Maßnahmen zur besseren Erkennung und Reparatur von Leckagen in der Gasinfrastruktur an. Auch Rechtsvorschriften, mit denen Praktiken wie das routinemäßige Abfackeln und Ablassen von Gasen beschränkt werden, will sie in Erwägung ziehen. Darauf aufbauend will die Kommission mögliche Zielvorgaben zur Reduzierung von Methanemissionen aus fossilen Energieträgern prüfen, die in der EU verbraucht oder importiert werden. Bei der Überprüfung der relevanten Energiegesetzgebung bis Juni 2021 will sie auch einen erleichterten Marktzugang für erneuerbare Gase prüfen, um die Biogasproduktion anzukurbeln. Für Methanemissionen im Abfallsektor erwartet die Kommission durch konsequente Umsetzung des Kreislaufwirtschaftspakets Emissionseinsparungen. Die Entsorgung biologischer Abfälle soll auf ein Minimum reduziert werden. Für eine bessere Bewirtschaftung von Deponiegas sollen die Rechtsvorschriften über Abfalldeponien 2024 überprüft werden. Ebenfalls erwägt die Kommission, den Anwendungsbereich der Richtlinie über Industrieemissionen und das daran angeknüpfte Schadstofffreisetzungs- und Verbringungsregister auf methanemittierende Sektoren zu erweitern. Auch mögliche Maßnahmen für die Behandlung von Klärschlamm und Kommunalabwasser sollen geprüft werden. Den Rahmen hierfür bilden die angelaufene Überprüfung und Überarbeitung der Kommunalabwasserrichtlinie sowie der Klärschlammrichtlinie.

Lediglich ein Teil der Methan-Emissionen geht auf die Gasversorgung zurück (s. Abbildung). Die Unternehmen der Gaswirtschaft in Deutschland haben aus Gründen der technischen Sicherheit, des Umwelt- und Klimaschutzes und der Kosteneffizienz bereits einen sehr hohen Standard zur Vermeidung von Methan-Emissionen erreicht. Dennoch wollen auch sie weiterhin ihren Beitrag zu den Zielen leisten. Um das Potenzial für weitere Reduktionen zu bestimmen und diese zu realisieren, werden zusätzliche betriebliche und organisatorische Maßnahmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette erforderlich sein. Zu diesen Maßnahmen haben die Verbände VKU, BDEW, DVGW und Zukunft Erdgas ein gemeinsames Verbändeanschreiben erstellt, dem Sie nähere Informationen entnehmen können.

Mit den Maßnahmen zur Verbesserung von Messung, Quantifizierung, Reporting und Verifizierung als Grundlage für weitere Aktivitäten stellt die Europäische Kommission die Weichen. Es braucht belastbare Zahlen und Argumente, um die Diskussionen über Methanemissionen einzudämmen. Der VKU trägt aktiv dazu bei, indem er zum Beispiel seine Mitglieder zur Teilnahme am DVGW-Projekt ME-DSO aufgefordert hat.

Der Energieträger Gas und sein Beitrag zum Klimaschutz

Erdgas (, das zu etwa 96 % aus Methan besteht,) ist der zweitwichtigste Primärenergieträger in Deutschland und hat einen Anteil von knapp einem Viertel am nationalen Primärenergieverbrauch (2018: 24 %; 3.034 PJ). Zum Einsatz kommt Erdgas in der Industrie, im Bereich von Gewerbe / Handel / Dienstleistungen, in der Stromerzeugung, der Mobilität und in Haushalten – jeder zweite Haushalt in Deutschland wird mit Erdgas beheizt. Die deutsche Gaswirtschaft ist für die Herausforderungen der Energiewende gut gewappnet. Schlüssel dafür sind im Wesentlichen drei Faktoren. Das ist die Kompatibilität mit erneuerbaren Energien: Denn die Erdgasinfrastruktur bietet Technologien erneuerbarer Gasproduktion ein leistungsfähiges, sicheres und effizientes Transport- und Verteilungssystem. Somit können die energiepolitischen Ziele durch Bio-Erdgas und Wasserstoff sowie erneuerbares Methan aus dem Power-to-Gas-Verfahren unterstützt werden. Zweiter Faktor ist die flächendeckende Integrationsmöglichkeit neuer Anwendungslösungen. Die Erdgasinfrastruktur in Deutschland leistet bereits heute aufgrund ihres technischen Ausbauzustandes und ihrer Kapazität die Integration aktueller und neuer Anwendungslösungen (wie dezentrale KWK-Anlagen) für die Energieversorgung der Zukunft. Sie wird damit zum Komplementär einer dezentralen, zunehmend erneuerbaren Energieversorgung. Der hohe flächenbezogene Erschließungsgrad des Gasnetzes eröffnet die Chance, diese Anwendungslösungen nahezu an jedem Ort in Deutschland zur Verfügung zu stellen. Und drittens ist die Erdgasinfrastruktur in der Neuformung der Energieversorgung als flexibler Baustein auch sektorenübergreifend wirksam. Durch die Kopplung der verschiedenen Energiesektoren werden diese zu einem volkswirtschaftlichen Optimum zusammengefügt. Hierdurch kann der Weg zu einer versorgungssicheren und kostengünstigen erneuerbaren Energieversorgung geebnet werden. Eine Diskontinuität bei der Nutzung der vorhandenen Infrastruktur ist volkswirtschaftlich hingegen mit sehr großen Kosten verbunden. Die Erdgasinfrastruktur ist somit ein Schlüsselfaktor für die notwendige Sektorkopplung und damit für das Gelingen der Energiewende.