Die Rolle der Abfallverbrennungsanlagen Ressourcenfresser oder umweltfreundliche Lieferanten von Strom, Wärme und Materialien?

Die zukünftige Rolle von Abfallverbrennungsanlagen, ihre Herausforderungen und Chancen diskutiert der VKU-Fachausschuss Thermische Abfallverwertung und -behandlung am 3. März 2020 in Wuppertal auf der Fachkonferenz „Abfallverbrennungsanlagen – neue Chancen der Sektorenkopplung“ mit Branchenfachleuten aus Unternehmen, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Verwaltung.

Als vierte Stufe der Abfallhierarchie ist die energetische Verwertung derzeit teilweise negativ behaftet. Manche Meinungen besagen sogar, dass Abfallverbrennungsanlagen das Schließen von Kreisläufen aufhalten würden. Außer Acht gelassen werden hierbei jedoch sowohl die Leistungen der Branche als auch die wichtigen Synergieeffekte, die zwischen verschiedenen Sektoren der Wirtschaft und der kommunalen Bereiche entstehen können.

„Das Ziel einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft ist es, möglichst viele Materialströme nach einer Aufbereitung wieder in den Kreislauf einzuschleusen“, sagt Referent Martin Treder von der Interessengemeinschaft der Thermischen Abfallbehandlungsanlagen in Deutschland (ITAD). „Dennoch müssen wir realistisch bleiben: Solange Produkte aus technischen Gründen nicht recycelt werden können, ist eine energetische Verwertung eine hervorragende Lösung. Darüber hinaus muss die Ökoeffizienz stimmen. Leider ist dies noch nicht immer der Fall“, so Treder. „Derzeit setzen wir noch die falschen Prioritäten – Metalle und Phosphor sollten stärker in den Fokus gelangen und nicht Kunststoffe.“

„Vor allem darf auch nicht vergessen werden, dass durch die Verbrennung Schadstoffe zerstört oder ausgeschleust und Keime abgetötet werden. Die Anlagen leisten so einen entscheidenden Beitrag zur Hygiene in Städten und Gemeinden und wirken der Verschleppung von Schadstoffen entgegen“, ergänzt Conrad Tschersich, Geschäftsführer der Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) Wuppertal und des EKOCity Abfallwirtschaftsverbandes sowie Vorsitzender des Fachausschusses. „Daher sind die thermischen Abfallbehandlungsanlagen bis auf Weiteres nicht aus der Kreislaufwirtschaft wegzudenken, und ihre vielfältigen Einsatzmöglichkeiten sollten möglichst effizient und ökologisch nachhaltig genutzt werden.“ Durch nachhaltige Power-to-X-Konzepte können Abfallverbrennungsanlagen zum Beispiel nicht nur der Stromerzeugung dienen, sondern auch als Produktionsstätten für Wasserstoff und Methanol Energie für die Abfallwirtschaft sowie den ÖNPV oder sogar Grundstoffe für die Chemieindustrie erzeugen. Wuppertal hat die Vorteile der Sektorkopplung für sich erkannt und in Wasserstoffbusse für den ÖPNV investiert. Diese können dann in Zukunft direkt an der Verbrennungsanlage mit dem produzierten Wasserstoff betankt werden.

Die Bundeskanzlerin hat vor kurzer Zeit die Bedeutung des Wasserstoffs in Deutschland betont und somit den Ausbau einer bundesweiten H2-Infrastruktur unterstützt und die Position der Verbrennungsanlagen in der Debatte in einen neuen Blickwinkel gestellt. Natürlich gibt es auch hierbei große Herausforderungen. Es muss sich deshalb umfassend mit der Ökobilanzierung aller vorhandenen Alternative bei der Entsorgung eines Abfalls auseinandergesetzt werden, auch des derzeit wieder stark diskutierten chemischen Recyclings, um offene Fragen zu beantworten. Dabei sollte CO2 im ganzheitlichen Kontext der Kohlenstoff-Kreislaufwirtschaft als Bindeglied betrachtet werden.

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