Ambitionierter Ausbau der Wärmenetze ermöglicht Erreichung der Klimaschutzziele Fraunhofer IEE zeigt Pfad zur Dekarbonisierung der Gebäudewärme auf

Die Wärmewende ist in der Flaute. Und eine Besserung ist nicht in Sicht. Dabei könnte die Wärmeversorgung der Gebäude vollständig dekarbonisiert werden: Durch den starken Ausbau von Wärmenetzen bis 2030 und dem Einsatz eines Technologie-Mixes. Dies ist eines der wesentlichen Ergebnisse einer aktuellen Studie des Fraunhofer IEE.

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Die Wärmewende ist in der Flaute. Und eine Besserung ist nicht in Sicht. Dabei könnte die Wärmeversorgung der Gebäude vollständig dekarbonisiert werden: durch den starken Ausbau von Wärmenetzen bis 2030 und den Einsatz eines Mixes aus verschiedenen Technologien, insbesondere von Wärmepumpen. Diese Erkenntnis ist eines der wesentlichen Ergebnisse einer aktuellen Studie des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE).

Die Wissenschaftler haben den städtischen Bereich als Flaschenhals für eine Dekarbonisierung der Gebäudewärme identifiziert. Dort sind Potentiale erneuerbarer Wärme insbesondere wegen fehlender Flächen und Zugänglichkeit beschränkt. Bei der Wärmeversorgung ist jedoch die Nähe zwischen Erzeugungs- und Verbrauchsort zentral. Über Wärmenetze kann dieses Dilemma gelöst werden.

Um die Wärmeversorgung zu dekarbonisieren, muss daher der Endenergieanteil der leitungsgebundenen Wärmeversorgung an der gesamten Gebäudewärme bis 2030 von 11 auf 37 Prozent erhöht werden. Die Studie beziffert den dafür erforderlichen zusätzlichen Netzausbau mit 85.000 Kilometern und 5,7 Millionen Hausanschlüssen. Gegenüber dem bestehenden jährlichen Netzausbau stellt dies eine Steigerung um den Faktor 6 bis 7 dar. Dieser frühzeitige hohe Wärmenetzausbau ist laut Wissenschaftlern selbst bei einer hohen Gebäudesanierungsrate und entsprechend langfristig sinkenden Energiebedarfen im Gebäudebestand wirtschaftlich.

Für die Einspeisung in die Wärmenetze weist die Studie die größten Potentiale für Großwärmepumpen aus. Auch Solarthermie und Geothermie spielen je nach lokaler Verfügbarkeit eine Rolle. Zentrale Voraussetzungen für die Erschließung der EE-Wärmepotenziale sind dabei die Reduktion der Netztemperaturen und der Bau langer Anbindeleitungen, um den innerstädtischen Bereich mit EE-Quellen im Umland zu verbinden.

Die Ergebnisse der Studie "Entwicklung der Gebäudewärme und Rückkopplung mit dem Energiesystem in -95 % THG-Klimazielszenarien" wurden über ein Optimierungsverfahren ermittelt, welches die Energiesystemkosten unter Einhaltung der Klimaziele minimiert. Die Bewertung erfolgte dabei auf Basis eines technologieoffenen Ansatzes nach dem Kriterium der CO2-Vermeidungskosten. Die Studie ist Teil des vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) geförderten Projektes "Transformationspfade im Wärmesektor" und entstand mit Unterstützung des VKU.

Kommunale Unternehmen sind zentrale Akteure bei der Transformation der Wärmeversorgung. Um den in der Studie skizzierten Pfad zu einem volkswirtschaftlichen Optimum betriebswirtschaftlich umsetzen zu können, bedarf es jedoch geeigneter Rahmenbedingungen und Instrumente.

Einerseits müssen Wärmenetze neu- bzw. ausgebaut sowie Bestandsnetze für erneuerbare Wärme und Abwärme "fit" gemacht werden. Der VKU fordert daher, die Wärmenetzförderung im KWKG entsprechend auf diese Herausforderungen auszurichten. Andererseits muss ein wirtschaftlicher Einsatz großtechnischer erneuerbarer Wärmeerzeuger, wie Großwärmepumpen, ermöglicht werden. Aus Sicht des VKU sollte das im Rahmen der BMWi-Förderstrategie geplante Basis-Programm Wärmeinfrastruktur dieses aktuelle Hemmnis schnell und umfassend adressieren. Ferner bleibt die KWK eine zentrale Säule für die Strom- und Wärmeversorgung vor Ort. Der VKU setzt sich entsprechend dafür ein, das KWKG bis 2030 zu verlängern.

Abschließend ist festzuhalten, dass die Studie einen ambitionierten Pfad in eine vollständig dekarbonisierte Wärmeversorgung von Gebäuden aufzeigt. Es liegt an der Politik, die kommunalen Unternehmen durch geeignete Anreize in die Lage zu versetzen, diesen Pfad auf Basis wirtschaftlich tragbarer Geschäftsmodelle zu gehen.

Weitere Schlussfolgerungen und Informationen können Sie der Studie entnehmen. Sie ist über die Internetseite des Fraunhofer IEE kostenfrei erhältlich.