Erste Ausschreibung für Windenergie an Land

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Seit diesem Jahr gilt im EEG der Grundsatz, dass Betreiber von EE-Anlagen nur dann gefördert werden, wenn sie erfolgreich an einer Ausschreibung teilnehmen. Einen Zuschlag erhalten die Projekte, für die der geringste Förderbedarf angemeldet wird. Aufgrund der technologiespezifischen Besonderheiten führt die Bundesnetzagentur separate Ausschreibungen für Windenergie-, Solar- und Biomasseanlagen durch.

Am 19.05.2017 hat die BNetzA die Zuschläge in der ersten Ausschreibung für Windenergie an Land bekannt gegeben. Bezuschlagt wurden 70 Gebote mit einem Gebotsumfang von 807 MW. Eingereicht wurden 256 Gebote mit einem Volumen von 2.137 MW. Der niedrigste Gebotswert eines Gebotes, das einen Zuschlag erhielt, beträgt 4,20 ct/kWh. Das Gebot mit dem höchsten Zuschlagswert liegt bei 5,78 ct/kWh. Der durchschnittliche, mengengewichtete Zuschlagswert beträgt 5,71 ct/kWh.


93 Prozent der Zuschläge bzw. 96 Prozent des Zuschlagsvolumens entfielen auf "Bürgerenergiegesellschaften" im Sinne des EEG. Deren Zuschlagswert wird nach dem Einheitspreisverfahren ermittelt. Bei allen anderen Bietern ist der Zuschlagswert der individuell gebotene Wert (Gebotspreisverfahren).


Ein weiterer Vorteil von Bürgerenergiegesellschaften ist, dass sie - anders als alle anderen Bieter - Gebote für Anlagen auch vor Erteilung einer BImSchG-Genehmigung abgeben dürfen. Im Gegenzug müssen Bürgerenergiegesellschaften bestimmte Anforderungen an die Gesellschaftsstruktur erfüllen, die per Eigenerklärung darzulegen sind.


Im "Netzausbaugebiet" (der nördliche Teil Niedersachsens, Bremen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern) durften Zuschläge nur bis zu einer festlegten Grenze von 258 Megawatt erteilt werden. Diese Grenze wurde erreicht. Einige Gebote konnten aufgrund dieser Grenze nicht berücksichtigt werden.


Das Ausschreibungsergebnis hat viele überrascht. Kaum jemand hat damit gerechnet, dass so viele Bürgerenergiegesellschaften einen Zuschlag erhalten würden. Ob die bezuschlagten Bürgerenergiegesellschaften tatsächlich die Bürgerenergie in ihrer gesamten Bandbreite repräsentieren, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt allerdings kaum beurteilen. Auch über die Realisierungsquoten kann man nur mutmaßen.


Der VKU bedauert, dass viele Beteiligungsmodelle, die von Stadtwerken angeboten werden, vom EEG nicht als "Bürgerenergiegesellschaften" anerkannt sind und damit nicht von den Sonderregeln profitieren, obwohl gerade sie eine breit gestreute Bürgerbeteiligung ermöglichen. Oft sind das Projekte, die Stadtwerke in Kooperation mit Bürgerenergiegenossenschaften und Kommunen verwirklichen. Da sie nicht von der "Bürgerenergie-Ausnahme" im EEG profitieren, unterliegen sie dem vollem Preiswettbewerb und bekommen noch dazu Konkurrenz von  Bürgerenergiegesellschaften, die unter erleichterten Bedingungen bieten dürfen. Auch vor diesem Hintergrund sollte die "Bürgerenergie-Ausnahme" zügig evaluiert werden.


Insgesamt zeigen die Ergebnisse jedoch, dass Ausschreibungen in der Praxis funktionieren. Der VKU hat die Einführung von Ausschreibungen stets befürwortet - nicht nur weil die EEG-Förderung dadurch kosteneffizienter werden kann, sondern auch, weil sich mit Ausschreibungen die Menge des Erneuerbare-Energien-Ausbaus steuern lässt. Eine Mengensteuerung ist wichtig, weil der Ausbau der Erneuerbaren nur so schnell erfolgen sollte, wie der Netzausbau mit dieser Entwicklung Schritt halten kann.