Erneuerbare Fernwärme als Beitrag zur ökologischen Modernisierung Europas BEE/VKU – Veranstaltung auf den Berliner Energietagen 2021

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Vor diesem Hintergrund brachten der Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE) und der Verband kommunaler Unternehmen e.V. (VKU) unter dem Titel „Erneuerbare Fernwärme als Beitrag zur ökologischen Modernisierung Europas“ auf den Berliner Energietagen 2021 Vertreterinnen und Vertreter aus der europäischen Politik, deutschen Behörden und aus der unternehmerischen Praxis zusammen. Seit 2016 war es die nunmehr bereits sechste gemeinsame Veranstaltung der beiden Verbände auf den Berliner Energietagen. Bis zu 270 Personen nahmen an der Veranstaltung teil.

Als Impulsgeberin aus Europa skizzierte Eva Hoos (Policy Officer bei der Generaldirektion Energie der EU-Kommission) zunächst die Roadmap der EU-Kommission zur Umsetzung des Green Deals. Dabei wurde deutlich, dass die EU-Kommission die Überarbeitung sämtlicher einschlägiger Politikinstrumente für erforderlich hält, um das verschärfte EU-Klimaziel für 2030 (-55 Prozent THG-Ausstoß gegenüber 1990) zu erreichen. Von diesem „Fit-for-55-Package“ sei auch die Wärmeversorgung, und insbesondere die Fernwärme als Schlüsseltechnologie für die Klimaneutralität am Wärmemarkt, betroffen. So zielen die politischen Bemühungen der EU-Kommission darauf ab, die Einbindung von klimaneutralen Quellen (erneuerbare Energien, Abwärme) in die Wärmenetze deutlich zu beschleunigen.

Im Anschluss zeigten ausgewählte Praxisbeispiele aus Neubrandenburg, Hamburg und Wien im Speed-Pitch auf, dass sich kommunale Unternehmen bereits im Transformationsprozess hin zu einer nachhaltigen Fernwärmeversorgung befinden. Dabei wurde deutlich, dass die gewählten Transformationsansätze jeweils in Abhängigkeit von den unterschiedlichen lokalen Gegebenheiten stehen. Die Neubrandenburger Stadtwerke GmbH verfolgt dabei das Ziel, durch die Erschließung von lokal verfügbaren erneuerbaren Energien den Einsatz von fossilen Brennstoffen schrittweise zu mindern. Zu den wesentlichen Meilensteinen im Transformationsprozess gehören u. a. der Umbau des vorhandenen Aquiferspeichers zu einer Geothermieanlage, die Errichtung einer Freiflächen-Solarthermieanlage, der Bau und Inbetriebnahme eines Kurzzeitwärmespeichers sowie die Errichtung einer Power-to-Heat-Anlage. Die Wärme Hamburg GmbH rückt hingegen die Nutzung von Abwärme verstärkt in den Fokus und nutzt damit die lokalen Gegebenheiten der ausgeprägten Industriestruktur im Hamburger Süden aus. Neben der Abwärme aus der thermischen Abfallverwertung soll künftig verstärkt auch Abwärme, die in industriellen Prozessen sowie bei der Abwasserreinigung anfällt, in das Fernwärmesystem eingebunden werden. Eine Kombination aus Abwärme und erneuerbaren Energien charakterisiert den Wiener Transformationsansatz: Fernwärme, welche aktuell noch zu einem großen Anteil durch Gas-KWK erzeugt wird, soll perspektivisch insbesondere durch die Geothermie und Großwärmepumpen ersetzt werden. Bereits heute ist am Standort Simmering die größte Wärmepumpe Mitteleuropas in Betrieb. Die Errichtung von weiteren Großwärmepumpen an der Hauptkläranlage Wien (Nutzung von Abwasser) und an der Abfallverbrennung Spittelau (Nutzung der Abwärme aus dem Rauchgas) ist bereits in der Umsetzung.

Im abschließenden Verbände-Talk diskutierten Thorsten Herdan, Leiter der Abteilung II im Bundeswirtschaftsministerium, Hildegard Bentele, Mitglied der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament, BEE-Geschäftsführer Wolfram Axthelm und CEDEC-Präsident Dr. Florian Bieberbach über die Chancen und Hemmnisse der erneuerbaren Fernwärme als Baustein des Green Deals. Thorsten Herdan betonte dabei, dass eine Reform der Abgaben, Umlagen, Steuern und Entgelte erforderlich ist, um ein „Level Playing Field“ für erneuerbare Energien zu schaffen. Hildegard Bentele forderte derweil für den Umbau der Fernwärme einen unterstützenden politischen Rahmen, mahnte gleichzeitig aber auch ein ambitioniertes Voranschreiten der Branche an. Nach Ansicht von Wolfram Axthelm seien erneuerbare Energien ein Garant für langfristige Kostenstabilität. Um diese noch stärker in die Fernwärme einzubinden, müsse der politische Rahmen noch konsequenter auf erneuerbare Energien ausgerichtet werden. Dr. Florian Bieberbach sprach derweil von einer besonderen Verantwortung kommunaler Unternehmen im Rahmen der schrittweisen Umstellung der Fernwärme auf erneuerbare Energien und Abwärme. Anpassungen und Vereinfachungen im Bereich des Beihilferechts sowie beim Thema nachhaltige Finanzierung würden dabei wichtige Rollen spielen.

Nachdem die Berliner Energietage 2021 pandemiebedingt nun zum zweiten Mal in digitaler Form stattfanden, so äußerten die Referentinnen und Referenten und Diskussionsteilnehmer die große Hoffnung, sich nächstes Jahr wieder in Präsenz treffen zu können.