Festlegungsverfahren zur Änderung des Bilanzkreisvertrages Strom: BNetzA geht in erneute Konsultationsrunde

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Die Beschlusskammer (BK) 6 der Bundesnetzagentur (BNetzA) führte am 17.09.2014 in Bonn einen Workshop im Rahmen des Festlegungsverfahrens zur Änderung des Bilanzkreisvertrages Strom durch.

Im Nachgang zur ersten Konsultationsrunde im Juli 2014, an der sich auch der VKU beteiligte, nahmen mehr als 120 Workshop-Teilnehmer, darunter die Verbände VKU, BDEW, EFET, VCI sowie Vertreter der Bilanzkreiskooperation, teil.
Im Kern wurden die folgenden drei Vorschläge der BNetzA zur Anpassung des Bilanzkreisvertrages diskutiert:

  1. die Abschaffung der nachträglichen Fahrplananmeldung (Day-After Handel);
  2. die Bereitstellung kundengruppenscharfer Verbrauchs- (FC-CONS) und energieträgerscharfer Erzeugungsprognosen (FC-PROD) auf Verteilnetzbetreiberebene;
  3. die außerordentliche Kündigung aufgrund einer fehlerhaften Fahrplanmeldung.

Die intensiven Diskussionen zwischen den Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB), der BK 6 und den Bilanzkreisverantwortlichen (BKV) machte den Beteiligten deutlich, mit welch gravierenden Auswirkungen eine Abschaffung des Day-After Handels für die BKV verbunden wäre. Dieses Instrument wird von BKV genutzt, um nach der physischen Erfüllung eines Geschäfts, unvermeidbare Prognoseabweichungen rein buchhalterisch bis zum Folgetag auszugleichen. Eine Beseitigung dieses Instruments würde zu unverhältnismäßigen Kostensteigerungen aufgrund betriebsinterner Prozessanpassungen, erheblicher Investitionen in IT und Fachpersonal, sowie einem höheren Ausgleichsenergierisiko führen. Insbesondere kleinere Marktteilnehmer verdeutlichten, dass sie durch einen derartigen Eingriff aus dem Markt gedrängt würden. Beispielsweise wären kleinere Stadtwerke, die ihr Vertriebsportfolio zeitweise über einen Dienstleister bewirtschaften lassen, auch dazu verpflichtet vor jeder Mengenänderung einen neuen Fahrplan zu senden. Wenn die BKV dies nicht realisieren können, würden sie de-facto gezwungen, ihren Bilanzkreis aufzugeben. Selbst für diejenigen, die über eine Rund-um-die-Uhr Bewirtschaftung verfügen, ginge das Vorziehen des Bewirtschaftungsendes mit hohen Ineffizienzen im Intra-Day Handel einher. Angesichts der Tatsache, dass, laut Aussage der ÜNBs, 95% der BKV ausgeglichene Fahrpläne einreichen, sieht der VKU und die große Mehrheit der Konsultationsteilnehmer den aktuellen BNetzA-Vorschlag als unverhältnismäßig, um die als ursprünglich vorgebrachte Begründung der Vermeidung von einzelnen Missbrauchsfällen zu bewirken.

Ähnlich kontrovers diskutiert wurden die Punkte 2 und 3. Insbesondere der zusätzliche Nutzen, der durch die Bereitstellung energieträgerscharfer FC-PROD und kundengruppenscharfer FC-CONS entstehen würde, blieb, gemessen am Aufwand, vielen BKV unklar. Angesichts der Konsequenzen, die eine außerordentliche Kündigung des Bilanzkreisvertrages im Falle einer wiederholten oder 24-stündigen Abweichung im Bilanzkreis, für einen BKV hätte, wurde auch hier deutlich, dass noch erheblicher Klärungsbedarf hinsichtlich der konkreten Umsetzung besteht.

Vor diesem Hintergrund begrüßt der VKU ausdrücklich die Entscheidung der BK 6, eine zweite Konsultationsrunde bis 31. Oktober 2014 einzuleiten, und alle Beteiligten zu einem weiteren Workshop am 01. Dezember 2014 einzuladen, bei dem Alternativvorschläge von den Energieverbänden und den BKV eingebracht und diskutiert werden können.