Anreizverschärfungen für BKV dürfen den Wettbewerb nicht belasten

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Anfang Mai 2015 veröffentlichte das BMWi die Leitstudie Strommarkt 2015. Das Gutachten, welches federführend von Connect Energy Economics erstellt wurde, kommt zu dem Schluss, dass das aktuelle Strommarktdesign die beste Grundlage ist für eine effiziente und sichere Transformation des Strommarktes hin zu hohen Anteilen erneuerbarer Energien.

Die Gutachter argumentieren, dass der Energy-Only Markt (EOM) Versorgungssicherheit gewährleisten kann und dafür sorgt, dass Angebot und Nachfrage zum Ausgleich kommen. Statt eines Kapazitätsmarktes schlägt die Studie eine Kapazitätsreserve vor, die den EOM 2.0 ergänzen soll ("der Hosenträger zum Gürtel").

Unter den allgemeinen Empfehlungen zur Weiterentwicklung des EOM wird u.a. auf eine Verbesserung der Anreize zur aktiveren Bilanzkreisbewirtschaftung verwiesen. Dies soll primär über die Anpassung des Ausgleichsenergiepreismechanismus (AEPM) erreicht werden. Dadurch sollen die wirtschaftlichen Anreize für Prognoseverbesserungen bzw. für einen kurzfristigen Ausgleich von Prognosefehlern über Handelsgeschäfte steigen. Im Kern sieht die Studie vier Maßnahmen vor:

  1. Internalisierung der Vorhaltungskosten
  2. Berücksichtigung der Regelenergiekosten in überwiegender Abrufrichtung
  3. Einheitspreissystem für Regelenergie
  4. Verbesserung des Referenzwerts für die Börsenpreisbindung

Darüber hinaus wird auf die Einführung einer Kapazitätsreserve (KaPaRe) verwiesen, deren Aktivierungskosten von den Bilanzkreisverantwortlichen (BKV) getragen werden sollen. Diese würden dadurch angereizt, Leistung zu kontrahieren, um ihre Lieferverpflichtungen abzusichern.

Aus VKU-Sicht stellt insbesondere die Verbesserung des Referenzwerts für die Börsenpreisbindung ein nachvollziehbarer Vorschlag dar. Die anderen Maßnahmen (z.B. die Berücksichtigung der Regelenergiekosten in überwiegender Abrufrichtung sowie das Einheitspreissystem für Regelenergie) bergen zahlreiche Umsetzungsprobleme und -risiken. Grundsätzlich ist zu beachten, dass eine Stärkung der Anreize immer auch Rückwirkungen auf die Wettbewerbsintensität hat und kleine Bilanzkreise bzw. solche mit einer hohen Prognoseunsicherheit tendenziell stärker belastet werden als große Bilanzkreise mit diversifizierten Portfolien.

Zusammen mit der Kapazitätsreserve, die aus BKV-Sicht zahlreiche finanzielle Risiken und operative Herausforderungen mit sich bringt, sollten die in der Leitstudie diskutierten Maßnahmen in jedem Fall eingehend mit den Marktteilnehmern konsultiert werden, bevor eine Entscheidung über deren Einführung getroffen wird.