VKU-DigiNetzWerk
Kommunale Rechenzentren im Wandel: Rückblick auf den 9. Juni

Rund 70 Teilnehmende diskutierten im DigiNetzWerk die Zukunft kommunaler Rechenzentren. Im Mittelpunkt standen steigender Energiebedarf, Netzintegration und strategische Fragen der Infrastrukturentwicklung von der nationalen Strategie bis zu konkreten Praxisbeispielen.

12.06.26

Energie, Netze und Strategien im Fokus der Diskussion

Welche Rolle spielen kommunale Rechenzentren künftig im Spannungsfeld von wachsendem Energiebedarf, Netzintegration und steigender Nachfrage nach Rechenkapazitäten? Diese zentrale Frage stand im Fokus der vierten Veranstaltung des DigiNetzWerks 2026. Rund 70 Teilnehmende nutzten die digitale Plattform, um sich intensiv über aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Lösungsansätze auszutauschen.

Kommunale Rechenzentren gewinnen zunehmend an strategischer Bedeutung. Sie sind nicht nur Rückgrat der digitalen Transformation, sondern auch ein wesentlicher Baustein für eine resiliente und nachhaltige Infrastruktur. Insbesondere die Themen Energieversorgung, Standortentwicklung, Abwärmenutzung und Netzintegration rücken immer stärker in den Mittelpunkt. Der Markt wächst dynamisch. Bereits heute konzentrieren sich Rechenzentren in Europa auf zentrale Knotenpunkte wie Frankfurt, London oder Amsterdam. Auch in Deutschland bilden neben dem Rhein-Main-Gebiet insbesondere Berlin/Brandenburg, Hamburg, München sowie Köln-Düsseldorf wichtige Standorte. Gleichzeitig entstehen neue Dynamiken in Regionen mit verfügbaren Netzkapazitäten und schnellen Anschlussmöglichkeiten.

Mit der nationalen Rechenzentrumsstrategie hat die Bundesregierung einen wichtigen Rahmen geschaffen, um diese Entwicklung zu begleiten. Eric Mischke (BMDS) verdeutlichte, dass die Strategie bewusst als „lebendes Dokument“ angelegt ist und regelmäßig weiterentwickelt wird. Besonders relevant für kommunale Unternehmen sind dabei die Handlungsfelder Energie und Netze, Flächenverfügbarkeit sowie die Nutzung von Abwärme.

Dr. Jens Libbe (Difu) ordnete die Entwicklung aus wissenschaftlicher Perspektive ein: Die Kapazität von Rechenzentren in Deutschland lag 2025 bei rund 2.800 Megawatt und könnte bis 2030 auf über 4.800 Megawatt ansteigen. Neben großen Hyperscale-Standorten gewinnen dabei zunehmend auch dezentrale, kundennähere Lösungen an Bedeutung.

Einen praxisnahen Einblick bot Hannes Schliebner (SUELL) mit dem Projekt eines Rechenzentrumscampus im Spreewald. Das Vorhaben zeigt beispielhaft, wie sich Rechenzentren in kommunale Infrastrukturen integrieren lassen; etwa durch die Nutzung von Abwärme zur Dekarbonisierung der Fernwärmeversorgung in Lübbenau.

Die Diskussionen während der Veranstaltung machten deutlich, dass sich die Entwicklung kommunaler Rechenzentren entlang mehreren zentralen Trends vollzieht. So zeigt sich eine zunehmende Konzentration auf bereits etablierte Standorte. Regionen mit bestehender Rechenzentrumsdichte gewinnen weiter an Attraktivität, da sie vom sogenannten Data-Gravity-Effekt profitieren: Wo bereits große Datenmengen, leistungsfähige Infrastrukturen und Netzwerke vorhanden sind, siedeln sich weitere Kapazitäten bevorzugt an.

Gleichzeitig wird ein anhaltendes Wachstum deutlich, jedoch nicht ausschließlich in den bestehenden Zentren. Neue Standorte entstehen verstärkt dort, wo Stromnetze weniger ausgelastet sind und schnelle, verlässliche Netzanschlüsse ermöglicht werden können. Die Verfügbarkeit von Energieinfrastruktur wird damit zu einem entscheidenden Standortfaktor.

Darüber hinaus zeichnet sich eine klare Transformation ab: Neben großen, zentralisierten Hyperscale-Rechenzentren gewinnen dezentrale, kundennähere Lösungen zunehmend an Bedeutung. Insbesondere im Kontext von Nachhaltigkeit und Effizienz rücken innovative Konzepte wie die Abwärmenutzung oder die Integration in kommunale Versorgungssysteme stärker in den Fokus.

Gleichzeitig wurde klar, dass kommunale Unternehmen eine aktive Rolle in dieser Entwicklung einnehmen können und sollten, sowohl als Betreiber als auch als strategische Gestalter vor Ort

Die hohe Beteiligung und die intensive Diskussion unterstreichen den Bedarf an Austausch und Vernetzung. Genau hier setzt das DigiNetzWerk an: Es bietet eine Plattform, um Wissen zu bündeln, Erfahrungen zu teilen und gemeinsam Lösungen für zentrale Zukunftsfragen zu entwickeln.