Pressemitteilung

VKU zum "Aktionsplan Stromnetz" des Bundeswirtschaftsministeriums

Berlin, 14.08.2018 VKU-Hauptgeschäftsführerin Katherina Reiche dazu: „Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier setzt den Netzausbau an die erste Stelle seiner energiepolitischen Agenda. Das begrüßen wir. Der Aktionsplan enthält viele richtige Ansätze, und doch vermissen wir etwas Entscheidendes, nämlich, dass die Rolle der Stromverteilnetze als entscheidender Baustein stärker miteinbezogen wird. Richtiger Weise sind im „Aktionsplan Stromnetz“ einige Maßnahmen für die Verteilnetze enthalten. Gleichwohl fehlt ein grundlegender Aspekt, der für den Erhalt der Versorgungssicherheit und optimalen Nutzung von Flexibilitäten unerlässlich ist. Verteilnetze sind für die neue Energiewelt entscheidend, wenn es darum geht, den steigenden Anteil des erneuerbaren Stroms in größeren Regionen bereits vor Ort zu verteilen oder dezentral, beispielsweise in Wärmenetzen, zu speichern.

An der Schnittstelle zwischen Übertragungsnetzbetreibern und Verteilnetzbetreibern braucht es klare Verantwortlichkeiten und die zügige gesetzliche Verankerung der Einheit von Aufgabe, Verantwortung und Entscheidungshoheit des jeweiligen Netzbetreibers. Folgende Rollenaufteilung ist dafür erforderlich: Jeder Stromnetzbetreiber sollte für die Steuerung seiner Netzebene verantwortlich sein und so seinen Beitrag zur Netzstabilität und Versorgungssicherheit leisten. Wenn in den nächsten Jahren erheblich mehr Elektromobilität hinzu kommt sowie Mieterstrommodelle oder neue Strom-Wärme-Konzepte, werden die Verteilnetze für das System noch bedeutender.

Ziel muss es sein, unnötige Kosten für die Stromkunden zu vermeiden. Durch das Hoch- und Herunterfahren von Kraftwerken sowie die Abregelung von Erneuerbaren Energien müssen Bürger und Wirtschaft Kosten von mittlerweile über 1,4 Mrd. Euro für Netzsicherheit und Systemstabilität über ihre Stromrechnung bezahlen. Das System der Anreizregulierung wurde mit der letzten Novelle bereits investitionsfreundlicher ausgestaltet. Allerdings gilt dies nur im Bereich der Kapitalkosten. Um die Verteilnetze smart und damit fit für die Zukunft zu machen, bedarf es allerdings höherer Anreize auch für den Einsatz von operativen Kosten. Wenn Netze digitalisiert sind, sind sie in der Lage, mehr Informationen zu verarbeiten; das hat zur Folge, dass sie besser ausgesteuert sind.“

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) vertritt rund 1.460 kommunalwirtschaftliche Unternehmen in den Bereichen Energie, Wasser/Abwasser, Abfallwirtschaft sowie Telekommunikation. Mit mehr als 260.000 Beschäftigten wurden 2016 Umsatzerlöse von knapp 114 Milliarden Euro erwirtschaftet und rund 10 Milliarden Euro investiert. Die VKU-Mitgliedsunternehmen haben im Endkundensegment große Marktanteile in zentralen Versorgungsbereichen (Strom 60 Prozent, Erdgas 65 Prozent, Trinkwasser 88 Prozent, Wärmeversorgung 72 Prozent, Abwasserentsorgung 43 Prozent). Sie entsorgen jeden Tag 31.500 Tonnen Abfall und tragen entscheidend dazu bei, dass Deutschland mit 66 Prozent die höchste Recyclingquote in der Europäischen Union hat. Die kommunalen Unternehmen versorgen zudem mehr als sechs Millionen Kunden mit Breitbandinfrastrukturen. Sie investieren in den kommenden Jahren mehr als eine Milliarde Euro in digitale Infrastrukturen von Glasfaser bis Long Range Wide Area Networks (LoRaWAN) in den Kommunen und legen damit die Grundlagen für die Gigabitgesellschaft.