Wasserpreise doch nicht explodiert

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Die Trinkwasserpreise haben sich in den vergangenen Jahren weitgehend parallel zu den allgemeinen Verbraucherpreisen entwickelt. Das bestätigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Verschiedene Medien hatten im Mai über deutlich gestiegene Wasserpreise berichtet. Wird das Verursacherprinzip nicht konsequent umgesetzt, könnten diese Berichte zukünftig aber Realität werden.

Anfang Mai haben zahlreiche Medien über teilweise massiv gestiegene Trinkwasserpreise berichtet und sich dabei auf eine Auswertung von Daten des Statistischen Bundesamtes berufen, die die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen durchgeführt hatte. Demnach seien die Preise für Trinkwasser zwischen 2005 und 2016 im bundesweiten Schnitt um mehr als 25 Prozent gestiegen und damit deutlich stärker als die allgemeinen Verbraucherpreise.

Vorab sei gesagt: Die Interpretation der Daten war falsch. Die Diskussion, die damit eigentlich angestoßen werden sollte, ist aus Sicht des VKU aber grundsätzlich richtig. Die Grünen wollten darauf aufmerksam machen, dass die Folgen der landwirtschaftlichen Überdüngung und die damit verbundene Belastung des Grundwassers mit Nitrat sowie zunehmende Medikamentenrückstände und der allgemeine Infrastrukturerhalt zu einem Anstieg der Trinkwasserpreise führen können. Auch aus Sicht des VKU drohen ohne eine konsequente Umsetzung des Verursacherprinzips zukünftig deutliche Preissteigerungen. So hat das Umweltbundesamt bereits im vergangenen Jahr festgestellt, dass durch die Belastung des Grundwassers mit Nitrat Preissteigerungen zwischen 32 bis 45 Prozent zu befürchten sind, sofern keine geeigneten Vorsorgemaßnahmen ergriffen werden. Nach einer aktuellen Mitgliederbefragung des VKU geht zudem etwa jeder zweite Trinkwasserversorger davon aus, dass es für die Entfernung von Spurenstoffen zu Preissteigerungen zwischen 10 und 30 Prozent kommen wird. Im Bereich der Abwasserentsorgung rechnen sogar fast zwei Drittel der befragen Unternehmen mit Preissteigerungen in dieser Größenordnung.

Die vom Statistischen Bundesamt zwischen 2005 und 2016 erhobenen Daten bilden die zu erwartende Entwicklung für die Vergangenheit allerdings noch nicht in der Breite ab. Der VKU hat darauf in der medialen Berichterstattung aufmerksam gemacht. Eine Preissteigerung von über 25 Prozent, die aus den statistischen Daten geschlussfolgert wurde, hat tatsächlich gar nicht stattgefunden. Vielmehr hat es nach 2013 eine Veränderung der statistischen Erhebungsmethodik gegeben, die einen wesentlichen Teil der Kostensteigerungen begründen. Die Verbraucherkosten für Trinkwasser wurden bis 2013 anhand eines Musterhaushaltes mit einem einheitlichen Verbrauch von 80 Kubikmetern pro Jahr berechnet. Ab 2014 weicht die Statistik von diesem Musterhaushalt ab, indem nun der durchschnittliche Wasserverbrauch pro Kopf bei einer durchschnittlichen Haushaltsgröße zu Grunde gelegt wird.

Das Statistische Bundesamt hat die Darstellung des VKU zwischenzeitlich bestätigt und darauf hingewiesen, dass ein Zeitvergleich zwischen den Jahren 2005 bis 2016 aufgrund von methodischen Umstellungen im Berichtszeitraum nicht vorgenommen werden kann. So sind die Daten ab 2014 wegen konzeptioneller Änderungen in der Auswertung mit den Vorjahren nicht vergleichbar. Laut den obersten Bundesstatistikern lässt sich die Entwicklung der Trinkwasserpreise für private Haushalte daher besser anhand der Verbraucherstatistik nachvollziehen. Demnach sind die Wasserpreise in Deutschland zwischen 2005 und 2016 um 17,6 Prozent gestiegen. Im selben Zeitraum stiegen die Verbraucherpreise insgesamt mit + 16,1 % nur unwesentlich geringer. Von einer „Explosion der Trinkwasserspreise“ wie Medien titelten, kann also keine Rede sein.

Umfangreiche Information zum Thema Wasserpreise finden Sie in unserem Faktencheck: Wasserpreise und –gebühren unter www.vku.de/wasserpreise.