Faktencheck: Wasserpreise

1. Warum sind Trinkwasserpreise regional unterschiedlich?

Preis-Differenzen bei der Trinkwasserbereitstellung hängen von vielen strukturellen Rahmenbedingungen ab, die der Wasserversorger vor Ort vorfindet und nicht beeinflussen kann. Dazu zählen beispielsweise die topografischen Gegebenheiten, dieWasserverfügbarkeit, die Siedlungsstruktur und -demografie im Versorgungsgebiet oder die Urbanität.

2. Welche Aussagekraft haben Trinkwasser-Preisvergleiche?

Die regional unterschiedlichen örtlichen Gegebenheiten machen einen Vergleich der Wasserentgelte verschiedener Wasserversorgungsgebiete sehr schwierig. Wasserpreisvergleiche, die verschiedene Endpreise miteinander vergleichen, ohne die regional unterschiedlichen strukturellen, rechtlichen und naturräumlichen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen, sagen nichts darüber aus, ob der Trinkwasserpreis angemessen ist. Sie zeigen auch nicht, wie leistungsfähig und effizient die Wasserversorger am jeweiligen Standort arbeiten.

3. Wie verteilen sich die Kosten für die Trinkwasserversorgung?

Um alle Bürger mit qualitativ hochwertigem Trinkwasser zu versorgen, ist eine aufwändige Infrastruktur notwendig. Die hohe Anlagenintensität für die Wassergewinnung und -verteilung führt zu einem Fixkostenanteil von circa 75 Prozent. Diese Kosten fallen unabhängig von der abgegebenen Wassermenge an. Lediglich rund 25 Prozent der Versorgungskosten hängen vom tatsächlichen Trinkwassergebrauch der Verbraucher ab. Hierunter zählen unter anderem die Energiebezugskosten und das Material zur Wasseraufbereitung.

4. Kann man Wasserkosten durch einen geringeren Verbrauch senken?

Lediglich rund 25 Prozent der Versorgungskosten hängen vom tatsächlichen Trinkwasserverbrauch ab. Ein rückläufiger Verbrauch wirkt sich kaum auf die Gesamtkosten aus, denn Anlagen und Netze für die Aufbereitung und Verteilung sind unabhängig von der genutzten Menge weiterhin erforderlich. Geht der Wasserverbrauch zurück, müssen die Kosten künftig auf eine immer geringer werdende Wassermenge verteilt werden. In der Folge steigen die Kosten pro Kubikmeter.

5. Wo kann sich der Verbraucher über seinen Wasserpreis informieren?

Verbraucher können sich jederzeit bei ihrem kommunalen Wasserversorger über die Höhe ihrer Trinkwasserentgelte informieren. Jeder Wasserversorger ist dazu verpflichtet, seine Preise/Gebühren zu veröffentlichen. Viele Wasserversorger informieren ihre Kunden auf ihrer Webseite, über ihre Kundenzeitschriften oder stellen diese Informationen über Veröffentlichungen der Gemeinden bereit.

6. Wie sieht das Preis-Leistungsverhältnis beim Trinkwasser aus?

Für sein Trinkwasser (121 Liter durchschnittlich) zahlt jeder Bürger im Durchschnitt 30 Cent täglich, 9,19 Euro monatlich. 

Für seinen Tagesbedarf an Trinkwasser muss jeder Bürger im Durchschnitt anderthalb Minuten arbeiten. 
Für die rund fünf Euro, die Sie für einen Kasten Stilles Mineralwasser(ca. 9 Liter, 12 x 0,75 Liter-Flaschen) bezahlen, bekommen Sie durchschnittlich 2.495 Liter frisches Trinkwasser aus dem Hahn. 

Trinkwasser ist das Lebensmittel Nummer 1 in Deutschland. Über 90 Prozent der Deutschen nutzen es unmittelbar wie die 2015er-Ergebnisse der Langzeitstudie „Qualität und Image von Trinkwasser in Deutschland“ (TWIS) zeigen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis bewerten die befragten Verbraucher als ausgewogen: Mehr als drei Viertel der befragten Verbraucher halten ihren Wasserpreis für mindestens angemessen. Auch das Vertrauen der Verbraucher erreicht Spitzenwerte. Fast 85 Prozent bewerten die Qualität ihres Trinkwassers mit „sehr gut“ oder „gut“. Fast ebenso viele äußern, dass sie ihr Leitungswasser ohne Bedenken trinken.

7. Warum gibt es unterschiedliche Wasserentgelte?

Die öffentliche Wasserversorgung dient der Daseinsvorsorge. Sie ist eine kommunale Pflichtaufgabe und wird von den Gemeinden in eigener Verantwortung wahrgenommen. Die Beziehung zwischen Wasserversorger und Kunde kann dabei privatrechtlich mit Preisen oder öffentlich-rechtlich mit Gebühren ausgestaltet werden. Beide Systeme stehen selbständig nebeneinander und sind im Sinne der Verbraucher mit einer funktionierenden Kontrolle durch Behörden und Gerichte ausgestaltet.

8. Wer kontrolliert Höhe und Angemessenheit von Wasserpreisen und -gebühren?

Öffentlich-rechtliche Wasserentgelte werden von den Kommunalaufsichtsbehörden kontrolliert. Der Bürger selbst kann seine Beitrags-, Gebühren- und Leistungsbescheide von Verwaltungsgerichten überprüfen lassen. Diese prüfen dann, ob die Vorgaben der Kommunalabgabengesetze bei der Beitrags- und Gebührenkalkulation genau eingehalten wurden. Im Rahmen der 8. “Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkung“-Novelle (GWB-Novelle) wurde klargestellt, dass öffentlich-rechtliche Gebühren nicht dem Kartellrecht unterliegen (siehe §130 GWB ).


Privatrechtliche Wasserentgelte werden von den Kartellbehörden der Länder beaufsichtigt. Bei der sogenannten „Missbrauchsaufsicht“ kontrollieren sie, ob die Wasserpreise angemessen sind. Verbraucher können ihren Wasserpreis außerdem durch ein Zivilgericht prüfen lassen. Einige Unternehmen gründen besondere Beiräte als zusätzliche Eigenkontrolle. Die Entgeltgestaltung kommunaler Unternehmen unterliegt ungeachtet der Unternehmensform der Kontrolle durch die Kommunalpolitik, wodurch die Entgelte kommunaler Wasserversorgungsunternehmen demokratisch legitimiert sind.

9. Ist der aktuelle Preisvergleich des Bundeskartellamtes aussagekräftig?

Normierte Abnahmetypfälle unterstellen eine einheitliche Wassernachfrage über alle Wasserversorger hinweg, obwohl der durchschnittliche Wasserverbrauch bundesweit sehr unterschiedlich ausfällt und aufgrund der hohen Fixkosten  zu unterschiedlichen Entgelten pro Kubikmeter führt. Liegt beispielsweise der tatsächliche durchschnittliche Verbrauch eines Zweipersonenhaushaltes in einem Versorgungsgebiet unter 100 m³, entspricht der berechnete Vergleichspreis nicht den örtlichen Rahmenbedingungen des betroffenen Versorgers für seine Wasserpreis- oder Wassergebührenkalkulation. Ein Typfall, der eine bestimmte Verbrauchsmenge festlegt, spiegelt die tatsächlichen örtlichen Gegebenheiten nicht angemessen wieder. Standardisierte Vergleich suggerieren damit eine Vergleichbarkeit, wo keine ist.

Auch unterschiedliche Maßstäbe, die im Rahmen der Wasserentgeltgestaltung für die Kostenverteilung von einem Wasserversorger gewählt werden können, lassen standardisierte Abnahmetypfälle ins Leere laufen. So können Wasserversorger die fixen Entgeltanteile nach unterschiedlichen Bemessungsgrundlagen festlegen (beispielsweise Zählergröße oder Wohneinheiten). Auch der Anteil an Erlösen, der über fixe oder mengenabhängige Entgeltbestandteile erhoben wird, fällt unterschiedlich hoch aus.

Wie eine verursachergerechte Kostenanlastung und Verteilung auf unterschiedliche Kundengruppen in einem Versorgungsgebiet ausgestaltet sein sollte, und welcher Maßstab dafür besonders geeignet ist, ist immer eine Frage, die vor Ort beantwortet werden muss. Entscheidend sind dabei die Rahmenbedingungen, die in einem Versorgungsgebiet vorherrschen. Wie sieht der „durchschnittliche Kunde“ aus? Welche Rolle spielen Pendler- und saisonale Touristenströme? Ist die Kundenstruktur einheitlich oder wechseln sich Gebiete von Einfamilien- mit Mehrfamilienhäusern oder Hochhausgebieten im Versorgungsgebiet ab? Spielt Leerstand eine wesentliche Rolle? Und nicht zuletzt: Wie stellt sich die Entwicklung der Wasserabgabemenge dar?