Neue Broschüre mit Best Practice Beispielen zur Digitalisierung

Die Energiewirtschaft ist im Umbruch. Energieversorger kämpfen mit sinkenden Margen, Kraftwerksbetreiber leiden unter niedrigen Börsenstrompreisen und Netzbetreiber müssen die Folgen der Energiewende bewältigen. Durch den Ausbau der Stromerzeugung aus Sonne und Wind wird das Stromangebot zunehmend volatil. Aus Regionen, die in der Vergangenheit reine Lastsenken waren, werden je nach Uhr- oder Jahreszeit Gebiete mit einem Erzeugungsüberschuss. Gefragt ist hier eine intelligente Steuerung, die möglichst gute Prognosen in eine weitgehend automatisierte Entscheidungsfindung einbezieht.

In dieser Zeit des Umbruchs werden neue Geschäftsfelder, Einsparpotentiale in konventionellen Prozessen und Ideen für eine Flexibilisierung des Stromverbrauchs gesucht. Die Digitalisierung bietet hier vielfältige und ständig neue Möglichkeiten. Eine Arbeitsgruppe von VKU-Mitgliedsunternehmen hat in der Broschüre „Digitalisierung – Handlungsoptionen für die Stadtwerke-IT“ die wesentlichen Herausforderungen und vorhandene Handlungsoptionen untersucht (siehe unten). Auf dieser Seite werden zu den Handlungsoptionen Umsetzungsbeispiele von VKU-Mitgliedsunternehmen gesammelt. Sie finden Sie wenn Sie auf die Bilder und Grafiken unten auf dieser Seite klicken. Damit gewinnen Sie eine Vorstellung, welche praktischen Möglichkeiten es gibt, sich den in der Broschüre herausgearbeiteten Handlungsoptionen zu nähern.

Wenn Sie ebenfalls Umsetzungsbeispiele haben, die Sie hier präsentieren möchten, melden Sie sich gerne bei uns. Die Kontaktdaten finden Sie unten auf dieser Seite.

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regio iT: Pilotprojekt „Smart School“

Mit dem Ziel, zukünftig ein effizientes Energiecontrolling sicherzustellen, hat sich der Bauausschuss der Stadt Eschweiler Anfang 2018 dazu entschieden, das Energiemanagement-Portal „e2watch“ der regio iT einzusetzen. Bildquelle: regio iT

Mit dieser modular aufgebauten Softwareas- a-Service-Lösung (SaaS) werden 15-minütige Energieverbrauchswerte visualisiert. Zusätzlich stehen umfangreiche Zusatzfunktionen, wie zum Beispiel ein Stör- und Alarmmanagement, Kennzahlen- bzw. Multiauswertungen oder ein automatisiertes Reporting zur Verfügung. Darüber hinaus können in e2watch auch Daten aus IoT-Sensoren überwacht und verarbeitet werden. Bei einer Überschreitung voreingestellter Grenzwerte werden die im System hinterlegten Personen per E-Mail und SMS benachrichtigt – durch den Einsatz von Aktoren kann zum Beispiel die Wasserzufuhr einzelner Messstellen auch automatisch gestoppt werden.
Um die Möglichkeiten vor Ort zu untersuchen, wurde ein sogenannter „e2watch – Technik Check-Up“ der regio iT durchgeführt. Untersucht wurden dabei die baulichen Aspekte vor Ort, wie Brandschutzabschnitte, Entfernungen zwischen Zählern und die datentechnischen Einrichtungen.

rku.it GmbH: Chatbot – vom Kommunikationskanal zum Funktionskanal

Messenger-Dienste wie Telegram und Social-Media-Plattformen wie Facebook sind inzwischen auch für Unternehmen etablierte Kommunikationswege zum Kunden. Chatbots können hier eine Reihe von Vorteilen bringen. Bildquelle: rku.it GmbH

Als künstliche Intelligenz sind Chatbots immer im Dienst und können eine Vielzahl von Anfragen simultan beantworten – in Echtzeit, rund um die Uhr, egal wo sich ein Kunde gerade befindet. Bots entlasten damit das Support- Team im First-Level-Support. Frei werdende Ressourcen können so für eine Erhöhung der Servicequalität genutzt werden. Mit Guided Conversation wird der Kunde durch Auswahlmöglichkeiten an Antworten herangeführt; dies vereinfacht die Interaktion und der Kunde kommt so schneller und effizienter zur Lösung seines Anliegens (zum Beispiel Eingabe des Zählerstands). Durch den Einsatz von Chatbots mit integrierter emotionaler Intelligenz kann ein möglichst natürlicher Umgang mit den Kunden gewahrt bleiben.

aov IT.Services GmbH: aDox-Personalakte (Dokumentenmanagement)

aov wurde 1952 von ostwestfälischen Versorgungsunternehmen als gemeinsames Rechenzentrum gegründet. aov sucht, entwickelt und betreibt Lösungen für die IT-Herausforderungen ihrer Kunden. Alle Produkte und Dienstleistungen sind speziell auf die Bedürfnisse kleiner und mittelständischer Energieversorgungsunternehmen ausgerichtet. Bildquelle: aov IT.Services GmbH

Nicht nur für die mittlerweile auf 20 Versorgungsunternehmen angewachsenen Gesellschafter, sondern auch für ihre anderen Kunden setzt aov neue Anforderungen an Vereinfachung und Automatisierung von Geschäftsprozessen im Entwicklungsprozess der Digitalisierung um. In diesem Projekt wurde das Dokumentenmanagement mit sensiblen Personaldaten digitalisiert. Dabei wurde das Augenmerk auf die Erleichterung des Umgangs und die Zugriffsmöglichkeiten für Personalsachbearbeiter und Mitarbeiter gelegt. Auch die Nutzung des Systems mit mobilen Endgeräten war ein wichtiges Kriterium bei der Umsetzung der Lösung. Ein weiteres Ziel war es, die Druck- und Versandkosten zukünftig zu senken. Das eingeführte Datenmanagement mit Personaldaten muss revisionssicher und gesetzeskonform sein.

HAMBURG ENERGIE GmbH: Aufbau des Geschäftsfeldes Flexibilitätsmanagement

Vor dem Hintergrund sinkender Margen und Erlöse aus Standardprodukten wie der Direktvermarktung oder Regelleistung möchte HAMBURG ENERGIE mit neuen Dienstleistungen das Portfolio diversifizieren. In den kommenden Jahren fällt eine große Zahl älterer Fotovoltaik- und Windkraftanlagen aus der EEG-Förderung. Bildquelle: HAMBURG ENERGIE GmbH

Für Betreiber dieser Anlagen, für Betreiber von Kraft-Wärme- Kopplungsanlagen sowie für größere industrielle Verbraucher ist eine Steuerung und optimierte Vermarktung von Flexibilität als Dienstleistung entwickelt worden. Die Vermarktung dieser Flexibilität erfolgt im durchgängigen Stromhandel. Dafür ist eine integrierte IT-Systemlandschaft aufgebaut worden, die alle notwendigen Prozesse umfasst. Das Projekt wurde im November 2016 gestartet und wird bis Ende 2018 erfolgreich beendet. Entwickelt wurden Prozesse und IT-Strukturen sowie Dienstleistungsprodukte für die Kurzfristmärkte, die Regelenergie (SRL) und für die optimierte Betriebsführung von wärmegeführten Anlagen, wie sie zum Beispiel in der Wohnungswirtschaft zu finden sind. Darüber hinaus bietet HAMBURG ENERGIE ein kostengünstiges Standard-Modul zur technischen Anbindung der steuerbaren Anlagen entwickelt.

ITEMS GMBH: LoRaWAN – Lübeck wird zur Smart City

Durch niedrige Börsenstrompreise, sinkende Margen im Energievertrieb und sich ändernde Kundenbedürfnisse sind Energieversorgungsunternehmen (EVUs) gezwungen, neue Geschäftsmodelle zu erschließen. Häufig werden einfach Zusatzleistungen um den Stromvertrag herum angeboten. Bildquelle: ITEMS GMBH

Aus Sicht von items braucht es grundsätzlich neue Services, bei denen ein EVU seine Kernkompetenzen nutzen kann. Stadtwerke betreiben schon seit mehr als 100 Jahren Strom-, Gas- und Wassernetze – mit einem drahtlosen Kommunikationsnetz für das „Internet of Things“ (IoT) können die Unternehmen ihr Portfolio um eine Kommunikationsinfrastruktur erweitern. Die derzeit häufig favorisierte Technologie ist das „Long Range Wide Area Network“ (LoRaWAN), das von Stadtwerken eigenständig betrieben werden kann. LoRaWAN zeichnet sich vor allem durch seine hohe Reichweite, hervorragende Gebäudedurchdringung sowie seinen geringen Energieverbrauch aus.

Dabei können Akkulaufzeiten der angeschlossenen Sensoren oder Aktoren von bis zu zehn Jahren erreicht werden.

MVV Energie AG: Kundenplattform zur Vermarktung von Flexibilität

Das Mannheimer Energieunternehmen MVV besetzt alle Stufen der energiewirtschaftlichen Wertschöpfungskette. Der Energiehandel der Unternehmensgruppe ist in der Handelstochter MVV Trading gebündelt. Bildquelle: MVV Energie AG

Sie ist für Beschaffung und Vermarktung von Energie zuständig, sowohl als zentrale Handelseinheit für die Konzerngesellschaften als auch für Drittkunden wie Stadtwerke und Industrie. Gerade im Handel an den Energiebörsen hat die Digitalisierung Prozesse massiv beschleunigt und automatisiert. Daher haben sich auch bei MVV Trading innovative Dienstleistungen und individuelle Lösungen als zentrale Elemente im Produktportfolio neben dem Kerngeschäft Energiehandel etabliert. Ziel ist es, die Prozesse im eigenen Haus und bei den Kunden zu digitalisieren und so fit für die Zukunft zu machen.

Den Grundstein dafür sollte eine internetbasierte Kundenplattform bilden, auf der Kunden ihre Flexibilitäten erfassen und vermarkten können. Die Vermarktung sollte dabei auf möglichst vielen der verfügbaren Märkte erfolgen.

BS|ENERGY: Projekt zur Evaluierung robotergesteuerter Prozessautomatisierung (RPA)

Im Projekt werden neue Ansätze zur Prozessoptimierung untersucht, die sich durch den Einsatz von softwarebasierten Robotern ergeben. Dabei geht es um die Automatisierung von Arbeitsschritten bzw. -abläufen, die bisher wiederkehrend und manuell durchgeführt werden. Bildquelle: BS|ENERGY

Bei positivem Ergebnis stellt RPA damit eine Option dar, um Fehlerwahrscheinlichkeiten in der Bearbeitung zu reduzieren oder Mitarbeiterfluktuationen (zum Beispiel bei Renteneintritt) zur Senkung von Personalkosten zu nutzen. Das in den ersten, testweise RPA-unterstützten Prozessen erlernte Wissen kann dann für die Skalierung auf das gesamte Unternehmen genutzt werden. Das Evaluierungsprojekt zur RPA wurde mit einer Laufzeit von sechs Monaten angesetzt. Beteiligt waren etwa 15 Mitarbeiter aus verschiedenen Fachbereichen, der Organisationsabteilung und der IT. Das Projektbudget lag im mittleren fünfstelligen Bereich.