Sachsen-Anhalt
Technischer Großversuch zur innovativen und kostengünstigen Abwasserreinigung in der vierten Reinigungsstufe
Eine keramische Membran, die durch Polyelektrolyt-Beschichtungen funktionalisiert werden kann, sowie ein Verfahren, welches die Anwendung von Oxidationsmitteln und UV-Strahlung kombiniert haben ihre Wirksamkeit im Labor bewiesen. Die Übertragung in einen großtechnischen Maßstab fördert das Land Sachsen-Anhalt mit 552.000 €.
22.05.26
Eine keramische Membran, die durch Polyelektrolyt-Beschichtungen funktionalisiert werden kann, sowie ein Verfahren, welches die Anwendung von Oxidationsmitteln und UV-Strahlung kombiniert haben ihre Wirksamkeit im Labor bewiesen. Die Übertragung in einen großtechnischen Maßstab fördert das Land Sachsen-Anhalt mit 552.000 €.
Was war der Anlass für den technischen Großversuch und wie soll die Umsetzung erfolgen?
Dr. Steffen Eichner, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt, sagt: „Die Reduktion von Spurenstoffen und Mikroplastik im Ablauf kommunaler Kläranlagen gewinnt an Bedeutung. Ursachen sind u. a. erhöhter Medikamenteneintrag in Folge der demografischen Bevölkerungsentwicklung, der Eintrag von Mikroplastik u. a. aus kosmetischen Produkten und Reifenabrieb, sowie die fortschreitende Entwicklung analytischer Nachweisverfahren, die uns zum Handeln zwingen. Hinzu kommt, dass die Notwendigkeit einer vollständigen Abwasserreinigung zum Schutze des Grundwassers und damit des Wasserkreislaufes durch schärfere gesetzliche Vorgaben flankiert wird, wie etwa die novellierte EU-Kommunalabwasserrichtlinie. Um diese Anforderungen umzusetzen, bedarf es neuer innovativer Verfahren, die einen umweltökonomischen Ansatz verfolgen und somit wesentlich verbesserte Reinigungsleistungen bei hoher Kosteneffizienz sicherstellen.“
Matthias Lux, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke Halle GmbH und Vorsitzender des Vorstandes des Kompetenzzentrums Wasserwirtschaft, dankt dem Kompetenzzentrum Wasserwirtschaft für die Initiative, ein Konsortium zur Umsetzung des technischen Großversuches aus der Hochschule Magdeburg-Stendal, der Gesellschaft zur Förderung von Medizin-, Bio- und Umwelt- Technologien e.V. und der HWS zu bilden. Er verweist darauf, dass namhafte Unternehmen an der Umsetzung des großtechnischen Versuches, wie die Nanostone Water GmbH und die Surflay Nanotec GmbH beteiligt sind. „Sehr gern haben die Stadtwerke Halle die Kläranlage Halle-Nord für die Umsetzung des technischen Großversuches zur Verfügung gestellt“, sagt Matthias Lux.
Die Hochschule Magdeburg-Stendal hat gemeinsam mit der Nanstone Water GmbH und der Surflay Nanotec GmbH eine keramische Membran entwickelt, die durch Polyelektrolyt-Beschichtungen funktionalisiert werden kann und hinsichtlich des Medikamentenrückhalts ihre Wirksamkeit bereits nachgewiesen hat. Die GMBU e.V. hat ein weiteres Verfahren entwickelt und erfolgreich im Labormaßstab getestet. Dieses kombiniert die Anwendung von Oxidationsmitteln und UV-Strahlung. Für eine Übertragung in die Großtechnik sowie für die Gewinnung von Kenndaten zur Übertragbarkeit auf weitere Anwendungsmöglichkeiten, ist eine Erprobung im großtechnischen Maßstab, in Form eines Reallabors ein unbedingt notwendiger Schritt.
Prof. Dr. Jürgen Wiese (Projektleiter) betont: „Hierfür ist der Einsatz von Containeranlagen vorgesehen, welche an den Standort adaptiert und in der Versuchsphase bei Bedarf angepasst werden können. Die Untersuchungen mit Hilfe der Containeranlagen tragen dazu bei, anwendungsspezifische Adaptionen sowie vergleichende Untersuchungen beider in Sachsen-Anhalt entwickelter Verfahren zur Findung von Best-Practice-Lösungen durchführen zu können.“
Dr. Klaus Krüger ergänzt: „Beide in Sachsen-Anhalt entwickelte Verfahrenskonzepte können eine effiziente Alternative zu den bereits bekannten Verfahren der 4. Reinigungsstufe darstellen. Nachdem diese im Labormaßstab ihre Wirkung bewiesen haben, soll nun der nächste Schritt auf dem Weg einer großtechnischen Umsetzung / Pilotierung gegangen werden.“
Dr. Steffen Eichner macht darauf aufmerksam, dass mit Umsetzung der EU-Kommunalabwasserrichtlinie eine schnelle Umsetzung des großtechnischen Versuches erforderlich ist, um die Ergebnisse der Laborversuche zu bestätigen und einen kurzfristigen Technologietransfer und damit eine breitenwirksame Anwendung unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sicherzustellen.
Zur Unterstützung dieses Prozesses übergibt Dr. Steffen Eichner an den Projektleiter Prof. Dr. Jürgen Wiese einen Fördermittelbescheid i. H. v. 552.000 € aus Haushaltsmitteln für das Projekt, welches bis Ende 2028 abgeschlossen sein wird. Prof. Dr. Jürgen Wiese bedankt sich für die Unterstützung des Landes.
Matthias Lux betont abschließend, dass das Kompetenzzentrum Wasserwirtschaft nicht nur als Koordinator dieses Projektes wirkt, sondern die Ergebnisse durch seine intensive Vernetzung in Mitteldeutschland auch schnell praxisnah umsetzen kann.