Frauen in Orange
Treffen unserer WertstoffHeldinnen
Zum fünften Mal fand am 26. und 27. Februar anlässlich des internationalen Frauentags das VKU „Frauen in Orange“-Treffen statt. 30 Frauen aus von Wertstoffhöfen und Recyclingstationen von 18 Abfallwirtschaftsunternehmen waren der Einladung gefolgt und für zwei Tage nach Bremen gereist um gemeinsam neue Erfahrungen zu sammeln und sich über die Berufsbilder, ihre Erkenntnisse aus der Arbeit in der Abfallbranche und Ideen für die Zukunft auszutauschen.
18.03.26
Zum fünften Mal fand am 26. und 27. Februar anlässlich des internationalen Frauentags das VKU „Frauen in Orange“-Treffen statt. 30 Frauen aus von Wertstoffhöfen und Recyclingstationen von 18 Abfallwirtschaftsunternehmen waren der Einladung gefolgt und für zwei Tage nach Bremen gereist um gemeinsam neue Erfahrungen zu sammeln und sich über die Berufsbilder, ihre Erkenntnisse aus der Arbeit in der Abfallbranche und Ideen für die Zukunft auszutauschen.
In den Abfallwirtschaftsbetrieben in Deutschland zeigt sich seit Jahren ein ähnliches Bild: Im operativen Bereich – dort, wo Tag für Tag die praktische, körperliche und sichtbare Arbeit der Abfallwirtschaft stattfindet – sind Frauen nach wie vor selten anzutreffen. Ob auf dem Müllfahrzeug, in der Straßenreinigung, auf Wertstoffhöfen oder in den Anlagen: Viele dieser Berufe gelten trotz gesellschaftlicher Fortschritte noch immer als klassische Männerdomänen. Dieser Eindruck wirkt sich nicht nur auf die Wahrnehmung und Wertschätzung der Tätigkeiten aus, sondern erschwert es auch, neue weibliche Fachkräfte zu gewinnen.
Um diesem Ungleichgewicht entgegenzuwirken und Frauen in männerdominierten Berufen mehr Sichtbarkeit zu geben, initiierte die AG Gleichstellung des VKU Abfallwirtschaft und Stadtsauberkeit zusammen mit der Berliner Stadtreinigung anlässlich des Weltfrauentags am 8. März 2019 das erste Frauen-in-Orange-Treffen. Schon die Premiere wurde zu einem vollen Erfolg – sowohl medial als auch für die Teilnehmerinnen selbst, die den offenen Austausch und die gemeinsame Vernetzung als bereichernd und ermutigend beschrieben. Schnell war klar: Dieses Format hat Zukunft und brachte die AG Gleichstellung dazu, eine sich wiederholende Umsetzung des Treffens zu entwickeln.
So wanderte das Treffen in den vergangenen Jahren durch verschiedene Städte: Berlin, Münster, Hamburg und Kassel waren bereits Gastgeberinnen. In diesem Jahr fand es erstmals in Bremen statt – und brachte eine Veränderung mit sich. Während bisher Straßenreinigerinnen und Müllwerkerinnen im Mittelpunkt standen, wurden dieses Mal auf Wunsch unserer Mitgliedsunternehmen Frauen eingeladen, die auf Wertstoffhöfen und Recyclingstationen arbeiten.
Wertstoffhöfe sind zentrale Anlaufstellen im Alltag vieler Bürgerinnen und Bürger und prägen das Bild der kommunalen Abfallwirtschaft maßgeblich mit. Gleichzeitig ist der Frauenanteil auch hier noch sehr niedrig – aktuellen VKU-Umfragedaten zufolge bei nur 13,7 Prozent.
Wie in den vorherigen Treffen stand der Austausch im Vordergrund. Zwei halbe Tage lang kamen die Teilnehmerinnen aus ganz Deutschland zusammen, um sich kennenzulernen, fachlich auszutauschen und gemeinsam an zentralen Themenblöcken zu arbeiten:
Führung im operativen Bereich
Gewaltprävention und Umgang mit schwierigen Situationen
Arbeitsbelastung und Herausforderungen im Alltag
Strategien zur Gewinnung neuer Frauen für diese Tätigkeiten
Aus den Gesprächsrunden kristallisierten sich viele spannende Erkenntnisse heraus. Besonders auffällig:
Die Vielseitigkeit der Tätigkeiten wird durchweg positiv bewertet.
Die meisten Frauen sind Quereinsteigerinnen, die zuvor in ganz anderen Berufsfeldern tätig waren – von Büroarbeit über Dienstleistung bis hin zu Handwerksberufen.
Viele erfuhren eher zufällig von ihren aktuellen Berufen. Das zeigt, wie wichtig gezielte Kommunikation und Sichtbarkeit sind.
Die Zusammenarbeit mit männlichen Kollegen wird von allen als verlässlich, unterstützend und kollegial beschrieben.
Die Frauen sind stolz darauf, Verantwortung zu übernehmen, im Team zu arbeiten und gleichzeitig „etwas Gutes für die eigene Stadt“ zu tun.
Gleichzeitig wurden realistische Herausforderungen benannt: Manche Kundensituationen erfordern Geduld und Abgrenzungsfähigkeit. Und in einem Punkt waren sich alle einig: Mehr Frauen täten den Wertstoffhöfen und Recyclingstationen gut – fachlich, atmosphärisch und gesellschaftlich.
Die Teilnehmerinnen appellieren daher an die Unternehmen:
Schafft klare Rahmenbedingungen, die Frauen den Einstieg erleichtern.
Kommuniziert aktiv, dass diese Berufe auch für Frauen attraktiv und machbar sind.
Ermöglicht sichtbare Entwicklungs- und Aufstiegschancen, die auch im operativen Bereich greifen.
Die AG Gleichstellung wertet das Treffen als vollen Erfolg und plant bereits die nächste Ausgabe – vielleicht mit Fokus auf Frauen in Werkstätten oder im Anlagenbetrieb. Denn auch hier sind Frauen noch immer unterrepräsentiert.