VKU-Stellungnahme
VKU-Stellungnahme zum Orientierungspapier „Kostenwälzung“ (Festlegungsverfahren AgNes)

20.04.26

Deckblatt der Publikation VKU-Stellungnahme zum Orientierungspapier „Kostenwälzung“ (Festlegungsverfahren AgNes)
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Einleitung 

Die Bundesnetzagentur (BNetzA) hat im Rahmen des AgNes-Prozesses Orientierungs punkte zur Kostenwälzung vorgelegt und damit eine grundlegende Diskussion zur zukünftigen Ausgestaltung der Kostenallokation im Netz angestoßen. Der VKU begrüßt ausdrücklich den übergeordneten Ansatz der BNetzA, die Kostenverteilung stärker an dem Prinzip der Kostenverursachungsgerechtigkeit auszurichten und damit systemische Fehlanreize zu reduzieren. Vor dem Hintergrund der fortschreitenden Energiewende und zunehmender struktureller Veränderungen im Netzbetrieb ist eine Weiterentwicklung der bestehenden Mechanismen grundsätzlich nachvollziehbar und notwendig. 

Gleichwohl zeigt sich aus Sicht des VKU, dass das in den Orientierungspunkten vorgeschlagene Modell diesen Anspruch in der praktischen Umsetzung nicht erfüllt. Die Komplexität des Ansatzes, die Vielzahl an Annahmen sowie die begrenzte Abbildbarkeit realer Netz- und Marktverhältnisse führen dazu, dass die intendierte verursachungsgerechte Kostenverteilung nicht erreicht wird. Stattdessen drohen neue Unsicherheiten, zusätzliche administrative Aufwände und potenziell verzerrende Effekte, ohne dass ein klarer Mehrwert gegenüber bestehenden oder alternativen Regelungsansätzen erkennbar wird. Vor diesem Hintergrund erachtet der VKU das vorgeschlagene Modell zur Kostenwälzung auf Basis der Letztverbrauchermengen im Rahmen des AgNes-Prozesses als nicht zielführend. 

Nachdem die Bundesnetzagentur bereits in den vorangegangenen Themenfeldern des Ag Nes-Prozesses Regelungsvorschläge vorgelegt hat, die durch eine hohe konzeptionelle Komplexität und einen erheblichen Umsetzungsaufwand gekennzeichnet sind, setzt sich dieser Ansatz auch im vorliegenden Vorschlag zur Kostenwälzung fort. Aus Sicht des VKU wird die absehbar zunehmende Systemkomplexität nicht zu einer größeren Klarheit oder Robustheit der Regulierung beitragen, sondern vielmehr neue Unsicherheiten und praktische Umsetzungsprobleme schaffen. 

Vor diesem Hintergrund hält es der VKU für zwingend erforderlich, dass die Bundesnetzagentur ihre Vorschläge nicht allein auf konzeptioneller Ebene entwickelt, sondern diese durch eine transparente und belastbare quantitative Analyse unterlegt. Die Auswirkungen auf Netzentgelte, Verteilungswirkungen zwischen Spannungsebenen sowie regionale Ef fekte müssen nachvollziehbar berechnet und offengelegt werden. Ohne eine solche rechnerische Fundierung besteht aus Sicht des VKU die Gefahr, dass regulatorische Weichenstellungen auf Annahmen beruhen, deren tatsächliche Effekte erst ex-post sichtbar wer den und dann nur mit erheblichem Aufwand korrigierbar sind. 

Darüber hinaus hält es der VKU für notwendig, dass die Bundesnetzagentur nicht nur den isolierten Vorschlag zur Kostenwälzung rechnerisch untersucht, sondern das von ihr konzeptionell zugrunde gelegte Gesamtsystem der Netzentgeltsystematik in seiner Wechselwirkung transparent modelliert und bewertet. Eine belastbare Beurteilung der Wirkungen einzelner Regelungselemente ist aus Sicht des VKU nur möglich, wenn deren Einbettung in ein konsistentes Gesamtmodell nachvollziehbar dargestellt und quantitativ durchgerechnet wird. Anderenfalls besteht die Gefahr, dass einzelne Maßnahmen zwar für sich genommen plausibel erscheinen, im Zusammenspiel jedoch widersprüchliche oder unerwünschte Effekte entfalten.

Der VKU zeigt in dieser Stellungnahme anhand eines konkreten Rechenbeispiels auf, dass das von der Bundesnetzagentur vorgeschlagene Modell widersprüchliche Effekte erzeugt. Insbesondere wird deutlich, dass die intendierte verursachungsgerechte Kostenallokation in bestimmten Konstellationen ins Gegenteil verkehren kann. Der VKU befürchtet zudem, dass sich je nach Netzstruktur und Lastsituation auch gegenteilige Auswirkungen innerhalb einzelner Spannungsebenen ergeben können, so dass sowohl Netznutzer als auch Netzbe treiber mit strukturell ähnlichen Voraussetzungen unterschiedlich belastet würden. Dies würde nicht nur die Transparenz und Akzeptanz der Netzentgeltsystematik weiter verrin gern, sondern auch neue Fehlanreize setzen. 

Darüber hinaus ist zu erwarten, dass das vorgeschlagene Modell erhebliche Umverteilungseffekte auslöst. Diese Effekte stehen im Widerspruch zu den zu Beginn des AgNes Prozesses von der Bundesnetzagentur selbst formulierten Zielen, wonach grundlegende Verwerfungen und Umverteilungseffekte vermieden werden sollten. Aus Sicht des VKU wird dieser Anspruch mit dem vorliegenden Vorschlag nicht eingehalten. Vor diesem Hintergrund beschränkt sich der VKU in der vorliegenden Stellungnahme nicht auf eine reine Kritik des Ansatzes der Bundesnetzagentur, sondern bringt einen eigenen, praxisorientierten Reformvorschlag zur Weiterentwicklung der Kostenwälzung ein. Ziel dieses Vorschlags ist es, die Prinzipien der Kostenverursachungsgerechtigkeit, der Einfach heit, der Transparenz und der Umsetzbarkeit in ein ausgewogenes Verhältnis zu setzen und damit einen konstruktiven Beitrag zur Weiterentwicklung der Netzentgeltsystematik zu leisten.