Dresden, 01. Juli 2026. Weniger Niederschläge, zunehmende Trockenperioden und die Auswirkungen des Kohleausstiegs stellen die Wasserwirtschaft in Ostdeutschland vor große Herausforderungen. Gleichzeitig wächst der Wasserbedarf durch wirtschaftliche Entwicklung, neue Industrieansiedlungen und die Transformation von Wirtschaft und Energieversorgung.
Vor diesem Hintergrund diskutieren heute rund 300 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Wasserwirtschaft bei einem länderübergreifenden Wasserkongress im Deutschen Hygiene Museum in Dresden über Strategien für eine langfristig sichere Wasserversorgung in Berlin, Brandenburg und Sachsen.
Veranstalter sind die Industrie- und Handelskammern aus Berlin, Brandenburg und Sachsen, die Landesgruppen Berlin-Brandenburg und Sachsen des Verbands kommunaler Unternehmen e. V. (VKU) sowie der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller e. V. (VBKI).
Im Mittelpunkt des Kongresses stehen die Finanzierung der Wasserinfrastruktur und die erheblichen Investitionsbedarfe, die sich aus Klimawandel, Kohleausstieg und der Umsetzung der EU-Kommunalabwasserrichtlinie ergeben. Die damit verbundenen Kosten betreffen nicht nur die kommunale Wasserwirtschaft, sondern auch Unternehmen, insbesondere in wasser- und energieintensiven Branchen. Darüber hinaus diskutieren die Teilnehmer über die langfristige Sicherung der Wasserversorgung, innovative Wassertechnologien und die notwendige länderübergreifende Zusammenarbeit zur Bewältigung der wasserwirtschaftlichen Herausforderungen in Ostdeutschland.
Thomas Ott, amtierender Hauptgeschäftsführer der IHK Dresden, betont stellvertretend für die veranstaltenden Industrie- und Handelskammern die Bedeutung von Wasser für die wirtschaftliche Entwicklung der Region:
„Wasser wird zunehmend zu einem entscheidenden Standortfaktor. Unternehmen benötigen die Sicherheit, dass Wasser in ausreichender Menge, guter Qualität und zu bezahlbaren Preisen verfügbar bleibt. Bereits heute scheitern regional Ansiedlungs- und Erweiterungsvorhaben an fehlenden Wasserressourcen. Um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaftsregion langfristig zu sichern, müssen Wasserverfügbarkeit und Infrastruktur frühzeitig in Standortentscheidungen einbezogen werden. Gleichzeitig braucht es schnellere Genehmigungsverfahren, mehr Speichermöglichkeiten und eine noch engere Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg.“
Julian Büche, Geschäftsführer der VKU-Landesgruppe Berlin-Brandenburg, stellt aus Sicht der kommunalen Wasserwirtschaft heraus:
„Wasser macht vor Ländergrenzen nicht halt. Nur durch ein länderübergreifendes Wasserressourcenmanagement können die vielfältigen Herausforderungen angepackt werden, vor denen die kommunale Wasserwirtschaft steht. Der Wasserkongress macht sich zur Aufgabe, den Landesregierungen von Berlin, Brandenburg und Sachsen konkrete Maßnahmen an die Hand zu geben, um die Ressource Wasser sowohl für die Trinkwasserversorgung als auch die Wirtschaftsentwicklung nachhaltig zu sichern. Klar ist aber auch: Ohne langfristige und verlässliche Finanzierungsperspektiven wird es schwer, die Wasserinfrastruktur zukunftsfest zu machen“.
Dr. Florian Gräßler, Geschäftsführer der VKU-Landesgruppe Sachsen, ergänzt mit Blick auf den wachsenden Investitionsbedarf der Wasserwirtschaft:
„Klimawandel, demografische Entwicklung, neue gesetzliche Anforderungen und Investitionsrückstände verursachen große Investitionsbedarfe für die kommunale Wasserwirtschaft. Zum einen brauchen wir mehr kommunale Zusammenarbeit und regionale Lösungen, um die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung langfristig sicher, bezahlbar und leistungsfähig zu halten. Zum anderen lassen sich die Herausforderungen von den kommunalen Aufgabenträgern nicht allein bewältigen, wir brauchen zusätzlich Unterstützung und finanzielle Hilfen durch den Bund und die Länder.“
Ute Weiland, Geschäftsführerin des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI), unterstreicht die Bedeutung langfristiger Vorsorge:
„Wasser ist keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern eine der Voraussetzungen für wirtschaftliche Stärke, Lebensqualität und Zukunftsfähigkeit. Wer Industrieansiedlungen, Transformation und Wachstum ermöglichen will, muss die Wasserversorgung vorausschauend sichern: länderübergreifend, mit leistungsfähiger Infrastruktur, mehr Speicher- und Wiederverwendungsmöglichkeiten und schnelleren Verfahren. Berlin, Brandenburg und Sachsen brauchen jetzt gemeinsame Lösungen, damit Wasser auch morgen ein verlässlicher Standortfaktor bleibt.“
In Sachsen sind 63 Stadtwerke und kommunale Unternehmen im VKU organisiert. Sie sind in den Bereichen Energie, Wasser/Abwasser, Abfallwirtschaft sowie Telekommunikation tätig, leisten jährlich Investitionen in Höhe von über 1,5 Mrd. Euro, erwirtschaften einen Umsatz von über 13 Milliarden Euro und sind wichtiger Arbeitgeber für über 22.000 Beschäftigte.