München, 16. Juli 2026. „Unsere Wasserversorger können viel. Sie können aber kein Wasser verteilen, das nicht mehr im Boden ankommt“, so Marcus Steurer, Vorsitzender der Landesgruppe Bayern im Verband kommunaler Unternehmen e.V. Die aktuelle Niedrigwassersituation zeigt: Wir müssen jetzt handeln, um die gewohnt hohe Qualität und Quantität unserer öffentlichen Wasserversorgung sicherzustellen. Das bedeutet, neben den akut notwendigen Maßnahmen, Wasser wieder in der Landschaft zu belassen.
Unsere öffentlichen Wasserversorger leisten rund um die Uhr Großartiges für die Allgemeinheit und brauchen dafür flächendeckend stabile Wasserressourcen. Diese können sie nicht alleine sichern, sondern sind auf ein Umdenken in Politik, Landnutzung, Stadtplanung und beim Verbrauch angewiesen. Wir müssen die jahrzehntelang auf Entwässerung ausgelegten Strukturen umkehren: Unsere Landschaften und Städte müssen (wieder) Wasserspeicher sein. Das Wasser verlässlich vor Ort zu halten, macht unsere Wasserversorgung in Bayern stabil und sicher gegenüber äußeren Ereignissen.
Täglich erscheinen neue Nachrichten zur aktuellen Hitze- und Dürresituation und wie unsere öffentlichen Wasserversorger, die Versorgung auch in extremer werdenden Bedingungen gewährleisten. Ein Blick in den bayerischen Niedrigwasserinformationsdienst, Sparappelle und erste Allgemeinverfügungen zeigen, dass die Situation ernst ist. Vielen Wasserversorgern ist die Situation noch von den Trockenheitsjahren 2018-2020 in Erinnerung. Sie sind in Politik und Gesellschaft zu schnell wieder in Vergessenheit geraten. Unsere Wasserversorger waren dieses Jahr schon früh besorgt als sie sahen wie schnell die Pegel, der sich einigermaßen erholten Grundwasserkörper, wieder fielen und wie wenig sich vom fallenden Regen an den Wasserständen bemerkbar machte. Diese Erfahrung im historisch wasserreichen Bayern macht deutlich: Leider sind Perioden von extremer Dürre keine Ausnahme mehr und werden häufiger. Im Zeitraum von 2003 bis 2025 wies die Grundwasserneubildung in Bayern ein mittleres jährliches Defizit von circa 15% auf, die auch durch einzelne nasse Jahre nicht nachhaltig behoben wurde. Ohne Klimaschutz wird sich die Erwärmung nahezu ungebremst fortsetzen und sich laut Bayerischem Klimainformationssystem beispielsweise die Anzahl von Hitzetagen im Freistaat Bayern bis Ende des Jahrhunderts verfünffachen.
Die öffentlichen Wasserversorger sorgen vor und bauen unter anderem Verbundsysteme mit benachbarten Betrieben auf. Sie setzen seit vielen Jahren auf redundante und resiliente Strukturen. Doch muss das Wasser zuallererst, wo es als Regen fällt, im Grundwasser ankommen können. Hierzu braucht es mehr natürlichen Wasserrückhalt in der Fläche, ein Umdenken in der Landnutzung, die Wiederherstellung von lokalen Wasserkreisläufen durch Wiedervernässung, gesunde und durchlässige Böden, genügend Vegetation und weniger Versiegelung. Wasser darf nicht länger möglichst schnell abgeleitet werden, weder aus bebauten Gebieten noch an Straßen und Gräben oder aus Äckern, Wiesen und Wäldern.
Die gute Nachricht ist: Es gibt in Bayern eine Vielzahl an Piloten dazu und gute Beispiele von Schwammstädten und -regionen. Nun ist die Zeit, diese Projekte viel größer zu denken und flächendeckend in ganz Bayern umzusetzen. Wir brauchen dies als politisches Grundverständnis und die Bereitschaft dazu in unserer Gesellschaft, um unsere Leitungen auch künftig sicher mit möglichst naturbelassenem Wasser speisen zu können und so trockene Zeiten gut zu überstehen.
In Bayern sind 231 kommunale Unternehmen im VKU organisiert. Die VKU-Mitgliedsunternehmen in Bayern leisten jährlich Investitionen in Höhe von ca. 3 Milliarden Euro, erwirtschaften einen Umsatz von rund 24 Milliarden Euro und sind wichtiger Arbeitgeber für über 44.000 Beschäftigte. Der VKU vertritt bundesweit über 1.600 Stadtwerke und kommunalwirtschaftliche Unternehmen in den Bereichen Energie, Wasser/Abwasser, Abfallwirtschaft sowie Telekommunikation.