VKU-Mitgliederumfrage Telekommunikation
Kommunale Unternehmen stehen der Gefahr eines Überbaus ihrer Glasfasernetze gegenüber – trotz Open Access

Obwohl kommunale Unternehmen ihre Glasfasernetze Wettbewerbern zur Mitnutzung anbieten, bewahrt sie dies nicht vor einem Überbau ihrer Infrastruktur. Dennoch bewähren sich die kommunalen Unternehmen auf einem durchwachsenen Glasfasermarkt. Dies ist ein zentrales Ergebnis der jüngsten VKU-Mitgliederumfrage in der Sparte „Telekommunikation“.

23.09.26

Wie aus der Mitgliederumfrage in der Telekommunikationssparte des VKU von Juli und August 2026 hervorgeht, erweisen sich kommunale Unternehmen weiterhin als treibende Kräfte des Glasfaserausbaus in Deutschland. Dies geschieht aber vor dem Hintergrund eines Geschäftsklimas, das die antwortenden Unternehmen in dem Bereich als durchwachsen beschreiben. Zwar habe sich der Wettbewerb um Endkunden vielerorts verschärft, die Verbrauchernachfrage nach Glasfaserinternet aber auch tendenziell verbessert.

Mehr als die Hälfte der antwortenden Unternehmen ist von Verzögerungen beim Ausbau ihres Glasfasernetzes betroffen. Dies stellt einen spürbaren Anstieg gegenüber den beiden Vorjahren dar. Als Gründe für die Verzögerungen bei ihrem Glasfaserausbau nennen die Unternehmen am häufigsten einen Baukostenanstieg sowie drohenden oder angekündigten Glasfaserüberbau. Erst mit deutlichem Abstand folgen unter anderem fehlende Tiefbaukapazitäten am Markt.

Beinahe zwei Drittel der kommunalen Unternehmen berichten von einem stattfindenden oder sich abzeichnenden Überbau ihrer Glasfaserinfrastruktur durch einen Wettbewerber mit dessen eigenen Netz. Das Angebot einer Mitnutzung des Glasfasernetzes im Rahmen von Open Access bewahrt in diesem Zusammenhang nicht unbedingt vor einem solchen Doppelausbau. Denn mehr als zwei Drittel der betroffenen kommunalen Unternehmen geben an, dass der Überbau trotz eines Open-Access-Angebots erfolgt oder sich abzeichnet. Dabei dürfte eine im Übrigen auch migrationsbedingt höhere Netzauslastung zu Investitionen in weniger rentablen Gebieten führen.

Die Glasfasernetze kommunaler Unternehmen dienen neben der Versorgung der Menschen mit zukunftssicherem Internet auch dem Mobilfunkausbau. So bieten mehr als vier Fünftel der kommunalen Unternehmen Mobilfunknetzbetreibern den Anschluss von Mobilfunkantennen an das kommunalwirtschaftliche Glasfasernetz an oder haben ein solches Angebot in der Planung. Mit einem Glasfaseranschluss verbunden ist dabei in der Regel das Angebot eines Stromnetzanschlusses der Mobilfunkantennen. Mehr als die Hälfte der kommunalen Unternehmen teilt außerdem mit, dass sie Mobilfunknetzbetreibern Liegenschaften zur Anmietung oder Pachtung als Mobilfunkstandorte anbieten oder ein solches Angebot planen.

Beim Ausbau ihrer Glasfasernetze weisen kommunale Unternehmen überdies eine Präferenz für europäische Hersteller auf. Teilweise würden allerdings preiswerte Hersteller aus der Europäischen Union fehlen.