VKU reicht mit Partnern Projektidee für PREVENT Abfall-Allianz ein Tunesische Kommune soll beim Aufbau von Zweckverband unterstützt werden

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Wie kann die Kreislaufwirtschaft in Entwicklungs- und Schwellenländern gestärkt werden? Für diese Frage sollten die Mitglieder der PREVENT Abfall-Allianz im „Call for Solutions“ Lösungen präsentieren. Zusammen mit Partnern möchte der VKU die tunesische Stadt Bizerte beim Aufbau eines kommunalen Abfallwirtschaftsunternehmens unterstützen.

Am Freitag den 26. Juni 2020 endete der „Call for Solutions“ – der Aufruf zum Einreichen von Projektideen der PREVENT Abfall-Allianz. Der VKU hat gemeinsam mit der Universität Rostock, der Stadtentsorgung Rostock, dem Netzwerk enviMV und der tunesischen Stadt Bizerte eine Projektidee eingereicht. Zusammen sollen Bizerte und 16 umliegende Kommunen dabei unterstützt werden, ein gemeinsames Abfallwirtschaftsunternehmen aufzubauen. Unterstützt wird das Vorhaben vom zuständigen tunesischen Ministerium für kommunale Angelegenheiten und der Universitäts- und Hansestadt Rostock.

Der Steuerungskreis der PREVENT Abfall-Allianz entscheidet bis August, welche Projektideen zum Zug kommen.

In Bizerte wird Pionierarbeit für ganz Tunesien und Nordafrika geleistet

Seit der tunesischen Revolution ist in dem nordafrikanischen Land der Dezentrali-sierungsprozess eines der wichtigsten politischen Projekte. 2018 wurden die ersten freien Kommunalwahlen im Land abgehalten, den Kommunen wurden wichtige Aufgaben übertragen, u. a. die Abfallentsorgung. So wurden Verwertungsanlagen gebaut und die Sammlung wurde verbessert – auch mit Hilfe kommunaler Unternehmen aus Deutschland.

Essentiell für den nachhaltigen Betrieb ist ein effiziente und zuverlässige Organisation. Um das zu erreichen, hat die Stadt Bizerte zusammen mit umliegenden Kommunen beschlossen, ein gemeinsames kommunales Abfallwirtschaftsunternehmen zu gründen – ähnlich eines Zweckverbandes. Unterstützt werden die Kommunen vom zuständigen Ministerium für kommunale Angelegenheiten. Das Projekt ist ein Pilot für ganz Tunesien und kann Strahlkraft für die gesamte Mena-Region entwickeln.

Experten gewinnen, Rechtsform finden, Organisationsstruktur entwickeln

Der VKU möchte Bizerte gemeinsam mit der Universität Rostock, der Stadtentsorgung Rostock und dem Umwelttechnologienetzwerk enviMV beim Aufbau des kommunalen Unternehmens unterstützen. Dabei möchte der VKU den innovativen Ansatz der Betreiberpartnerschaften aus dem Wassersektor erstmalig auf den Abfallsektor übertragen. Dabei engagieren sich auf deutscher Seite ein sogenannter Lead-Betreiber und mehrere Projektpartner in der Partnerschaft. Die Rolle des Lead-Betreibers wird die Stadtentsorgung Rostock übernehmen, die bereits Erfahrungen in internationalen Projekten – auch in Bizerte – gesammelt hat. Neben dem Lead-Betreiber wird der VKU ein Netzwerk von weiteren Betreibern mit Expertenwissen aufbauen.

In der ersten Phase des Projekts liegt der Fokus darauf, eine geeigneten Rechtsform für das kommunale Unternehmen in Tunesien zu identifizieren und die benötigten Charakteristika herauszuarbeiten. In der zweiten Phase werden die Experten aus Deutschland die tunesischen Partner bei der Entwicklung einer geeigneten Organisationsstruktur beraten und unterstützen.

Ein Vorbild für die Region schaffen

Auf das Ergebnis kommt es an: Eine zuverlässige Organisation sorgt für eine zuverlässige Entsorgung in den beteiligten Kommunen. Zudem wird der nachhaltige Betrieb neu errichteter Anlagen in Bizerte gesichert, die bereits bspw. zur Verwertung von Grünschnitt gebaut wurden. Durch eine verbesserte und erweiterte Sammlung wird die Auslastung der Anlagen und somit ihr wirtschaftlicher Betrieb sichergestellt.

Auf tunesischer Seite ist neben den 17 Kommunen maßgeblich das zuständige Ministerium für kommunale Angelegenheiten am Projekt beteiligt. Dass sichert nicht nur die politische Unterstützung, es soll vor allem die Skalierbarkeit der Ergebnisse sicherstellen. Das Ministerium ist in einer besonderen Position, die Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Projekt für alle Kommunen in Tunesien verfügbar zu machen. So kann das Projekt in Bizerte zum Vorbild für weitere Kommunen in Tunesien werden und die Abfallwirtschaft im ganzen Land nachhaltig stärken.

Neben der Bereitstellung der Ergebnisse für ganz Tunesien würde sich insbesondere die Universität Rostock dafür einsetzen, die Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Projekt für andere Länder der Mena-Region verfügbar zu machen.