Klimaneutrales Heizen bis 2045 aus Sicht der Stadtwerke kaum erreichbar
VKU-Umfrage: Drei von vier kommunalen Wärmeversorgern halten Klimaneutralität bis 2045 unter aktuellen Bedingungen für unrealistisch
Drei von vier kommunalen Wärmeversorgern halten das Ziel eines klimaneutralen Heizens bis 2045 unter den derzeitigen Rahmenbedingungen für unrealistisch. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) unter 757 Stadtwerken und kommunalen Energieversorgern. Der VKU fordert von der Politik Rechts- und Investitionssicherheit für den Umbau auf fossilfreies Heizen.
15.09.26
Drei von vier kommunalen Wärmeversorgern halten das Ziel eines klimaneutralen Heizens bis 2045 unter den derzeitigen Rahmenbedingungen für unrealistisch. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) unter 757 Stadtwerken und kommunalen Energieversorgern. Der VKU fordert von der Politik Rechts- und Investitionssicherheit für den Umbau auf fossilfreies Heizen.
Berlin, 15.09.2026. Drei von vier kommunalen Wärmeversorgern halten das Ziel eines klimaneutralen Heizens bis 2045 unter den derzeitigen Rahmenbedingungen für unrealistisch. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) unter 757 Stadtwerken und kommunalen Energieversorgern. Der VKU fordert von der Politik Rechts- und Investitionssicherheit für den Umbau auf fossilfreies Heizen.
Trotz der Bedenken beim Zeitplan stehen die kommunalen Unternehmen voll hinter der Wärmewende, betont VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing: „Die Wärmewende stärkt unsere Versorgungssicherheit, weil wir unabhängiger von fossilen Importen werden. Das schützt unseren Wirtschaftsstandort und Verbraucher vor steigenden Preisen auf den Gas- und Ölmärkten. Die Eckpunkte des Wärmepakets der Bundesregierung gehen in die richtige Richtung, das begrüßen wir ausdrücklich. Sie müssen zügig in ein Gesetz umgesetzt werden, das noch in diesem Jahr vom Bundestag verabschiedet werden muss. Die Unternehmen brauchen Planungs- und Investitionssicherheit.“
Planungssicherheit ist Investitionsvoraussetzung
Entsprechend hoch ist der Wunsch nach Klarheit bei den politischen Rahmenbedingungen. 86 Prozent der Unternehmen nennen insbesondere die Wärmelieferverordnung, die Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) zur Transformation der Gasnetze sowie die geplante Novelle des Wärmeplanungsgesetzes als wichtige Voraussetzungen für weitere Investitionen.
Auch das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) sorgt aus Sicht vieler Stadtwerke bislang nicht für die erhoffte Planungssicherheit. 50 Prozent der Befragten sehen darin für die Wärmewende weder Fortschritt noch Rückschritt, weil wichtige Rechtsfragen ungeklärt blieben. 36 Prozent bewerten das Gesetz sogar als Rückschritt. Mit Blick auf die eigene Region sehen 40 Prozent negative Auswirkungen auf Investitionen infolge des Wegfalls der bisherigen 65-Prozent-Regel.
Laut Liebing können je nach den örtlichen Gegebenheiten Wärmepumpen, Wärmenetze, Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) oder klimaneutrale Gase die optimale Lösung sein. „Wahlfreiheit bedeutet aber nicht, dass überall jede Lösung angeboten werden kann. Denn das würde bedeuten, überall auch alle Infrastrukturen dafür parallel vorzuhalten, was weder bezahlbar noch volkswirtschaftlich effizient wäre. Entscheidend ist, dass Bürgerinnen und Bürger, Kommunen und Stadtwerke verlässlich wissen, welche Technologie vor Ort langfristig möglich und wirtschaftlich sinnvoll ist.“
Der VKU appelliert an die Bundestagsabgeordneten, die Wärmewende bei den Haushaltsberatungen entschlossen voranzubringen. „Vom Bundeswirtschaftsministerium erwarten wir einen Herbst der Entscheidungen mit konkreten Gesetzentwürfen, die Klarheit schaffen und Investitionen ermöglichen“, so Liebing.
Wärmewende erhöht Investitionsdruck auf Stadtwerke
Die Umfrage macht den hohen Investitionsbedarf der Branche deutlich. Jedes zweite Unternehmen erwartet, dass sich sein Investitionsvolumen bis 2030 gegenüber dem Jahr 2024 mehr als verdoppelt.
Doch die Finanzierung der Wärmewende bleibt aus Sicht vieler Unternehmen unzureichend. 56 Prozent der Unternehmen halten die bestehenden Finanzierungs- und Förderbedingungen für unzureichend. Zudem bewerten 61 Prozent der Unternehmen die rechtlichen Rahmenbedingungen als unklar.
Wichtig ist aus Sicht der Befragten eine langfristige und zuverlässige Förderung: 72 Prozent wünschen sich stabile Förderprogramme wie die Bundesförderung effiziente Wärmenetze (BEW), die Bundesförderung effiziente Gebäude (BEG) und das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG).
„Der Bund sollte den Ausbau der Wärmenetze langfristig unterstützen. Dafür sind jährlich rund 3,5 Milliarden Euro im Rahmen der Bundesförderung effiziente Wärmenetze erforderlich. Die Förderung sollte gesetzlich abgesichert werden“, sagt Liebing. Deshalb seien die geplanten Kürzungen im Bundeshaushalt bei künftigen Verpflichtungsermächtigungen kontraproduktiv, kritisierte er.
Unzureichend ist laut VKU die bisherige Bilanz neuer, die BEW-Förderung ergänzender Finanzierungsinstrumente wie Bürgschaften und Garantien. Der Deutschlandfonds war hier ein erster wichtiger Schritt. „Die Ausweitung des Deutschlandfonds um zusätzliche Finanzierungsinstrumente insbesondere zur Eigenkapitalstärkung und zur Gewinnung privaten Kapitals bleibt bisher deutlich hinter den Notwendigkeiten zurück, hier muss die Bundesregierung mehr Tempo machen“, so Liebing.
Die Ergebnisse der Umfrage werden ein Thema während des kommenden VKU-Stadtwerkekongress in Berlin sein (16. bis 17. September).
Zur Umfrage
Für die Wärme-Umfrage schrieb der VKU vom 3. August bis zum 1. September 2026 insgesamt 757 Stadtwerke und kommunale Energieversorger an. 225 Unternehmen beteiligten sich an der Befragung. Das entspricht einer Rücklaufquote von 29,7 Prozent.
Fragen und Antworten (in der Presseinformation verwendete Zahlen gefettet)
1. Bis 2045 will Deutschland klimaneutral heizen - Strom, Fernwärme oder grünen Gasen. Unter den aktuell geltenden Rahmenbedingungen ist das Ziel aus Ihrer Sicht:
- Sehr realistisch: 0 Prozent
- Realistisch: 7 Prozent
- Neutral: 18 Prozent
- Unrealistisch: 51 Prozent
- Sehr unrealistisch: 24 Prozent
2. Was braucht Deutschland, um auf dem Weg zum klimaneutralen Heizen 2045 schneller voranzukommen? (Mehrfachantworten möglich)
- Verlässliche und stetige Förderung - z.B. BEW, BEG, KWKG: 72 Prozent
- Mehr Kosteneffizienz: 29 Prozent
- Klarheit bei den rechtlichen Rahmenbedingungen (Wärmelieferverordnung, EnWG-Novelle, große Novelle des Wärmeplanungsgesetzes, auskömmliche Regelung zur Finanzierung der Transformation der Gasverteilernetze zu H2): 86 Prozent
3. Die Bundesregierung hat das Gebäudeenergiegesetz (GEG) in das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) reformiert. Das GModG ist insgesamt in Deutschland…
- ...ein Fortschritt für die Wärmewende (wg. Investitionssicherheit, Technologieoffenheit): 14 Prozent
- ...ein Rückschritt für die Wärmewende (wg. Wegfall der 65 Prozent-Regel bei grünen Gasen etc.): 36 Prozent
- Keins von beidem, da für Investitionen noch zu viele rechtliche Fragen etc. offen sind: 50 Prozent
4. Die Bundesregierung hat das GEG in das GModG reformiert. Das Gebäudemodernisierungsgesetz ist für die Wärmewende in Ihrem Versorgungsgebiet…
- ... ein Fortschritt wegen Investitionssicherheit (z.B. Technologieoffenheit gegenüber grünen Gasen): 15 Prozent
- ... ein Rückschritt wegen Investitionsunsicherheit (z.B. veränderte Nachfrage durch Wegfall 65 Prozent Regel): 40 Prozent
- Keins von beidem, da für Investitionen noch zu viele rechtliche Fragen etc. offen sind: 44 Prozent
5. Wie viel wird Ihr Unternehmen voraussichtlich bis zum Jahr 2030 in klimaneutrale Wärme investieren – im Vergleich zum aktuellen Investitionsvolumen?
- Deutlich weniger als das Investitionsvolumen 2024 (weniger als 50 Prozent): 6 Prozent
- Etwas weniger als das Investitionsvolumen von 2024 (10–50 % weniger): 4 Prozent
- Etwa gleich wie 2024 (±10 %): 13 Prozent
- Gleiches bis 1,5-faches des Volumens von 2024: 13 Prozent
- 1,5-faches bis 2-faches des Volumens von 2024: 14 Prozent
- Mehr als das 2-fache des Volumens von 2024: 50 Prozent
6. Was sind die größten Hindernisse auf dem Weg zu klimaneutralem Heizen? (Mehrfachantworten möglich)
- Kosten für Bürger und Wirtschaft zu hoch: 77 Prozent (2025: 82,4 Prozent)
- Finanzierung unklar (z.B. KWKG-Umlage): 48 Prozent (2025: 46,6 Prozent)
- Finanzierung nicht ausreichend (z.B. BEW-Förderung für Fernwärme): 56 Prozent (Umfrage 2025: 67,6 Prozent)
- Rechtslage unklar (z.B. offene GEG-Novelle): 61 Prozent (2025: 54,7 Prozent)
- Zu viel Bürokratie und langwierige Genehmigungsprozesse: 58 Prozent (2025: 58,1 Prozent)
- Mangelnde Akzeptanz in der Bevölkerung (Eigentümer und Mieter): 55 Prozent (2025: 65,5 Prozent)
- Technische-topographische Hürden: 16 Prozent (2025: 16,2 Prozent)
Der Verband kommunaler Unternehmen e. V. (VKU) vertritt über 1.600 Stadtwerke und kommunalwirtschaftliche Unternehmen in den Bereichen Energie, Wasser/Abwasser, Abfallwirtschaft sowie Telekommunikation. Mit rund 319.000 Beschäftigten wurden 2023 Umsatzerlöse von über 213 Milliarden Euro erwirtschaftet und mehr als 19 Milliarden Euro investiert. Im Endkundensegment haben die VKU-Mitgliedsunternehmen signifikante Marktanteile in zentralen Ver- und Entsorgungsbereichen: Strom 66 Prozent, Gas 65 Prozent, Wärme 72 Prozent, Trinkwasser 88 Prozent, Abwasser 50 Prozent. Die kommunale Abfallwirtschaft hat seit 1990 rund 90 Prozent ihrer CO2-Emissionen eingespart – damit ist sie der Hidden Champion des Klimaschutzes. Immer mehr Mitgliedsunternehmen engagieren sich im Breitbandausbau und investieren pro Jahr über 1 Milliarde Euro. Zahlen Daten Fakten 2025
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