Öffentliche Wasserversorgung
Kommunale Wasserversorger bewältigen im Sommer 2026 hohe Verbrauchsspitzen, Handlungsbedarf wächst

Der Hitzesommer 2026 hat die öffentliche Wasserversorgung in vielen Regionen Deutschlands immens gefordert. Nach einer Umfrage des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) unter 147 kommunalen Wasserversorgern berichteten rund 69 Prozent der Unternehmen von deutlich angespannten Versorgungssituationen.

26.08.26

Berlin, 26. August. Der Hitzesommer 2026 hat die öffentliche Wasserversorgung in vielen Regionen Deutschlands immens gefordert. Nach einer Umfrage des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) unter 147 kommunalen Wasserversorgern berichteten rund 69 Prozent der Unternehmen von deutlich angespannten Versorgungssituationen. 

Fast die Hälfte der befragten Unternehmen meldeten Spitzenverbräuche, die mindestens 20 Prozent über den üblichen Tageswerten lagen. Vereinzelt wurde sogar das Anderthalbfache der sonst normalen Verbräuche erreicht. Als Hauptgründe nannten die Versorger insbesondere zusätzliche saisonale Nutzungen, etwa die Bewässerung von Gärten oder das Befüllen von Pools, sowie den insgesamt höheren Wasserverbrauch in den Haushalten aufgrund von Hitze und anhaltender Trockenheit. 

Solche Nachfragespitzen, die deutlich über dem üblichen Niveau liegen, können die Kapazitäten zur Gewinnung, Förderung, Speicherung sowie die Netzkapazitäten erheblich beanspruchen und in Einzelfällen sogar überlasten. Um auf sich abzeichnende angespannte Situationen zu reagieren, setzten die Unternehmen unter anderem auf frühzeitige Sparappelle an ihre Kundinnen und Kunden. Mehr als ein Drittel der Befragten bewertete diese als sehr oder eher wirksam. Zugleich beobachteten die Versorger eine zunehmende Sensibilisierung der Bevölkerung für einen bewussten Umgang mit Wasser. 

Karsten Specht, VKU-Vizepräsident: „Die öffentliche Wasserversorgung in Deutschland funktioniert auch bei längerer Hitze und Trockenheit trotz deutlicher Zusatzbelastung. Die zurückliegenden Wochen haben gezeigt, wie die kommunalen Wasserversorger mit hohem Engagement, technischer Kompetenz und vorausschauender Planung dafür sorgen, dass das Wasser auch unter anspruchsvollen Bedingungen zuverlässig aus der Leitung kommt. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Handlungsbedarf spürbar wächst. Sowohl Wasserressourcen als auch die technische Infrastruktur geraten bei langanhaltender Dürre und steigenden Nachfragespitzen immer häufiger an ihre Belastungsgrenzen“

Die Wasserversorger sehen die diesjährigen Entwicklungen nicht als vorübergehendes Phänomen. Rund 70 Prozent der Befragten beobachten nach eigenen Angaben seit Jahren zunehmende Herausforderungen durch Nachfragespitzen, Infrastrukturengpässe oder Ressourcenknappheit. (keine Folie)

Specht: „Daseinsvorsorge beginnt, bevor aus Herausforderungen große Probleme werden. Deshalb arbeiten die Wasserversorger längst daran, ihre Systeme klimarobuster zu machen, etwa indem sie Infrastrukturen prüfen und anpassen oder sich mit anderen Versorgern besser vernetzen, um die Versorgung gemeinsam abzusichern.“

Aus Sicht der befragten Unternehmen ist allerdings auch die Politik gefordert, um die Versorgung langfristig zu sichern. Besonders häufig nannten die Befragten eine konsequentere Durchsetzung des Vorrangs der öffentlichen Wasserversorgung bei Nutzungskonflikten (80 Prozent), mehr Fördermittel für die Anpassung an den Klimawandel (68 Prozent) und die Stärkung resilienter Infrastrukturen (56 Prozent) sowie einfachere Planungs- und Genehmigungsverfahren für Klimaanpassungsmaßnahmen (50 Prozent).

Specht: „Die kommunale Wasserwirtschaft steht vor einer Generationenaufgabe. Wasserverfügbarkeit sichern, Infrastruktur klimaresilient ausbauen, Hochwasser- und Starkregenvorsorge stärken: Das erfordert erhebliche Investitionen. Klimaanpassung beginnt bei einer sicheren Wasserversorgung. Deshalb braucht es jetzt eine neue Gemeinschaftsaufgabe Klimaanpassung, damit der Bund Länder und Kommunen dauerhaft und gezielt unterstützen kann.“

Hintergrund
Im Zeitraum vom 13. bis 18. August 2026 hat der Verband kommunaler Unternehmen 448 Wasserversorger online befragt. Mit 147 Rückmeldungen lag die Beteiligungsquote bei 33 Prozent.


Frage: Wie bewerten Sie die Versorgungssituation im Sommer 2026 für Ihr Unternehmen?

Antwortmöglichkeiten und Ergebnisse
Keine besondere Belastung: 31 Prozent
Angespannte Versorgungssituation, aber keine Versorgungsprobleme: 53 Prozent
Zeitweise ressourcenseitige Engpässe*: 7 Prozent
Zeitweise infrastrukturelle Engpässe*: 5 Prozent
Zeitweise ressourcenseitige und infrastrukturelle Engpässe*: 4 Prozent

* Engpässe bedeuten nicht, dass es zwingend zu Versorgungsproblemen oder -unterbrechungen kommt, sondern dass die Systeme an oder über ihren Belastungsgrenzen arbeiten müssen
 

Frage: Um wie viel lag die tägliche Wasserabgabe während der Hitzeperiode 2026 über dem üblichen Tageswert?

Antwortmöglichkeiten und Ergebnisse
Bis unter 10 % höher: 19 Prozent
10 bis unter 20 % höher: 29 Prozent
20 bis unter 30 % höher: 21 Prozent
30 bis unter 40 % höher: 12 Prozent
40 bis unter 50 % höher: 8 Prozent
50 % oder mehr: 5 Prozent
Keine nennenswerte Abweichung vom üblichen Niveau: 5 Prozent


Frage: Welche Faktoren führten aus Ihrer Sicht hauptsächlich zu Belastungen der Wasserversorgung? (Mehrfachauswahl möglich)

Antwortmöglichkeiten und Ergebnisse
Höherer Wasserverbrauch im Haushalt aufgrund der Hitze (z. B. häufigeres Duschen oder Waschen): 60 Prozent
Zusätzlicher Wasserbedarf durch hitzebedingte Nutzungen (z. B. Gartenbewässerung, Poolbefüllungen): 71 Prozent
Erhöhter Wasserbedarf von Gewerbe und Industrie: 15 Prozent
Begrenzte Gewinnungs- oder Förderkapazitäten: 28 Prozent
Begrenzte Speicher- oder Netzkapazitäten: 12 Prozent
Wir konnten keine besonderen Belastungsfaktoren feststellen: 19 Prozent
Sonstiges: 11 Prozent

 

Frage: Welche Maßnahmen haben Sie im Sommer 2026 zur Bewältigung der Situation eingesetzt? (Mehrfachauswahl möglich)

Antwortmöglichkeiten und Ergebnisse
Wir standen frühzeitig im Austausch mit benachbarten Wasserversorgern zur gegenseitigen Unterstützung: 18 Prozent
Wir standen frühzeitig im Austausch mit unseren Großabnehmern (z.B. zur Glättung von Nachfragespitzen): 10 Prozent
Wir richteten frühzeitig Appelle an unsere Kunden zur sensiblen Wassernutzung und zum Wassersparen: 37 Prozent
Wir haben unsere Wasserentnahmerechte erhöhen können oder haben dies beantragt: 7 Prozent
Wir sichern die Wasserversorgung bei Bedarf durch einen erhöhten Fremdbezug: 22 Prozent
Wir haben unsere Resilienz gegenüber langanhaltenden Trockenperioden durch Anpassungen der Infrastruktur erhöht: 24 Prozent
Es waren keine besonderen Maßnahmen erforderlich: 35 Prozent
Sonstiges: 6 Prozent


Frage: Waren die ergriffenen Maßnahmen aus Ihrer Sicht insgesamt für die Sicherung der Wasserversorgung wirksam?

Antwortmöglichkeiten und Ergebnisse
Sehr wirksam: 13 Prozent
Eher wirksam: 19 Prozent
Teilweise wirksam: 34 Prozent
Eher nicht wirksam: 14 Prozent
Nicht beurteilbar: 19 Prozent

 

Frage: Mit Blick auf die letzten Jahre: Wie hat sich die Versorgungssituation in Ihrem Unternehmen entwickelt?

Antwortmöglichkeiten und Ergebnisse
Keine wesentlichen Veränderungen: 29 Prozent
Zunahme von Nachfragespitzen: 31 Prozent
Zunehmende infrastrukturelle Herausforderungen: 14 Prozent
Zunehmende Ressourcenknappheit: 15 Prozent
Sowohl Infrastruktur- als auch Ressourcenprobleme nehmen zu: 11 Prozent
 

Frage: Was braucht es, um die Wasserwirtschaft besser für weitere Dürre- und Hitzesommer zu rüsten? (Mehrfachauswahl möglich)

Antwortmöglichkeiten und Ergebnisse
Planungs- und Genehmigungsverfahren für Klimaanpassung vereinfachen: 50 Prozent
Fördermöglichkeiten, um den Umbau zu einer resilienteren Infrastruktur zu beschleunigen: 68 Prozent
Vorrang für öffentliche Wasserversorgung bei Nutzungskonflikten durch Genehmigungsbehörden durchsetzen (Wasserrechte): 80 Prozent
Stärker vernetzte Infrastruktursysteme und stärkere überregionale Versorgungsinfrastrukturen in Regionen mit Wasserknappheit: 56 Prozent
Möglichkeit für flexible Tarife, um Anreize für Wassersparen bei akuter Knappheit zu setzen: 23 Prozent

Der Verband kommunaler Unternehmen e. V. (VKU) vertritt über 1.600 Stadtwerke und kommunalwirtschaftliche Unternehmen in den Bereichen Energie, Wasser/Abwasser, Abfallwirtschaft sowie Telekommunikation. Mit rund 319.000 Beschäftigten wurden 2023 Umsatzerlöse von über 213 Milliarden Euro erwirtschaftet und mehr als 19 Milliarden Euro investiert. Im Endkundensegment haben die VKU-Mitgliedsunternehmen signifikante Marktanteile in zentralen Ver- und Entsorgungsbereichen: Strom 66 Prozent, Gas 65 Prozent, Wärme 72 Prozent, Trinkwasser 88 Prozent, Abwasser 50 Prozent. Die kommunale Abfallwirtschaft hat seit 1990 rund 90 Prozent ihrer CO2-Emissionen eingespart – damit ist sie der Hidden Champion des Klimaschutzes. Immer mehr Mitgliedsunternehmen engagieren sich im Breitbandausbau und investieren pro Jahr über 1 Milliarde Euro. Zahlen Daten Fakten 2025

Wir halten Deutschland am Laufen – denn Zukunft wird vor Ort gemacht: Unser Beitrag für heute und morgen: #Daseinsvorsorge. Unsere Positionen: https://www.vku.de/vku-positionen/