Baubetriebshöfe zukunftsfähig aufstellen

Der Baubetriebshoftag in Nienburg/ Weser stand im Zeichen der Frage, wie sich Baubetriebshöfe zukunftsfähig aufstellen können. Das Programm spannte den Bogen von Klimafolgenanpassung über Biodiversität und Verkehrssicherheit bis hin zu Digitalisierung und Friedhofsmanagement. Deutlich wurde: Die Anforderungen an kommunale Bauhöfe wachsen, ebenso wie ihre Bedeutung für lebenswerte Städte und Gemeinden.

23.04.26

Publikum beim Baubetriebshoftag in Nienburg

Den Auftakt der Veranstaltung machte Beatrice Kausch von der Kommunalen Umwelt-Aktion Niedersachsen (UAN). Anhand Grafiken zu künftig zu erwartenden Starkregenereignissen verdeutlichte sie den enormen Handlungsdruck der Kommunen. Zwar ließen bisherige Niederschlagsdaten keinen eindeutigen Trend erkennen, für die Zukunft würden jedoch häufiger Starkniederschläge und längere Trockenphasen erwartet. In rund der Hälfte der niedersächsischen Gemeinden sei jedes vierte Haus von Überflutung bedroht. Viele Teilnehmende, die im Winter 2023/ 2024 selbst bei Flutereignissen im Einsatz waren, wussten aus eigener Erfahrung, was das bedeutet. Klar wurde, dass langfristige Schäden nur durch vorsorgliches Handeln vermieden werden können.

Auch beim Thema Biodiversität übernehmen Baubetriebshöfe eine Schlüsselrolle. Daniel Jeschke stellte das Projekt OSNATÜRLICH vor, das im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt (Förderschwerpunkt Stadtnatur) gefördert wird. Ziel des Projekts ist es, artenreiche Bestände zu schützen und weiterzuentwickeln. Laut Daniel Jeschke seien gerade scheinbar ungepflegte Flächen von hohem Wert für Insekten und Wildpflanzen. Entscheidend sei, bestehende Lebensräume zu erhalten, die Pflege anzupassen und bei Bedarf neue Gebiete zu erschließen. Dabei sei es wichtig, lokale Fachleute zu Rate zu ziehen.

Ein weiteres zentrales Thema war der Winterdienst auf Radwegen. Simon Grabow von der Stadtreinigung Hannover machte die Bedeutung der Verkehrssicherheit von Radwegen im Zuge der Verkehrswende deutlich. Hannover setze laut Grabow auf präventive Solestreuung statt Split, da dieser das Unfallrisiko eher erhöhe. Unterstützt durch präzise Wetterprognosen und spezialisierte Technik würden Radwege dort mittlerweile gleichrangig zu Fahrbahnen behandelt – ein hoher organisatorischer und personeller Aufwand, der sich jedoch in einer deutlich verbesserten Verkehrssicherheit auszahle.

Wie Digitalisierung bei steigenden Anforderungen unterstützen kann, zeigte Fabian Fehn von der Stadtreinigung Hamburg. Mit KI-gestützten Systemen und Kameras an Reinigungsfahrzeugen lassen sich Verschmutzungen im öffentlichen Raum automatisiert erfassen. Fabian Fehn zufolge könnten auf diese Weise Einsatzrouten effizient geplant und Ressourcen gezielt eingesetzt werden. Angesichts  der wachsenden Anforderungen sei der Einsatz von KI ein wichtiger Baustein, auch wenn klar sei, dass sie nicht alle Probleme lösen könne.

Die fachgerechte Sanierung von Radwegen mit Wurzeleinwuchs stellte Dr. Norbert Etzrodt vom Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein vor. Baumwurzeln beschädigen häufig Radwege und erhöhen das Unfallrisiko. In einem landesweiten Projekt wurden verschiedene Verfahren erprobt und Handlungsempfehlungen entwickelt: von Metall-Wurzelbrücken über Betonbauweisen bis hin zu Kunststoffgitter-Verbundplatten. Ziel sei es, Sicherheit, Fahrkomfort und Nachhaltigkeit besser miteinander zu verbinden.

Klaus Güß (Planrat – Perspektive Friedhof) stellte Möglichkeiten zur Optimierung der Friedhofspflege vor. Veränderungen im Bestattungswesen, neue Grabarten sowie zunehmende Überhangflächen verlangten laut Güß auch in diesem Bereich ein Umdenken der Kommune. Eine langfristige Wirtschaftlichkeit sei aber nicht durch pauschale Einsparungen erreichbar, sondern durch fundierte Ist-Soll-Vergleiche, die mithilfe definierter Leistungsverzeichnisse erstellt werden.

Um Automatisierung ging es auch im Vortrag von Justus Teicke von den Städtischen Betrieben Braunlage. Wer in der Nähe des Wurmbergs parken möchte, kann dies nun tun, ohne durch eine Schranke zu fahren. Die Kennzeichenerkennung per Kamera sorgt dafür, dass die Parkdauer automatisch erfasst wird. Auf humorvolle Weise verdeutlichte er die Vorteile dieser Umstellung.

Wir danken allen Vortragenden für die wertvollen Impulse. Unser besonderer Dank gilt der DEULA Nienburg sowie unseren Kooperationspartnern, dem Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund, dem Niedersächsischen Landkreistag sowie dem Niedersächsischen Städtetag. Zu guter Letzt danken wir Ansgar Künnemann, Vorstand der VKU-Landesgruppe Küstenländer, für die Moderation der Veranstaltung