Wasserstoff als Treiber der Energiewende? Zur Rolle der Kommunalwirtschaft im Norden

Der VKU Nord hat heute ein Strategiepapier zum Thema „Wasserstoff - Chancen und Potentiale der Kommunalwirtschaft im Norden“ veröffentlicht. Darin setzt sich die Landesgruppe mit den bisherigen Wasserstoffstrategien im Norden auseinander und positioniert sich mit zentralen Forderungen gegenüber der Politik und Wirtschaft.

Vor dem Hintergrund der umfassenden gesellschaftlichen Debatte über die Verantwortung für Klima und Umwelt entwickelt sich zunehmend eine breite gesellschaftliche Akzeptanz und damit auch die notwendige politische Unterstützung für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft in Deutschland. Im Rahmen entsprechender Wirtschaftsstrategien auf Bundes- und Länderebenen erlangt vor allem der norddeutsche Raum und damit die Küstenregionen eine besondere Bedeutung.

Unter dem Titel „Wasserstoff - Chancen und Potentiale der Kommunalwirtschaft im Norden“ hat sich der VKU Nord in seinem Positionspapier mit dem Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft in den norddeutschen Küstenregionen befasst und dabei die Frage nach der künftigen Rolle kommunaler Unternehmen gestellt. Auf Grundlage der Auswertung der Wasserstoffstrategien der Nordländer wird durch die Darstellung der Chancen und Potentiale der Kommunalwirtschaft die zentrale Rolle kommunaler Unternehmen vor Ort herausgestellt. Aus der Analyse leitet der VKU Nord konkrete Ziele und Forderungen an Politik und Unternehmen ab.

Zentrale Positionen:

  • der VKU Nord fordert die Erzeugung und Nutzung von (bilanziell) grünem Wasserstoff
  • der VKU Nord fordert den Aufbau einer dezentralen Wasserstoffwirtschaft
  • der VKU Nord fordert verlässliche Rahmenbedingungen für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft
  • der VKU Nord fordert eine technologieoffene und anwendungsorientierte Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft
  • der VKU Nord fordert eine klare Priorisierung der Anwendungsbereiche
  • der VKU Nord fordert die Nutzung der bestehenden Netzinfrastruktur als langfristige Zielsetzung

Eine dezentrale und grüne Wasserstoffwirtschaft der Zukunft ist durch ihre kommunale Verankerung in der Lage, auf höchst effiziente Weise vorhandene Synergieeffekte zu nutzen und damit die Wasserstoffproduktion in Richtung einer Wirtschaftlichkeit voranzutreiben. Die zielgerichtete Nutzung regionaler Voraussetzungen kann das volle Potential der Power-to-X Technologie ausschöpfen. Norddeutschland bietet dafür eine zukunftsfähige Ausgangslage. Hier kombiniert sich ein hoher Anteil an Erneuerbare Energien mit Speichermöglichkeiten, mit ausreichendem Raum für strukturelle Entwicklungen sowie Anbindungs- und Transportmöglichkeiten. Diese Vorreiterrolle des Nordens kann in Kombination mit den Möglichkeiten der Sektorenkopplung eine ganzheitliche Energiewende maßgeblich vorantreiben.

Wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist die Kommunalwirtschaft. Hier bündeln sich Voraussetzungen und Kompetenzen, um künftig mit dem Medium Wasserstoff regionale Wirtschaftsentwicklung und Anforderungen der Energiewende gleichermaßen voranzutreiben. Kommunale Unternehmen verfügen über das Wissen und die Praxis im Umgang mit Energie- und Speichermedien. Zudem sind Netzbetreiber, Stadtwerke und Verbände in den Regionen Betreiber der notwendigen Infrastruktur. Sie vereinen Absatz- und Erzeugungssektoren in einer Hand. Kommunale Unternehmen spielen somit die zentrale Rolle beim Aufbau einer grünen und dezentralen Wasserstoffwirtschaft in allen Bereichen von Wasserstofferzeugung und Speicherung, über den Transport bis hin zur Nutzung vor Ort.

Mit der Nutzung von Wasserstoff als Energie und Speichermedium werden Klimaschutzbemühungen der Gemeinden und Städte befördert und die Wirtschaftskraft der Regionen nachhaltig gestärkt. Neben der Bedeutung für Umwelt und Klima geht es beim Aufbau eines neuen wasserstoffbasierten Wirtschaftszweiges im Norden nicht zuletzt auch um die Schaffung qualifizierter Arbeitsplätze sowie Wertschöpfung vor Ort in erheblichem Maßstab. Aus Sicht der Kommunalwirtschaft liegt in der Forcierung einer dezentralen Wasserstofferzeugung, -verteilung und -nutzung die Chance der langfristigen Stärkung ihrer Rolle in den Regionen.

Die unterschiedlichen Wasserstoffstrategien in Norddeutschland setzen bisher durchaus richtige Schwerpunkte, jedoch werden die Ausgangslage der kommunalen Unternehmen im Norden bei Erzeugung, Anwendung und dem notwendigen Infrastrukturausbau zum Teil verkannt, die genannten Chancen nicht vollumfänglich ausgeschöpft und zentrale Fragestellungen offengelassen. Die VKU Landesgruppe Nord positioniert sich daher für eine grüne und dezentrale Wasserstoffwirtschaft, in der die kommunalen Unternehmen als zentrale Akteure agieren. So werden Synergieeffekte genutzt und die Potentiale des Wasserstoffs als Baustein einer ganzheitlichen Energiewende im Sinne einer Sektorenkopplung ausgeschöpft. Politische, gesetzliche und regulatorische Rahmenbedingungen auf Bundes- und Länderebene müssen diesem Ziel Rechnung tragen.

Dafür setzen wir uns ein!

In der LG Nord sind über 100 kommunale Unternehmen im VKU organisiert. Die VKU-Mitgliedsunternehmen in der LG Nord leisten jährlich Investitionen in Höhe von fast 900 Millionen Euro, erwirtschaften einen Umsatz von mehr als 5,4 Milliarden Euro und sind wichtiger Arbeitgeber für über 17.000 Beschäftigte.