Digitaler Wasser-Gipfel in Niedersachsen

In der Diskussion um die Grundwasserbelastung durch Nitrat lud Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies am 11. Mai 2020 zu einem digitalen „Wasser-Gipfel“ in Form einer Video-Konferenz ein, an dem neben den Verbänden der Wasserwirtschaft auch verschiedene Wasserversorgungsunternehmen teilnahmen.

Übermäßig aufgebrachte Düngemittel gefährden die Qualität unserer Trinkwasserressourcen. In verschiedenen Regionen ist das Grundwasser zu stark mit Nitrat belastet. Die aus Brüssel drohenden Strafzahlungen in Millionenhöhe konnte Deutschland mit der Novelle der Düngeverordnung noch gerade so abwenden. Rund 39 Prozent der Landesfläche Niedersachsens fallen zurzeit in den Bereich der „Roten Gebiete“ mit einer hohen Nitratbelastung von mehr als 50 Milligramm pro Liter und befinden sich damit laut EG-Wasserrahmenrichtlinie in einem schlechten chemischen Zustand. Hier besteht dringender Handlungsbedarf, um die Nitrateinträge in die Gewässer reduzieren und so die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung sowie von Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft dauerhaft sicherzustellen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass zu dem im Rahmen der Novellierung vereinbarten Zeitpunkt auch alle notwendigen Regelungen des Bundes und der Länder zur Umsetzung der Düngeverordnung stehen.

In der Diskussion um die Grundwasserbelastung durch Nitrat lud Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies am 11. Mai 2020 zu einem digitalen „Wasser-Gipfel“ in Form einer Video-Konferenz ein. Neben den Verbänden der Wasserwirtschaft, darunter auch die VKU-Landesgruppe Niedersachsen/Bremen, nahmen daran auch verschiedene Wasserversorgungsunternehmen teil.

Da die gesamte Expertenrunde die Verantwortung für zu hohe Nitratwerte im Grundwasser bei Teilen der Landwirtschaft sieht, bestand in der Videokonferenz große Einigkeit darin, das Verursacherprinzip in den Mittelpunkt zu rücken. Der Minister betonte, dass eine Reduzierung des Düngereinsatzes für einzelne landwirtschaftliche Betriebe unerlässlich sei. Einschränkungen beim Düngereinsatz sollten diejenigen treffen, die für die Situation verantwortlich sind.

Mit Nachdruck stellte sich der Wasser-Gipfel auch zentralen Aussagen eines vom Landvolk Niedersachsen in Auftrag gegebenen Messstellen-Gutachtens und der damit verbundenen Kritik von Landwirten entgegen, dass ein falsches Messsystem oder fehlerhafte Messstellen ein verzerrtes Bild von der Wirklichkeit liefern würden. Die Expertenrunde war sich hier einig, dass nicht falsche Messungen, sondern der vorhandene Nähstoffüberschuss zum Nitrat-Problem führe. Dieses gelte es miteinander zu lösen.

Aus Sicht der Landesgruppe Niedersachsen/Bremen des VKU betonte Landesgeschäftsführer Dr. Reinhold Kassing, dass sauberes Trinkwasser für die Bürgerinnen und Bürger in Niedersachsen ein nicht verhandelbares Ziel sei. Dabei suche man die Kooperation mit der Landwirtschaft. Sollten auf dem Weg dahin Mängel bei den Messstellen vorhanden sein, so müssen diese behoben werden. Entscheidend sei aber, dass dadurch die Ergebnisse nicht beeinflusst worden sind.

Auch für den VKU-Vizepräsidenten und OOWV-Geschäftsführer Karsten Specht sei unstrittig, dass - gemessen am vorhandenen Flächen- und Pflanzenbedarf - in Niedersachsen mindestens 31.000 Tonnen Stickstoff jährlich zu viel ausgebracht werden. Die Problemlage des Stickstoffüberschusses sei nicht nur wissenschaftlich belegt, sondern auch durch eigene Messungen von Wasserversorgern, die im Einklang mit den Messungen des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) stehen. Vor diesem Hintergrund sei die neue Düngeverordnung mit strikteren Düngeregeln ein richtiger Schritt, um die Qualität der Gewässer und die Trinkwasserversorgung auch für künftige Generationen zu sichern.

Zum Ende des „Wasser-Gipfels“ kündigte Umweltminister Lies mit Blick auf die bestehenden und anstehenden wasserwirtschaftlichen Herausforderungen eine Verstetigung des Austausches zwischen allen Beteiligten in Form einer „ständigen Wasser-Konferenz“ an.