England führt den Wettbewerb um Geschäftskunden in der Wasserwirtschaft ein

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Über die Initiative "Open Water" sollen Geschäftskunden in England ab April 2017 ihren Dienstleister für die Wasserver- und die Abwasserentsorgung frei wählen können. Während die tatsächlichen Dienstleistungen und der Betrieb der Anlagen unverändert bei den aktuell 29 Wasserversorgern und Abwasserentsorgern verbleiben, können Geschäftskunden zukünftig ihre Kundenbeziehung mit einem "Retailer" eingehen. Dieser soll weitergehende Dienstleistungen wie Beratungen zur effizienten Wasserverwendung, Zähler- oder Vertragsmanagement anbieten. Erfährt die Diskussion zur Einführung von Wettbewerbselementen in der Wasserwirtschaft damit erneut Auftrieb?

Effizienzgewinne werden durch "Open Water" insbesondere für Geschäftskunden gesehen, die an verschiedenen Standorten tätig sind und damit statt einer Vielzahl von Wasserversorgern nur noch einen Vertragspartner (Retailer) hätten. Auch ein sinkendes Preisniveau wird durch die Einführung von "open water" seitens der Regulierungsbehörde Ofwat erwartet. Die bereitgestellten Informationen zur konkreten Ausgestaltung des neuen Modells bleiben trotz des zeitnahen Einführungsdatums noch wage. Schon jetzt wirft das Modell jedoch aus VKU-Sicht eine Reihe von Fragen auf, insbesondere, wie ein Effizienzgewinn und damit eine Steigerung des Gesamtnutzens erreicht werden soll, wenn mit dem "Retailer" ein weiterer Marktteilnehmer ohne direkte Wertschöpfung hinzukommt.

Insgesamt könnte diese Entwicklung in England auch einigen Fachkreisen in Deutschland einen willkommenen Anknüpfungspunkt bieten, erneut Diskussionen zur Einführung von Wettbewerb in der Wasserwirtschaft aufzugreifen. Der "Open Water"-Initiative liegt die Annahme zugrunde, dass der direkte Zugriff auf die Ressource Wasser nicht länger für ein tragfähiges Geschäftsmodell erforderlich ist. Während die Argumente gegen einen Wettbewerb im Markt in der Wasserwirtschaft weiterhin unverändert bestehen bleiben, stellt sich die Frage, ob sich die Rahmenbedingungen und die Kundenerwartungen auch durch die Digitalisierung dahingehend verändern, dass die Diskussion zu weitergehenden und gebündelten Dienstleistungen, wie sie nun in England geführt wird, auch hier anders aufgenommen würde.

Weitere Informationen zu der Initiative "Open Water" finden Sie hier.