VKU-Umfrage
Mehrheit der Stadtwerke erwartet höhere Energiepreise
Zum Start der Heizperiode am 1. Oktober müssen sich Verbraucherinnen und Verbraucher auf höhere Energiepreise einstellen. Das zeigt eine Umfrage des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) unter 757 Stadtwerken.
30.09.26
Zum Start der Heizperiode am 1. Oktober müssen sich Verbraucherinnen und Verbraucher auf höhere Energiepreise einstellen. Das zeigt eine Umfrage des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) unter 757 Stadtwerken.
Berlin, 30.09.2026. Zum Start der Heizperiode am 1. Oktober müssen sich Verbraucherinnen und Verbraucher auf höhere Energiepreise einstellen. Das zeigt eine Umfrage des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) unter 757 Stadtwerken. Demnach erwarten 65 Prozent der teilnehmenden Unternehmen für die Heizperiode 2026/2027 höhere Erdgaspreise. Bei der Fernwärme rechnen 54 Prozent mit steigenden Preisen, beim Strom 49 Prozent. Gründe sind vor allem Investitionen in Netze und Anlagen und höhere Großhandelspreise.
„Die Preise stehen auch unter dem Einfluss internationaler Krisen und des Umbaus unseres Energiesystems. Stadtwerke investieren heute in Netze und Anlagen, damit die Energieversorgung morgen sicher, klimaneutral und bezahlbar ist“, sagt VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing. Wichtig ist, dass diese Investitionen effizient erfolgen und die Politik die richtigen Rahmenbedingungen setzt. So verhindern wir unnötige Kosten für Bürgerinnen, Bürger und Wirtschaft“, so Liebing.
Fossile Energieträger bergen langfristig erhebliche Preisrisiken. „Geopolitisch ausgelöste Energiekrisen zeigen wiederholt, wie schnell fossile Energieträger zum Preis- und Versorgungsrisiko werden können. Deshalb müssen wir die Wärmeversorgung jetzt so umbauen, dass sie langfristig sicher, klimaneutral und bezahlbar bleibt“, sagt Liebing.
Großhandel und Netze sind wesentliche Preisfaktoren
Als wichtigste Gründe für mögliche Preiserhöhungen beim Strom nennen die Unternehmen steigende Netzentgelte infolge des wachsenden Investitionsbedarfs (82 Prozent) und gestiegene oder steigende Großhandelspreise (70 Prozent). Hinzu kommen unter anderem zusätzliche bürokratische Vorgaben. „Die Kosten für den Ausbau der Stromnetze müssen fair und verursachergerecht verteilt werden. Deshalb ist es richtig, auch sogenannte Prosumer zukünftig stärker an den Kosten zu beteiligen“, sagt Liebing.
Beim Erdgas sind gestiegene oder steigende Großhandelspreise für 67 Prozent der Unternehmen ein Grund für Preiserhöhungen. Für 48 Prozent spielen vorgezogene Abschreibungen der Gasnetze wegen absehbarer Stilllegungen eine Rolle. Weitere 36 Prozent nennen steigende Netzentgelte aufgrund notwendiger Stilllegungen oder Umrüstungen. Beim Gas stehen die Stadtwerke vor einer strukturellen Herausforderung: Wenn Kunden und Absatzmengen langfristig zurückgehen, müssen sich die Kosten der bestehenden Netzinfrastruktur auf geringere Mengen verteilen. Gleichzeitig müssen die Netze für eine mögliche künftige Nutzung etwa mit Wasserstoff oder anderen klimaneutralen Gasen weiterentwickelt werden.
Bei der Fernwärme stehen die Investitionen in Netze und Erzeugungsanlagen im Mittelpunkt. 68 Prozent der Befragten nennen steigende Investitionen als Grund für Preisanpassungen. 43 Prozent verweisen auf einen zeitverzögerten Effekt früherer krisenbedingter Preissteigerungen bei Strom, Gas und Kohle.
Langfristige Bezahlbarkeit
Trotz der erwarteten Preissteigerungen ist die Skepsis der Unternehmen gegenüber der langfristigen Bezahlbarkeit der Wärmeversorgung gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. 31 Prozent der Befragten halten eine bezahlbare Wärmeversorgung in Deutschland langfristig für gesichert. 35 Prozent sehen das nicht so. Im Vorjahr hatten noch 51 Prozent die langfristige Bezahlbarkeit verneint. 34 Prozent können die Entwicklung derzeit nicht einschätzen.
VKU fordert verlässliche Rahmenbedingungen
„Wir können die Wärmewende nur dann erfolgreich umsetzen, wenn Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit zusammengedacht werden. Dafür brauchen Stadtwerke klare Regeln und verlässliche Finanzierung. Dann können sie vor Ort investieren und die Wärmeversorgung für die kommenden Jahrzehnte tragfähig aufstellen“, sagt Liebing.
Der Verband fordert eine dauerhaft ausreichende Förderung für den Aus- und Umbau der Wärmenetze von jährlich mindestens 3,5 Milliarden Euro, eine schnelle KWKG-Verlängerung sowie ein investitionsfreundliches Wärmenetzgesetz für den beschleunigten Fernwärmeausbau. Auch für den Umbau der Gasnetze fordert der VKU einen verlässlichen wirtschaftlichen Rahmen.
Auch die Unternehmen sehen politischen Handlungsbedarf. 44 Prozent nennen eine kosteneffiziente Ausgestaltung der Wärmewende als zentrale Maßnahme. Das heißt, Doppelstrukturen bei der Förderung zu vermeiden. Wo die kommunale Wärmeplanung beispielsweise ein Wärmenetz vorsieht, sollten aus Sicht des Verbandes nicht gleichzeitig alternative Lösungen gefördert werden, die unnötigen parallelen Investitionen führen. Dieser Leitgedanke wurde im Rahmen der letzten BEG-Novellierung bereits berücksichtigt. Jeweils 41 Prozent sprechen sich für eine Reform der Strom- und Gasnetzentgelte, eine Senkung der Stromsteuer auf das europarechtliche Minimum sowie eine Verlängerung und Reform des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes aus. 39 Prozent sprechen sich für zusätzliche Fördermittel aus, unter anderem für Fernwärme, Wärmepumpen und die energetische Verbesserung von Gebäuden.
Zur Umfrage
Der VKU hat vom 3. August bis zum 1. September 2026 insgesamt 757 Stadtwerke und kommunale Energieversorger angeschrieben. 225 Unternehmen beteiligten sich an der Befragung. Das entspricht einer Rücklaufquote von 29,7 Prozent.
Fragen und Antworten (in der Presseinformation verwendete Zahlen gefettet)
Wie werden sich Ihre Preise im Vergleich zur Heizperiode 2025/2026 entwickeln?
Unsere Preise für Strom/Fernwärme/Erdgas für die nun anstehende Heizperiode 2026/2027 werden wir tendenziell…
Strom: senken (6 Prozent), erhöhen (49 Prozent), stabilisieren (45 Prozent)
Fernwärme: senken (5 Prozent), erhöhen (54 Prozent), stabilisieren (41 Prozent)
Erdgas: senken (5 Prozent), erhöhen (65 Prozent), stabilisieren (30 Prozent)
Was sind die Gründe für Preiserhöhungen bei Strom?
(Mehrfachauswahl möglich, max. 3)
Steigende Netzentgelte durch steigende Investitionsbedarfe in Netze und Anlagen für Klimaneutralität und Versorgungssicherheit (82 Prozent)
Gestiegene/steigende Preise im Großhandel (70 Prozent)
Steigende Kosten durch weitere bürokratische Vorgaben (32 Prozent)
Steigende CO2-Preise im EU ETS 1 (29 Prozent)
Steigende Personalkosten (27 Prozent)
Was sind die Gründe für Preiserhöhungen bei Erdgas?
(Mehrfachauswahl möglich, max. 3)
Gestiegene/steigende Preise im Großhandel (67 Prozent)
Steigender CO2-Preis für Heizen mit Gas (65 Prozent)
Vorgezogene Abschreibungen der Gasnetze wegen Stilllegung (48 Prozent)
Steigende Netzentgelte durch steigende Investitionsbedarfe (Stilllegung/Umrüstung) (36 Prozent)
Mengenrückgang beim Gasabsatz (17 Prozent)
Langfristige Beschaffung Grüngas zwecks Erfüllung Biotreppe/Grüngasquote (14 Prozent)
Was sind die Gründe für Preiserhöhungen bei Fernwärme?
(Mehrfachauswahl, max. 3)
Steigende Investitionsbedarfe in Netze und Anlagen (68 Prozent)
Zeitverzug, nachdem Indizes für Strom/Gas/Kohle gestiegen sind (43 Prozent)
Steigender CO2-Preis (42 Prozent)
Steigende Baukosten bei Infrastrukturvorhaben (41 Prozent)
Steigende Personalkosten (26 Prozent)
Wirtschaft und Verbraucher sorgen sich um die Heizkosten. Ist eine bezahlbare Wärmeversorgung aus Ihrer Sicht in Deutschland langfristig gesichert?
Ja (31 Prozent)
Nein (35 Prozent)
Weiß nicht (34 Prozent)
Was muss passieren, damit Heizen bezahlbar bleibt?
(Mehrfachauswahl möglich)
Kosteneffizienz (keine Doppelförderung, z.B. für Wärmepumpen in Gebieten, für die die Wärmepläne zum Beispiel Fernwärme vorsehen) (44 Prozent)
Reform der Netzentgelte für Strom und Gas (verursachergerechte Stromnetzentgelte, Kompensationskonto für Gasnetze etc.) (41 Prozent)
Senkung der Stromsteuer auf europarechtliches Minimum für alle (41 Prozent)
KWKG verlängern und reformieren (41 Prozent)
Mehr Fördermittel (z.B. für Fernwärme u.a. für Wärmepumpen und Gebäudehülle), um Ausbaukosten zu dämpfen und Energieeffizienz zu steigern (39 Prozent)
Alternative Finanzierungsformen (z.B. Energiewende-/Deutschlandsfonds) ausbauen (27 Prozent)
Kluge Kompromisse im Mietreicht (z.B. Mieterhöhung auch bei Fernwärme und Contracting auf 50 Cent pro qm deckeln/Wärmelieferverordnung (14 Prozent)
Weitere Informationen:
VKU-Umfrage: Drei von vier kommunalen Wärmeversorgern halten Klimaneutralität bis 2045 unter aktuellen Bedingungen für unrealistisch (Teil 1, 15.09.2026)
VKU-Umfrage aus dem Vorjahr (2025): VKU-Umfrage: Stadtwerke in Sorge um bezahlbares Heizen - Politik muss handeln! | VKU (11.11.2025)
Der Verband kommunaler Unternehmen e. V. (VKU) vertritt über 1.600 Stadtwerke und kommunalwirtschaftliche Unternehmen in den Bereichen Energie, Wasser/Abwasser, Abfallwirtschaft sowie Telekommunikation. Mit rund 319.000 Beschäftigten wurden 2023 Umsatzerlöse von über 213 Milliarden Euro erwirtschaftet und mehr als 19 Milliarden Euro investiert. Im Endkundensegment haben die VKU-Mitgliedsunternehmen signifikante Marktanteile in zentralen Ver- und Entsorgungsbereichen: Strom 66 Prozent, Gas 65 Prozent, Wärme 72 Prozent, Trinkwasser 88 Prozent, Abwasser 50 Prozent. Die kommunale Abfallwirtschaft hat seit 1990 rund 90 Prozent ihrer CO2-Emissionen eingespart – damit ist sie der Hidden Champion des Klimaschutzes. Immer mehr Mitgliedsunternehmen engagieren sich im Breitbandausbau und investieren pro Jahr über 1 Milliarde Euro. Zahlen Daten Fakten 2025
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