Ersatzneubau von Stromleitungen
Verteilnetzpaket: VKU fordert schnellere Genehmigungen beim Netzausbau
Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) fordert einfachere Regeln für den Ersatzneubau von Stromleitungen. Zum Ende der Stellungnahmefrist zum Verteilnetzpaket schlägt der Verband ein eigenes, vereinfachtes Verfahren vor.
06.11.26
Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) fordert einfachere Regeln für den Ersatzneubau von Stromleitungen. Zum Ende der Stellungnahmefrist zum Verteilnetzpaket schlägt der Verband ein eigenes, vereinfachtes Verfahren vor.
Berlin, 06.11.2026. Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) fordert einfachere Regeln für den Ersatzneubau von Stromleitungen. Zum Ende der Stellungnahmefrist zum Verteilnetzpaket schlägt der Verband ein eigenes, vereinfachtes Verfahren vor. Aufwendige Genehmigungsverfahren wie die Planfeststellung und Umweltverträglichkeitsprüfungen sollen dabei entfallen oder deutlich schlanker werden.
„Wer eine bestehende Stromleitung durch eine stärkere ersetzt, baut keine neue Schneise in die Landschaft. Trotzdem gelten weitgehend dieselben Regeln wie für einen Neubau auf der grünen Wiese. Das kostet Jahre, die wir bei der Energiewende nicht haben“, sagt VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing.
Beim Ersatzneubau wird eine bestehende Leitung erneuert oder verstärkt, häufig auf derselben Trasse oder in ihrer Nähe. Für solche Vorhaben soll nach dem Vorschlag des VKU im Regelfall ein Anzeigeverfahren genügen, wenn keine erheblichen zusätzlichen Umweltauswirkungen zu erwarten sind. Dabei meldet der Netzbetreiber das Vorhaben der Behörde. Geprüft werden sollen vor allem die zusätzlichen Folgen der Änderung; die ursprüngliche Entscheidung über den Trassenverlauf soll nicht erneut aufgerollt werden.
Nach Abschätzungen aus verfügbaren Netzausbauplänen entfallen im 110-Kilovolt-Netz rund 70 Prozent des Ausbaus auf Maßnahmen im Bestand. Davon wiederum sind rund 70 Prozent Ersatzneubauten. Der VKU sieht darin das größte einzelne Potenzial, um den Netzausbau zu beschleunigen.
Wie lange Genehmigungen dauern können, zeigen Berichte kommunaler Netzbetreiber. Für die Genehmigungsplanung einer 110-Kilovolt-Freileitung sind im Idealfall drei Jahre vorgesehen. In der Praxis dauerten solche Verfahren sieben, acht oder zwölf Jahre. In einem Fall vergingen 19 Jahre, weil kein Grundstück für das erforderliche Umspannwerk verfügbar war. „Unsere Netzbetreiber wollen bauen, aber sie warten oft länger auf den Stempel als auf den Bagger“, sagte Liebing.
Der VKU fordert durchgängig digitale Verfahren, eine federführende Behörde als zentrale Anlaufstelle und verbindliche Fristen für Behörden. Außerdem soll der Verteilnetzausbau gesetzlich als Vorhaben von überragendem öffentlichem Interesse gelten. Für Umspannwerke will der Verband Flächen früher sichern können, etwa mit einem Vorerwerbs- oder Vorkaufsrecht für Netzbetreiber.
Das Verteilnetzpaket ist für kommunale Unternehmen wichtig, weil sie die regionalen und örtlichen Stromnetze betreiben. Zugleich kennen sie durch ihre regionale Verankerung die örtlichen Spezifika besonders gut und können diese für eine effiziente Planung bereits frühzeitig bestmöglich berücksichtigen. Über diese Netze werden Haushalte und Betriebe versorgt und neue Erzeugungsanlagen, Speicher und Verbraucher angeschlossen. Ein VKU-Gutachten beziffert den Aus- und Umbaubedarf im Stromverteilnetz auf deutlich mehr als 235 Milliarden Euro bis 2045.
„Die Stadtwerke tragen den Netzausbau vor Ort und wollen ihn vorantreiben. Dafür brauchen sie schlankere Verfahren, verlässliche Fristen und eine Finanzierung, die den Ausbau trägt“, sagte Liebing. Der VKU fordert, die Kosten für Ausbau, Digitalisierung und Resilienz zeitnah und vollständig anzuerkennen.
„Ein wirksames Verteilnetzpaket muss zwei Engpässe zugleich lösen: die Dauer von Planung und Genehmigung sowie die Dauer der Anschluss- und Marktprozesse“, sagt Liebing. „Wer nur einen davon angeht, verschiebt den Engpass, statt ihn zu beseitigen.“
Weitere Informationen
Der Verband kommunaler Unternehmen e. V. (VKU) vertritt über 1.600 Stadtwerke und kommunalwirtschaftliche Unternehmen in den Bereichen Energie, Wasser/Abwasser, Abfallwirtschaft sowie Telekommunikation. Mit rund 319.000 Beschäftigten wurden 2023 Umsatzerlöse von über 213 Milliarden Euro erwirtschaftet und mehr als 19 Milliarden Euro investiert. Im Endkundensegment haben die VKU-Mitgliedsunternehmen signifikante Marktanteile in zentralen Ver- und Entsorgungsbereichen: Strom 66 Prozent, Gas 65 Prozent, Wärme 72 Prozent, Trinkwasser 88 Prozent, Abwasser 50 Prozent. Die kommunale Abfallwirtschaft hat seit 1990 rund 90 Prozent ihrer CO2-Emissionen eingespart – damit ist sie der Hidden Champion des Klimaschutzes. Immer mehr Mitgliedsunternehmen engagieren sich im Breitbandausbau und investieren pro Jahr über 1 Milliarde Euro. Zahlen Daten Fakten 2025
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