Forderung
Nordsee-Gipfel: VKU fordert Kursanpassung beim Offshore-Ausbau

Anlässlich des Nordsee-Gipfels fordert der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) einen Realitätscheck beim Ausbau der Windenergie auf See.

26.01.26

Hamburg/Berlin, 26.01.2026. Anlässlich des Nordsee-Gipfels fordert der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) einen Realitätscheck beim Ausbau der Windenergie auf See. VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing: „Ziel muss ein Offshore Ausbau sein, der bezahlbaren Strom liefert und Investitionen verantwortbar macht.“ Dafür brauche es klare Leitplanken: Netzausbau durch Überbauung minimieren, Verschattung vermeiden und dadurch Netzauslastung maximieren, sowie Ausschreibungen reformieren.

Liebing verweist auf die Größenordnung der geplanten Investitionen: „In Offshore-Wind sollen inklusive Netzausbau mehrere einhundert Milliarden Euro investiert werden. Damit dieses Geschäftsmodell tragfähig ist, müssen Offshore-Parks deutlich mehr Volllaststunden liefern als moderne Anlagen an Land. Heute ist das oft nicht der Fall“, so Liebing und weiter: „Leider beobachten wir aktuell heftige Kostensteigerungen beim Übertragungsnetzausbau ebenso wie bei Offshore-Anlagen. Dies betrifft nicht nur Deutschland, sondern ist in ganz Europa und sogar weltweit zu beobachten, weshalb viele Projekte aktuell scheitern. Für den Offshore-Ausbau ist der Übertragungsnetzausbau sowohl auf See wie auch an Land jedoch zwingende Voraussetzung. Wir müssen daher aufpassen, nicht zu Systemkosten zu kommen, die sich ansonsten für 20 Jahre auf 200 Euro und mehr die Megawattstunde aufsummieren können. Das wäre für niemanden tragbar.“

Der VKU fordert deshalb eine ehrliche Bestandsaufnahme und eine klare Prioritätensetzung: Netzausbau nur dort, wo er unvermeidbar ist und maximale Auslastung der vorhandenen Infrastruktur. Ausschreibungen müssten mehr Wettbewerb ermöglichen und verschiedene, auch kleinere, Akteure zum Zug kommen lassen, um das Klumpenrisiko bei scheiternden Projekten zu reduzieren. Gleichzeitig müsse der Ausbaupfad in der Deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) system- und kosteneffizient gestaltet werden.

Die Linie des VKU lautet: Entzerren statt verdichten. Eine stärkere Koordinierung mit den Nachbarländern und gemeinsame Offshore-Projekte könnten Erträge verbessern und Netzkapazitäten sinnvoller nutzen. „Die gegenseitige Verschattung frisst Erträge und damit Wirtschaftlichkeit. Sie ist kein Randproblem, sie ist zentral. Deshalb ist eine engere Abstimmung mit unseren Nachbarn richtig und wichtig. Wenn wir realistisch planen wollen, müssen wir dichter stehende Parks entzerren. Wir empfehlen 45 bis 50 GW Erzeugungsleistung als Zielgröße für die deutsche ausschließliche Wirtschaftszone. Das ist aus unserer Sicht vernünftig und verantwortbar“, erklärt Liebing.

Der VKU begrüßt, dass das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) sowie die Bundesregierung Schritte in diese Richtung unternommen haben. Die vorgeschriebene Überbauung der Netzanschlusspunkte und die höhere Netzauslastung wertet der VKU als richtige Weichenstellungen. Liebing: „BSH und Bundesregierung sind zuletzt mit guten Ansätzen vorangegangen. Die höhere Netzauslastung zeigt: Es geht auch klug, nicht nur groß.“

Auch an Land besteht Handlungsdruck: Der Offshore-Strom erreicht die Verbraucher vor Ort erst durch Umspannung auf die 110kV-Verteilnetze und tiefer, die vielerorts in kurzer Zeit erheblich verstärkt werden müssen. Dafür braucht es schnellere und praxistaugliche Genehmigungen, insbesondere für die Ertüchtigung bestehender Trassen. Es gehe nicht um überall neue Leitungen, sondern um eine schnelle Modernisierung der Netze, die bereits vorhanden sind.

Der VKU plädiert für eine Offshore-Strategie, die ökonomische Vernunft, technische Realität und europäische Abstimmung verbindet. Liebing: „Wir müssen die Energiewende so gestalten, dass sie nicht nur schneller, sondern vor allem bezahlbar und belastbar ist.“
 

Der Verband kommunaler Unternehmen e. V. (VKU) vertritt über 1.600 Stadtwerke und kommunalwirtschaftliche Unternehmen in den Bereichen Energie, Wasser/Abwasser, Abfallwirtschaft sowie Telekommunikation. Mit rund 319.000 Beschäftigten wurden 2023 Umsatzerlöse von über 213 Milliarden Euro erwirtschaftet und mehr als 19 Milliarden Euro investiert. Im Endkundensegment haben die VKU-Mitgliedsunternehmen signifikante Marktanteile in zentralen Ver- und Entsorgungsbereichen: Strom 66 Prozent, Gas 65 Prozent, Wärme 72 Prozent, Trinkwasser 88 Prozent, Abwasser 50 Prozent. Die kommunale Abfallwirtschaft hat seit 1990 rund 90 Prozent ihrer CO2-Emissionen eingespart – damit ist sie der Hidden Champion des Klimaschutzes. Immer mehr Mitgliedsunternehmen engagieren sich im Breitbandausbau und investieren pro Jahr über 1 Milliarde Euro. Zahlen Daten Fakten 2025

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