VKU zum NEP: Erkenntnisse nutzen!

Berlin, 29. Januar 2021. Heute haben die Übertragungsnetzbetreiber den Netzentwicklungsplan Strom 2035 (NEP) veröffentlicht. Dazu sagt VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing:

„Die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) haben den Netzentwicklungsplan anhand aufwendiger Analysen und Simulationen erstellt. Die dort erarbeiteten Erkenntnisse sind daher auch für energiepolitische Fragen, die über den Übertragungsnetzausbau hinausgehen, äußerst wichtig. So zeigt sich erneut, dass der Strombedarf etwa durch Sektorenkopplung und Elektromobilität in Zukunft erheblich steigen wird. Heute liegt der Stromverbrauch in Deutschland bei ca. 550 TWh. Die ÜNB nehmen je nach Szenario für 2035 einen Stromverbrauch von 650 -700 TWh an. Davon werden über 70 Prozent durch erneuerbare Energien gedeckt. Die Berechnungen der ÜNB bieten damit eine gute Basis, an der sich die Bundesregierung bei der Erhöhung der Ausbaupfade für erneuerbare Energien orientieren sollte.Nur so kann sie die Forderung des Bundestags nach einer Neuberechnung seriös erfüllen.

Der Netzentwicklungsplan sieht darüber hinaus in allen Szenarien einen signifikanten Neubau von Gaskraftwerken vor. Die Frage, auf welcher Basis diese für unsere Versorgungssicherheit notwendigen Kraftwerke errichtet werden, wird hier natürlich nicht beantwortet. Dazu ist der NEP auch nicht da. Allerdings wird deutlich, wie dringend nötig die Debatte über einen vernünftigen Investitionsrahmen für gesicherte Kapazitäten – etwa in Form von genügend Anreizen im KWKG und eines funktionierenden Marktdesigns jenseits des energy-only-Marktes – ist.

Last but not least. Der Ausbaubedarf im NEP ist unter der Annahme erstellt worden, dass bei flexiblen Verbrauchern wie Wärmepumpen und Elektroautos Lastspitzen eingesenkt werden. Dahinter verbirgt sich nichts anderes als die vorgesehene Spitzenglättung. Das zeigt: Ohne das Instrument der Spitzenglättung wäre der Ausbaubedarf bei den Netzen noch größer als ohnehin. Um volkswirtschaftliche Kosten zu vermeiden und die Planbarkeit des Netzausbaus zu gewährleisten, sollte das Bundeswirtschaftsministerium den vor kurzem kassierten Entwurf des Steuerbare-Verbrauchseinrichtungen-Gesetzes auf den Weg bringen.“

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) vertritt rund 1.500 Stadtwerke und kommunalwirtschaftliche Unternehmen in den Bereichen Energie, Wasser/Abwasser, Abfallwirtschaft sowie Telekommunikation. Mit mehr als 275.000 Beschäftigten wurden 2018 Umsatzerlöse von rund 119 Milliarden Euro erwirtschaftet und mehr als 12 Milliarden Euro investiert. Im Endkundensegment haben die VKU-Mitgliedsunternehmen große Marktanteile in zentralen Ver- und Entsorgungsbereichen: Strom 62 Prozent, Erdgas 67 Prozent, Trinkwasser 90 Prozent, Wärme 74 Prozent, Abwasser 44 Prozent. Sie entsorgen jeden Tag 31.500 Tonnen Abfall und tragen durch getrennte Sammlung entscheidend dazu bei, dass Deutschland mit 67 Prozent die höchste Recyclingquote in der Europäischen Union hat. Immer mehr kommunale Unternehmen engagieren sich im Breitbandausbau. 190 Unternehmen investieren pro Jahr über 450 Mio. EUR. Sie steigern jährlich ihre Investitionen um rund 30 Prozent. Beim Breitbandausbau setzen 93 Prozent der Unternehmen auf Glasfaser bis mindestens ins Gebäude.