Verleihung VKU-Innovationspreis 2021: fünf Beispiele für innovative Daseinsvorsorge

Berlin, 23. Juni 2021. Pünktlich zum heutigen Tag der Daseinsvorsorge zeichnet der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) fünf Macher und Vordenker der Daseinsvorsorge mit dem VKU-Innovationspreis aus. Es ist die mittlerweile sechste Preisverleihung. In diesem Jahr hat die Jury aus über 30 Bewerbungen folgende Projekte ausgewählt:

  1. Preisträger in der Kategorie Kommunale Energiewirtschaft: Stadtwerke Bad Nauheim GmbH für das Projekt „Smartes, digitales und CO2-freies Stadtquartier“
  2. Preisträger in der Kategorie Kommunale Wasser-/Abwasserwirtschaft: Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserverband (OOWV) für das Projekt „MULTI-ReUse – Modulare Aufbereitung und Monitoring bei der Abwasserwiederverwendung“
  3. Preisträger in der Kategorie Breitband/Telekommunikation: EWE AG für das Projekt „gridlux - Strategische FTTx Planung mit Künstlicher Intelligenz“
  4. Preisträger in der Kategorie Kommunale Abfallwirtschaft und Stadtreinigung: AWB Abfallwirtschaftsbetriebe Köln GmbH für das Projekt „Sauber in die Zukunft: Geofencing in der Abfallwirtschaft“
  5. Zusätzlich hat der VKU einen Sonderpreis „Mobilität“ an die Technische Werke Schussental GmbH & Co. KG (TWS) für das Projekt „Mobilitätsplattform im ländlichen Raum“ verliehen.

Die Preisträger repräsentieren die Spannbreite und Vielfalt kommunalwirtschaftlichen Engagements großer, mittlerer und kleiner kommunaler Unternehmen. „Die diesjährigen Preisträger tragen die Botschaft der Daseinsvorsorge für klimaneutrale, leistungsstarke und lebenswerte Kommunen in sich: Mit ihrer Expertise haben die fünf Preisträger Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit entwickelt. Sie zeigen, wie unser Land fit für den Klimawandel, die Digitalisierung und den demografischen Wandel werden kann“, so VKU-Präsident und Jury-Vorsitzender Michael Ebling.

Mehr zu den Projekten, den Unternehmen und den Teams dahinter: www.vku.de/verband/Veranstaltungen/vku-innovationspreis. Eine Kurzvorstellung der einzelnen Projekte finden Sie auch weiter unten.

Hintergrund VKU-Innovationspreis:

Der VKU-Innovationspreis wird seit 2011 alle zwei Jahre vom VKU verliehen. Der VKU zeichnet mit dem Preis herausragende Innovationen kommunaler Unternehmen aus. Die offizielle Bekanntgabe der Gewinner inklusive der Preisverleihung war eigentlich zur Abendveranstaltung der VKU-Verbandstagung 2021 geplant. Leider fand diese pandemiebedingt „nur“ an einem Tag und digital und damit auch ohne Abendveranstaltung statt. Die Bekanntgabe und Würdigung der diesjährigen Gewinner finden deshalb anlässlich des „Tages der Daseinsvorsorge“ am 23. Juni statt.

Jury-Mitglieder 2021:

  • Thomas Bareiß, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie
  • Steffen Bilger, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur
  • Dr. Regina Dube, Abteilungsleiterin im Bundesumweltministerium
  • Prof. Dr. Stephan A. Jansen, Geschäftsführender Gesellschafter der BICICLI GmbH
  • Kristina Jeromin, Geschäftsführerin des Green and Sustainable Finance Cluster Germany

Weiterhin:

  • VKU-Präsident OB Michael Ebling (Jury-Vorsitzender), die drei VKU-Vizepräsidenten
  • Guntram Pehlke,
  • Patrick Hasenkamp,
  • Karsten Specht sowie
  • VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing.

Kurzvorstellung der Projekte

Preisträger der Kategorie Kommunale Energiewirtschaft:

Stadtwerke Bad Nauheim GmbH für das Projekt „Smartes, digitales und CO2-freies Stadtquartier“. Wie die Wärmewende in der Praxis funktioniert, machen die Stadtwerke Bad Nauheim auf Basis der Kalten Nahwärme vor: Deutschlands größter oberflächennaher Erdkollektor entsteht in einem Neubaugebiet, das mit rund 400 Wohneinheiten für ca. 1.000 Bürgerinnen und Bürger am Rande der Stadt entsteht. Die Stadtwerke Bad Nauheim GmbH bietet in dem gesamten Quartier neben Strom, Gas und Wasser ein breites Spektrum an neuen und innovativen Technologien in Form eines Gesamtquartierlösungskonzeptes an, bspw. das „Rundum-Sorglos-Paket“ für die Kälte- und Wärmeversorgung im neuen Stadtquartier (Beratung, Einbau Wärmepumpe, kostenfreier Wartungs- und Entstördienst, Anschluss ans Glasfasernetz). Über das eigene Glasfasernetz, an das die Wärmepumpen angeschlossen sind, können diese ausgelesen bzw. gesteuert werden. Die Kunden zahlen nur für die verbrauchte Wärme. Zudem ist eine Optimierung des Einsatzes der Wärmepumpen im Einzelnen und im Verbund möglich. Weitere Produkte und Innovationen nehmen die Bündelung der Energieversorgung und ihrer Komponenten in den Blick. Das Leuchtturmprojekt für die Energiewende und Sektorenkopplung wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) mit rund vier Millionen Euro gefördert und wissenschaftlich begleitet.

Preisträger in der Kategorie Kommunale Wasser-/Abwasserwirtschaft:

Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserverband (OOWV) für das Projekt „MULTI-ReUse - Modulare Aufbereitung und Monitoring bei der Abwasserwieder¬verwendung“. Mit dem deutschland- und europaweit einzigartigen Projekt „MULTI-ReUse“ zeigt der OOWV innovative Möglichkeiten auf, wie man die Wasserverfügbarkeit erhöht sowie Ressourcen und Umwelt schützt. Durch den neuartigen Einsatz modularer, multi-barrieren Technologien werden Optionen entwickelt, wie eine direkte Wiederverwendung kommunaler Abwässer funktionieren kann. Ausbleibender Regen, knappe Grundwasserstände in Niedersachsen und stetig steigender Wasserbedarf erfordern neue Wege in der Wasseraufbereitung. Der Landkreis Wesermarsch verfügt über keine eigene Trinkwasserversorgung. In Nordenham sind aber viele wasserintensive Industrien und Gewerben ansässig. Daher wurde im Projekt MULTI-ReUse mit der Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) für und an dem Standort Nordenham eine innovative, modulare Aufbereitung zur Wasserwiederverwendung entwickelt und pilotiert – denn in der Industrie muss nicht immer Trinkwasserqualität zum Einsatz kommen: Ein Beitrag für die Region, sich als Standort für Industrie und Gewerbe weiter attraktiv zu halten. Das Pilotprojekt wurde mit dem NachhaltigkeitsAward Nordwest 2020 ausgezeichnet.

In der Kategorie Breitband/Telekommunikation ist als Preisträger nominiert:

EWE AG für das Projekt „gridlux - Strategische FTTx Planung mit Künstlicher Intelligenz“. Das Start-up gridlux will Unternehmen aus dem Telekommunikations- und Energiesektor die Planung neuer Glasfasernetze erleichtern. Die Neugründung aus dem Hause EWE setzt dabei auch auf künstliche Intelligenz, um potenzielle Glasfaserausbaugebiete (FTTx) zu identifizieren und die Ausbaukosten abzuschätzen. Statt Standardsoftware-Werkzeuge oder händisch erstellter Ergebnislisten berechnen die entwickelten Algorithmen auch große Gebiete in Sekundenschnelle durch. Das reduziert Kosten und erhöht die Planungssicherheit. Alle relevanten Daten wie Adressen, Straßen, Oberflächenart und Nutzung, sozioökonomische Daten oder die Anschlussverfügbarkeit sind bereits Bestandteil des Online-Tools. Der zu planende Bereich kann eine einzelne Kommune, aber auch ganze Regionen, Bundesländer oder sogar bundesweit sein – auch Vergleiche sind möglich. Das Angebot hilft Internetprovidern und TK-Unternehmen, ihren Glasfaserausbau zu beschleunigen. Gridlux hilft seinen Kunden dabei, eine aktive Rolle einzunehmen und zukünftige Ausbauentscheidungen daten- und faktenbasiert zu treffen – und damit Wettbewerbsvorteile zu erlangen.

Preisträger in der Kategorie Kommunale Abfallwirtschaft und Stadtsauberkeit:

Abfallwirtschaftsbetriebe Köln GmbH (AWB) für das Projekt „Sauber in die Zukunft: Geofencing in der Abfallwirtschaft“, einem Modellprojekt zur digitalen Flottensteuerung und zum neuartigen Einsatz kommunaler Fahrzeuge. Innovative Fahrzeugtechnik, Geofencing und modernste IT-Verschlüsselung über Blockchain werden dafür in Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen miteinander verbunden – für ein sauberes Köln. Durch die Kombination neuartiger Fahrzeugtechnologie mit georeferenzierter Steuerung der Antriebe können die Fahrzeuge in der Tourenplanung sowohl über lange Strecken mit dem klassischen Verbrennungsmotor als auch in Umweltzonen, Parks oder Fußgängerzonen mit batterie-elektrischem Antrieb emissionsneutral eingesetzt werden. Die „grünen Kilometer“ werden fälschungssicher und nicht manipulierbar durch die Blockchain-Technologie dokumentiert. Zur Smart-City-Cologne-Testflotte gehören neben der AWB und dem Fahrzeughersteller FORD auch weitere städtische Unternehmen wie die RheinEnergie AG, die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) und der Häfen und Güterverkehr Köln (HGK).

Zusätzlich wird ein Sonderpreis „Mobilität“ verliehen:

Die Technische Werke Schussental GmbH & Co. KG (TWS) für das Projekt einer Mobilitätsplattform im ländlichen Raum. Die notwendige Mobilitätswende gelingt im ländlichen Raum nur im Verbund: Die integrierte Mobilitätsplattform ist dafür die Grundlage in der Region Schussental. Die Vernetzung der Mobilität geht weit über den Ansatz hinaus, lose Mobilitätsbausteine über eine Plattform miteinander zu verbinden. Die Plattform „tws.mobil“ verbindet neben den Mobilitätsangeboten auch Nutzergruppen (B2B, B2C), Dienstleistungen (ÖPNV, E-Bike-/Carsharing etc.) und Produkte. Mitarbeitende der Stadt Ravensburg können neben dem tws.rad auch die ersten Autos aus dem kommunalen Pool via tws.mobil für ihre Dienstfahrten buchen. Weitere Fahrzeuge und Kommunen wie Weingarten kommen dazu. Ein weiterer Vorteil für die Kommunen: Der Verwaltungsaufwand wird reduziert, weil Fahrtenbücher ersetzt und auch die umständliche Schlüsselverwaltung der Vergangenheit angehört. Das Projekt Digitalisierung kommunaler Fuhrparks wird durch das Bundesverkehrsministerium (BMVI) gefördert. Die Plattform „tws.mobil“ ist seit Ende 2019 nach 2-jähriger Vorbereitungsphase am Start.

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) vertritt über 1.500 Stadtwerke und kommunalwirtschaftliche Unternehmen in den Bereichen Energie, Wasser/Abwasser, Abfallwirtschaft sowie Telekommunikation. Mit mehr als 275.000 Beschäftigten wurden 2018 Umsatzerlöse von rund 119 Milliarden Euro erwirtschaftet und mehr als 12 Milliarden Euro investiert. Im Endkundensegment haben die VKU-Mitgliedsunternehmen große Marktanteile in zentralen Ver- und Entsorgungsbereichen: Strom 62 Prozent, Erdgas 67 Prozent, Trinkwasser 90 Prozent, Wärme 74 Prozent, Abwasser 44 Prozent. Sie entsorgen jeden Tag 31.500 Tonnen Abfall und tragen durch getrennte Sammlung entscheidend dazu bei, dass Deutschland mit 67 Prozent die höchste Recyclingquote in der Europäischen Union hat. Immer mehr kommunale Unternehmen engagieren sich im Breitbandausbau. 190 Unternehmen investieren pro Jahr über 450 Mio. EUR. Sie steigern jährlich ihre Investitionen um rund 30 Prozent. Beim Breitbandausbau setzen 93 Prozent der Unternehmen auf Glasfaser bis mindestens ins Gebäude.