Rheinland-Pfalz steht vor Milliardeninvestitionen in die Wasser- und Abwasserinfrastruktur
In den kommenden 20 Jahren müssen in Rheinland-Pfalz rund 40,6 Milliarden Euro in Erhalt, Erneuerung und Klimaanpassung der Trinkwasser- und Abwasserinfrastruktur investiert werden, so eine aktuelle BBH-Studie im Auftrag des VKU.
04.02.26
In den kommenden 20 Jahren müssen in Rheinland-Pfalz rund 40,6 Milliarden Euro in Erhalt, Erneuerung und Klimaanpassung der Trinkwasser- und Abwasserinfrastruktur investiert werden, so eine aktuelle BBH-Studie im Auftrag des VKU.
Mainz. In den kommenden 20 Jahren müssen in Rheinland-Pfalz rund 40,6 Milliarden Euro in Erhalt, Erneuerung und Klimaanpassung der Trinkwasser- und Abwasserinfrastruktur investiert werden. Das zeigt eine aktuelle Studie von Becker Büttner Held Rechtsanwälte Steuerberater Unternehmensberater PartGmbB (bbh) im Auftrag des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU). (direkt zur Studie)
Rund 16 Milliarden Euro entfallen auf die Trinkwasserversorgung, 24,6 Milliarden Euro auf die Abwasserentsorgung. Im Schnitt sind das jährlich zwei Milliarden Euro – umgerechnet etwa 9.800 Euro pro Einwohner bis 2045. Damit liegt der Investitionsbedarf pro Kopf leicht unter dem Bundesdurchschnitt (etwa 10.000 Euro) und zeigt, dass bereits in den zurückliegenden Jahrzehnten umfangreiche Investitionen getätigt wurden. Gleichzeitig verdeutlichen die Zahlen die weithin bestehenden Herausforderungen für eine sichere und zuverlässige Wasserver- und Abwasserentsorgung in Rheinland-Pfalz.
Die Investitionserfordernisse sind nicht gleichbedeutend mit der tatsächlichen Belastung für die Bürgerinnen und Bürger, da die Investitionen über die Jahrzehnte, in denen die Anlagen und Netze dann tatsächlich genutzt werden, abgeschrieben und auf alle Nutzergruppen verteilt werden. Dennoch werden sich die Investitionen auf lange Sicht auch in steigenden Entgelten für Wasser und Abwasser niederschlagen.
Etwa 10 bis 15 Prozent der Gesamtsumme sind Maßnahmen zuzuordnen, die in Folge des Klimawandels für die Anpassung der Infrastruktur erforderlich werden – etwa für den Umgang mit längeren Trockenphasen oder häufigeren Starkregenereignissen. Die Wasserwirtschaft steht damit vor einem neuen großen Investitionszyklus seit der Mitte des letzten Jahrhunderts. Erhalt und Erneuerung, neue gesetzliche Vorgaben und Maßnahmen zur Klimaanpassung greifen dabei oft ineinander und lassen sich nicht trennscharf voneinander abgrenzen.
„Viele Anlagen in Rheinland-Pfalz sind zwar in einem guten Zustand, allerdings nähert sich ein Teil der Infrastruktur dem Ende seiner Lebensdauer. Wir dürfen die Anlagen und Leitungen nicht auf Verschleiß fahren, sondern müssen vorausschauend modernisieren. Vorausschauend modernisieren bedeutet auch, die Infrastrukturen gleichzeitig an die Herausforderungen des Klimawandels anzupassen: für länger anhaltende Trockenphasen und häufigere Starkregenereignisse“, erklärt Jan Deuster, Geschäftsführer der Stadtwerke Andernach und Co-Vorsitzender des Arbeitskreises Wasser/Abwasser der VKU-Landesgruppe Rheinland-Pfalz. „Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass die Entgelte für Trinkwasser und Abwasser infolge der Investitionserfordernisse steigen werden.“
Marco Mohr, Direktor der Stadtwerke Bingen und ebenfalls Co-Vorsitzender des VKU-Arbeitskreises ergänzt: „Die Zahlen zeigen klar: Ohne langfristige und verlässliche Finanzierungsperspektiven wird es schwer, die Wasserinfrastruktur in Rheinland-Pfalz zukunftsfest zu machen. Nicht nur Straßen und Schienen gehören auf die Agenda, auch die Wasserinfrastruktur braucht Aufmerksamkeit und klare politische Prioritäten. Es braucht deshalb frühzeitig verlässliche Weichenstellungen, damit Versorgungssicherheit und hohe Umweltstandards auch in den nächsten Jahrzehnten gewährleistet bleiben. Wir appellieren daher an die künftige Landesregierung, gemeinsam mit der Wasserwirtschaft Lösungsoptionen zu entwickeln, wie das Land Rheinland‑Pfalz die notwendigen Investitionen in die Wasserinfrastruktur auch künftig und entsprechend der gestiegenen Anforderungen unterstützen kann.“