Bedarfsorientierte Planung stärkt Realitätsnähe der Netzentwicklung
Die Transformation der Gasinfrastruktur hin zu einem klimaneutralen Energiesystem stellt Netzbetreiber und Politik vor große Herausforderungen. Mit dem Entwurf des Szenariorahmens Gas und Wasserstoff 2027 wird ein wichtiger Grundstein für die zukünftige Netzentwicklungsplanung gelegt.
Der VKU hält den gewählten Szenarientrichter insgesamt für sachgerecht. Die Bandbreite der Szenarien bildet die aktuell bestehenden Unsicherheiten hinsichtlich Transformationstempo, Wasserstoffhochlauf und sektoraler Entwicklung angemessen ab. Zugleich sollte die bedarfsorientierte Modellierung künftig nicht auf das Jahr 2035 beschränkt bleiben. Eine Ausweitung auf weitere Zieljahre würde die Vergleichbarkeit zwischen realen Bedarfsentwicklungen und langfristigen Transformationspfaden deutlich verbessern.
Langfristprognose 2.0 als wichtiger Fortschritt
Aus Sicht des VKU enthält der Entwurf positive Weiterentwicklungen, insbesondere durch die Berücksichtigung der Langfristprognose 2.0.
Mit der Weiterentwicklung der Langfristprognose hat die Branche ein Instrument geschaffen, das die Expertise der Verteilnetzbetreiber stärker in die Infrastrukturplanung einbindet. Die Ausweitung des Betrachtungszeitraums bis 2050, die differenzierte sektorale Bedarfsabfrage und die Einführung eines Härtegradmodells sorgen für eine höhere Transparenz und Nachvollziehbarkeit zukünftiger Wasserstoffbedarfe.
Fernwärme und Biomethan gewinnen an Bedeutung
Ein wichtiger Schritt ist die erstmalige eigenständige Berücksichtigung der Fernwärme im Szenariorahmen. Damit wird ihrer wachsenden Bedeutung für die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung Rechnung getragen. Auch künftig werden gasförmige Energieträger für die Absicherung von Spitzenlasten und die Gewährleistung der Versorgungssicherheit eine wichtige Rolle spielen.
Ebenso positiv bewertet der VKU die Aufnahme von Biomethan als eigenständigen Baustein der Szenarienbildung. Biomethan kann einen wesentlichen Beitrag zur Dekarbonisierung und Versorgungssicherheit leisten. Gleichzeitig bestehen noch Unsicherheiten hinsichtlich des Ausbaus der Erzeugungskapazitäten und der regulatorischen Rahmenbedingungen. Deshalb sollte die Rolle von Biomethan künftig noch umfassender und systematischer in der Netzentwicklungsplanung berücksichtigt werden.