Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG)
VKU zum BEHG-Beschluss im Bundestag: CO2-Preis für Heizen und Tanken wird durch die Hintertür erhöht
Heute beschließt der Bundestag in zweiter und dritter Lesung das Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG), welches den Emissionshandel für Heizen und Tanken ab 2027 grundlegend reformieren soll.
15.10.26
Heute beschließt der Bundestag in zweiter und dritter Lesung das Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG), welches den Emissionshandel für Heizen und Tanken ab 2027 grundlegend reformieren soll.
Berlin, 15.10.2026. Heute beschließt der Bundestag in zweiter und dritter Lesung das Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG), welches den Emissionshandel für Heizen und Tanken ab 2027 grundlegend reformieren soll.
Der bisherige Preiskorridor von 55 bis 65 Euro pro Zertifikat wird fortgeführt. Zugleich erhöht die Koalition jedoch die Preise für Nachkaufmengen um drei Euro von 70 Euro auf 73 Euro und Überschussmengen von bisher 68 Euro auf 71 Euro. Im Regierungsentwurf war noch eine Erhöhung um jeweils fünf Euro vorgesehen. Insgesamt sollen 234 Millionen Zertifikate versteigert werden. Den ursprünglichen Plan, rund 40 Millionen Zertifikate weniger zu versteigern, verwirft die Koalition.
Dazu erklärt Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU):
„Die Regierungskoalition verschafft mit dem BEHG-Beschluss im Bundestag Stadtwerken endlich die nötige Planungssicherheit für den Emissionshandel ab 2027. Die zusätzlichen Versteigerungsmengen entschärfen das Knappheitsproblem etwas. Von einer Stabilisierung der CO2-Preise, wie zur BEHG-Reform oft kommuniziert wird, kann dennoch keine Rede sein. Verbraucher müssen 2027 daher mit steigenden CO2-Preisen durch die Hintertür rechnen.
Gut ist in jedem Falle, dass die Bundesregierung den Spekulanten den Kampf ansagt, die Preise künstlich zu verteuern. So dürfen ersteigerte Zertifikate nur an die Unternehmen gehen, die einen realen Bedarf haben. Von diesem Schlupfloch profitierten bislang auch Spekulanten ‒ ohne Mehrwert für den Klimaschutz, nur mit Mehrkosten für Wirtschaft, Verbraucher und Stadtwerke.
Insgesamt erwarten wir einen erneuten Überbietungswettbewerb in den Auktionen, wie im vergangenen Jahr. Hohe Überzeichnungen und niedrigen Zuteilungsquoten führten bisher dazu, dass Bieter sehr viel Liquidität für die Auktionen aufbringen mussten. Wenngleich die zulässige Gebotsmengen pro Auktion auf 20 Prozent der Versteigerungsmenge reduziert wurde, wird das nicht reichen. Mit höheren Preisen für Überschussmengen ist der Anreiz für Arbitragegeschäfte nun sogar größer, nicht kleiner. Das ist insbesondere für kleine und mittlere Stadtwerke problematisch, die im Vergleich zu größeren Unternehmen in der Regel nicht über üppige Liquiditätspolster verfügen.
Durch die Belastung der thermischen Abfallverwertung mit dem BEHG-Preis haben Spekulanten nicht zuletzt für eine Steigerung der Abfallgebühren gesorgt. Bei der thermischen Abfallverwertung ist besonders problematisch, dass für den Hausmüll zu hohe fossile CO2-Anteile zugrunde gelegt werden und die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) wirklichkeitsnähere, individuelle Berechnungen blockiert; diese Vollzugspraxis muss dringend korrigiert werden.
Richtig und fair wäre gewesen, die zulässigen Gebotsmengen in den Auktionen an historischen, realen Bedarfen der verpflichteten Unternehmen auszurichten.
Die Fortsetzung der Korridorphase auf demselben Preisniveau ist angesichts der fragilen wirtschaftlichen Lage nachvollziehbar. Sie darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Koalition zugleich die Preise für Nachkauf- und Überschussmengen erhöht. Zwar haben die Koalitionsfraktionen im Bundestag die geplanten Preiserhöhungen der Regierung etwas abgeschwächt, jedoch müssen wir unterm Strich mit steigenden CO2-Preisen rechnen. Eine faktische Preiserhöhung um 3 Euro pro Zertifikat bleibt eine Preiserhöhung, auch wenn man ursprünglich die Preise um fünf Euro erhöhen wollte.
Darüber hinaus unterstützen steigende CO2-Preise die erhoffte Lenkungswirkung hin zu Investitionen in klimaneutrale Energieträger, Elektrifizierung und Unabhängigkeit von fossilen Importen, sollten aber von der Koalition offen und transparent gegenüber Verbrauchern und Wirtschaft kommuniziert werden.”
Der Verband kommunaler Unternehmen e. V. (VKU) vertritt über 1.600 Stadtwerke und kommunalwirtschaftliche Unternehmen in den Bereichen Energie, Wasser/Abwasser, Abfallwirtschaft sowie Telekommunikation. Mit rund 319.000 Beschäftigten wurden 2023 Umsatzerlöse von über 213 Milliarden Euro erwirtschaftet und mehr als 19 Milliarden Euro investiert. Im Endkundensegment haben die VKU-Mitgliedsunternehmen signifikante Marktanteile in zentralen Ver- und Entsorgungsbereichen: Strom 66 Prozent, Gas 65 Prozent, Wärme 72 Prozent, Trinkwasser 88 Prozent, Abwasser 50 Prozent. Die kommunale Abfallwirtschaft hat seit 1990 rund 90 Prozent ihrer CO2-Emissionen eingespart – damit ist sie der Hidden Champion des Klimaschutzes. Immer mehr Mitgliedsunternehmen engagieren sich im Breitbandausbau und investieren pro Jahr über 1 Milliarde Euro. Zahlen Daten Fakten 2025
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