VKU zu Ergebnissen der Kommission gleichwertige Lebensverhältnisse

Berlin, 10. Juli 2019. Die Bundesregierung hat heute ihren Bericht zu gleichwertigen Lebensverhältnissen vorgestellt.

Dazu Katherina Reiche, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU):

„Es ist richtig, dass sich die Bundesregierung gemeinsam mit Ländern und Kommunen intensiv mit der Frage befasst, wie wir das Versprechen gleichwertiger Lebensverhältnisse einlösen und eine Spaltung unseres Landes verhindern können – gerade mit Blick auf die Herausforderungen der Demografie, Urbanisierung sowie Digitalisierung. Doch die Bundesregierung beschränkt sich zu sehr darauf, Probleme zu beschreiben statt konkrete Lösungen zu entwickeln. Dabei gibt es in vielen Städten und Gemeinden bereits pragmatische Ansätze, um das Leben vor Ort spürbar besser zu machen - mit Freiräumen, Kooperation, Digitalisierung und viel Engagement.“

Praktiker vor Ort brauchen Freiräume, Kooperation, Digitalisierung und Engagement

Der VKU empfiehlt, Freiräume für Lösungen zu schaffen, die vor Ort passen, und Kooperationen zwischen Kommunen zu fördern. Auch die Chancen der Digitalisierung sollten genutzt werden: Autonome Busse für den ÖPNV, Telemedizin für Gesundheitsversorgung etwa können den ländlichen Raum als Wohn- und Arbeitsort aufwerten und so Städte von noch stärkerem Zuzug und entsprechender Verschärfung von Mietproblematik etc. entlasten. Voraussetzungen sind jedoch schnelles Internet und flächendeckender Mobilfunk in Stadt und Land. Dafür braucht es eine punktgenaue Förderung, wo ein wirtschaftlicher Ausbau sonst nicht möglich ist; egal ob in Stadt oder Land. Kommunale Unternehmen sind hier wichtige Akteure.

Ausgewählte Best-Practice-Beispiele finden Sie unten stehend, viele weitere unter www.vku.de/ideen-und-loesungen-fuer-gleichwertige-lebensverhaeltnisse

Infrastrukturen für Daseinsvorsorge sind langlebig und für Generationen gebaut. Während auf dem Land immer weniger die Kosten für ihren Erhalt und Betrieb schultern, müssen in den Städten immer mehr versorgt werden. Das ist eine besondere Herausforderung für die Wassernetze und Abwasserkanäle. Daher sollten gerade im ländlichen Raum gezielt Kooperationen unterstützt werden, um auch in Zukunft eine sichere und bezahlbare Versorgung zu ermöglichen.

Hintergrund Best-Practice-Beispiele:

Nordrhein-Westfalen
Wirtschaftsmotor und Wohlstand für 40.000 Beschäftigte: Damit Automobilzulieferer in Südwestfalen auch im digitalen Zeitalter wettbewerbsfähig sind und Dörfer besser an Städte angeschlossen und damit als Wohnort attraktiver werden, erproben die Stadtwerke Menden / Arnsberg neue Mobilitätskonzepte wie autonomes Fahren.

Rheinland-Pfalz
Die Landwerke Eifel bauen für 100 Mio. Euro mit den Stadtwerken Trier die Eifel-Pipeline: Über die Trasse werden künftig rund 250.000 Bürger von der Grenze NRWs bis Trier mit Trinkwasser, Gas und schnellem Internet versorgt. So bündelt das Projekt Leistungen der Daseinsvorsorge, sodass sie sicher und bezahlbar bleiben.

Baden-Württemberg
Selbstbestimmt im Alter leben! Dafür investieren die Stadtwerke Oberkochen in barrierefreie Wohnungen – mit Arztpraxen für medizinische Versorgung und bald auch Glasfaser für schnelles Internet. So steigern sie die Wohn¬ und Lebensqualität in ihrer Region in Zeiten des demografischen Wandels – für Jung und Alt.

Mecklenburg-Vorpommern
Schüler fit für die digitale Zukunft machen: Die Neubrandenburger Stadtwerke haben über 30 Schulen ans schnelle Internet angeschlossen, weitere folgen. Gemeinsam mit Partnern entwickeln sie die Grundlagen für moderne, digitale Schulen: von Technik, Lehrerbildung, Lehrmethoden bis zu fächerübergreifender Medienbildung.

Sachsen-Anhalt
Neben Erdgas, Strom, Wärme und Glasfaser-Ausbau sorgt die Erdgas Mittelsachsen GmbH auch für den Zusammenhalt in der Region. So lässt sie Kult-Kino und Mitteldeutsche Kammerphilharmonie durch die Lande touren und fördert das Ehrenamt–von der Feuerwehr bis zum Heimatverein.

Brandenburg
Schnelles Internet ist längst ein Standortfaktor: Es hilft, neue Unternehmen anzusiedeln und ermöglicht Familien, im Home Office zu arbeiten – statt zum Beispiel viel Zeit mit Pendeln zu verbringen. Deshalb bauen die Stadtwerke Finsterwalde seit Jahren ein Glasfasernetz in Eigenregie auf – und das sogar ohne Fördermittel.

Sachsen
Schwimmen in Bädern, Ausflug in die Familien- und Erlebniswelt, Vereinssport in den kostenlos bereitgestellten Turnhallen: Die Stadtwerke Schneeberg stellen über ihr (Sponsoring-)Netzwerk mit Partnern viele Angebote auf die Beine, die Lebensqualität und Zusammenhalt im Erzgebirge stärken – und Touristen anlocken.

Thüringen
Mobilität bedeutet Unabhängigkeit. Die Zukunft der Mobilität ist vor allem elektrisch. Bisher kurven Elektroautos eher in der Stadt. Auf dem Land fehlt die Ladeinfrastruktur. Die Thüringer Stadtwerke und Energieversorger bauen ein landesweites Netz an Stromtankstellen auf: öffentlich, nah – Unabhängigkeit für alle.

Hessen
Ob Sofa oder Kühlschrank: Wenn im Alter die Kräfte schwinden, ist die Entsorgung des Sperrmülls eine echte Herausforderung. Die Stadtreiniger Kassel bieten deshalb einen Entrümpelungsservice für Senioren an. Ein Teil der Möbel kommt zum Tauschmarkt auf den Recyclinghof. Davon profitieren alle mit schmalem Geldbeutel.

Bayern
Der Wunsch, im Alter in den eigenen vier Wänden leben zu können, ist groß. Der Bedarf steigt. Die Stadtwerke Neustadt bei Coburg investieren in barrierefreie, energiesparende Wohnungen mit Smart-Home-Anwendungen. Die digitalen Helfer unterstützen Senioren im Alltag, sodass sie selbstbestimmt bleiben.

Schleswig-Holstein
Daseinsvorsorge mit ihren Infrastrukturen ist Lebensqualität. Wir alle nutzen Wasser, Energie und schnelles Internet, Abfall und Abwasser werden sicher entsorgt. Der Zweckverband Ostholstein bündelt all das, um seine Bürger auf dem weitläufigen Land zuverlässig zu versorgen – ein Vollsortimenter für Lebensqualität.

Niedersachsen
Die Celle-Uelzen Netz GmbH und eine Bürgerinitiative trommelten die wenigen hundert Einwohner Trauens, Firmen, Landwirte und kommunale Vertreter zusammen, um gemeinsam ein Glasfasernetz aufzubauen – mit Erfolg. Dieses Bürger¬-Mitmach-¬Konzept setzt sie nun mit weiteren Gemeinden um.

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) vertritt rund 1.500 Stadtwerke und kommunalwirtschaftliche Unternehmen in den Bereichen Energie, Wasser/Abwasser, Abfallwirtschaft sowie Telekommunikation. Mit mehr als 268.000 Beschäftigten wurden 2017 Umsatzerlöse von mehr als 116 Milliarden Euro erwirtschaftet und rund 10 Milliarden Euro investiert. Im Endkundensegment haben die VKU-Mitgliedsunternehmen große Marktanteile in zentralen Ver- und Entsorgungsbereichen: Strom 61 Prozent, Erdgas 67 Prozent, Trinkwasser 86 Prozent, Wärme 70 Prozent, Abwasser 44 Prozent. Sie entsorgen jeden Tag 31.500 Tonnen Abfall und tragen entscheidend dazu bei, dass Deutschland mit 68 Prozent die höchste Recyclingquote in der Europäischen Union hat. Immer mehr kommunale Unternehmen engagieren sich im Breitband-Ausbau. Ihre Anzahl hat sich in den letzten vier Jahren mehr als verdoppelt: Rund 180 Unternehmen investierten 2017 über 375 Mio. EUR. Seit 2013 steigern sie jährlich ihre Investitionen um rund 30 Prozent und bauen überall in Deutschland zukunftsfähige Infrastrukturen (beispielsweise Glasfaser oder WLAN) für die digitale Kommune aus.