Eigenkapitalverzinsung für Energienetze: Ingbert Liebing zum aktuellen Beschluss des BNetzA-Beirats

Wir begrüßen den Beschluss des Beirates, weil er anerkennt, das geringere Netzrenditen die Rahmenbedingungen für notwendige Investitionen in die Energienetze verschlechtern würden.

Die EK-Zins-Höhe ist eine Richtungsentscheidung für die heiße Phase der Energiewende: Geht es darum, Kosten zu sparen oder Investitionen in Energiewende und Klimaschutz zu sichern? Mit dem Aus- und Umbau der Strom- und Gasnetze steht und fällt die Energiewende: ohne Netz kein Strom. Die jüngste Strombedarfsprognose des Bundeswirtschaftsministeriums hat deutlich gemacht, dass wir für die notwendigen Umbaumaßnahmen unseres Energie- und Wirtschaftssystems deutlich mehr und vor allem grünen Strom brauchen werden, um die Klimaneutralität 2045 zu erreichen. Und mehr grüner Strom bedeutet mehr Investitionen in den Um- und Ausbau der Energieinfrastruktur, unter anderem für den Wandel hin zu intelligenten Netzen und den Anschluss zahlreicher Windräder und PV-Anlagen.

Die nächsten Jahre werden entscheidend sein, weil die Zahl der Elektroautos und Wärmepumpen sehr schnell und exponentiell steigen wird. Zudem müssen Millionen neuer Solar- und Windstromanlagen und Verbraucher schnell und sicher in das Energiesystem integriert werden. Diese Aufgaben zeigen: Der Investitionsbedarf ist bereits hoch und wird enorm steigen, denn die „heiße“ Phase, um unsere deutlich ambitionierteren Klimaziele zu erreichen, beginnt jetzt. Diese Transformation unserer Infrastrukturen gibt es nicht zum Nulltarif. Die Verteilnetzbetreiber stehen zwar bereit, jedoch kann die Finanzierung ihrer Investitionen durch Kapitalgeber ein Nadelöhr werden.

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) vertritt über 1.500 Stadtwerke und kommunalwirtschaftliche Unternehmen in den Bereichen Energie, Wasser/Abwasser, Abfallwirtschaft sowie Telekommunikation. Mit mehr als 275.000 Beschäftigten wurden 2018 Umsatzerlöse von rund 119 Milliarden Euro erwirtschaftet und mehr als 12 Milliarden Euro investiert. Im Endkundensegment haben die VKU-Mitgliedsunternehmen große Marktanteile in zentralen Ver- und Entsorgungsbereichen: Strom 62 Prozent, Erdgas 67 Prozent, Trinkwasser 90 Prozent, Wärme 74 Prozent, Abwasser 44 Prozent. Sie entsorgen jeden Tag 31.500 Tonnen Abfall und tragen durch getrennte Sammlung entscheidend dazu bei, dass Deutschland mit 67 Prozent die höchste Recyclingquote in der Europäischen Union hat. Immer mehr kommunale Unternehmen engagieren sich im Breitbandausbau. 190 Unternehmen investieren pro Jahr über 450 Mio. EUR. Sie steigern jährlich ihre Investitionen um rund 30 Prozent. Beim Breitbandausbau setzen 93 Prozent der Unternehmen auf Glasfaser bis mindestens ins Gebäude.