VKU zur Veröffentlichung des „Statusberichts der deutschen Kreislaufwirtschaft“: Potenziale der Kreislaufwirtschaft für den Klimaschutz

Berlin, 17. November 2020.

VKU-Vizepräsident Patrick Hasenkamp: „Der heute veröffentlichte Statusbericht der deutschen Kreislaufwirtschaft ist eine ausgezeichnete Bestandsaufnahme der Branche, der Fortschritte genauso aufzeigt wie die zukünftigen Handlungsfelder. Unter anderem macht der Bericht deutlich, wie wichtig es ist, die Klimaschutzpotenziale der Kreislaufwirtschaft mehr in den Fokus rücken.

Das bisher Erreichte ist eindrucksvoll: Die Emissionen im Sektor Abfallwirtschaft sind seit 1990 von 38 Millionen Tonnen CO2eq um 75 Prozent auf knapp 10 Millionen Tonnen CO2eq im Jahr 2018 gesunken. Wesentliche Ursache dafür ist die Schließung von Deponien für die Ablagerung unvorbehandelter Siedlungsabfälle im Jahr 2005 und ihre sukzessive Abdichtung gegen Methangasemissionen. Dies ist dem Engagement der kommunalen Unternehmen zu verdanken. Der Blick in andere EU-Staaten zeigt, dass noch zu viele Abfälle zu Lasten des Klimas ungenutzt deponiert. Erst bis 2030 soll diese Art der Umgang mit Abfällen beendet werden. Das ist bedauerlich, denn die Beendigung der Deponierung ist eine vergleichsweise kostengünstige Form des Klimaschutzes.

Seit einigen Jahren beschleunigt sich ein Trend, der sich ebenfalls positiv auf die Klimabilanz der Branche auswirkt. Kommunale Abfallwirtschaftsbetriebe leisten oft in Kooperation mit anderen Unternehmen einen zunehmenden Beitrag zur dezentralen Energieerzeugung und -versorgung sowie zur Sektorenkopplung: Sie übernehmen die Versorgung von Industriestandorten mit Strom und Dampf, versorgen Bürgerinnen und Bürger mit Fernwärme, betanken Fahrzeuge mit aus Bioabfällen erzeugtem Biogas, wandeln Energie in speicherbaren Wasserstoff um oder nutzen Sonnen- und Windkraft auf abfallwirtschaftlich geprägten Flächen. Damit trägt die Fernwärmeversorgung aus der Abwärme der Abfallverbrennung konkret zum Kohleausstieg bei.

Besonderes Augenmerk der kommunalen Entsorger liegt auf den Bioabfällen: 2017 wurden mehr als 10 Millionen Tonnen unter Regie der kommunalen Abfallwirtschaft getrennt gesammelt. Das war etwa ein Drittel mehr als noch im Jahr 2005. Die Bioabfälle werden zu Biogas und Komposten verwertet. Die Kompostierung bindet mehr als 30 Kilogramm CO2eq pro Tonne auf dem Acker, insgesamt also rund 300.000 Tonnen pro Jahr. Die Potenziale der Bioabfallerfassung sind auch bei uns in Deutschland noch nicht vollständig genutzt. Zudem beeinträchtigt der hohe Anteil an Plastiktüten aus sogenanntem „Bioplastik“ in der Biotonne die Qualität des erzeugten Komposts. Die kommunalen Entsorger werben daher in zahlreichen Kampagnen dafür, Abfälle konsequent und sauber getrennt zu sammeln. Unsere Botschaft: ‚Wer seinen Müll sauber trennt, betreibt aktiven Klimaschutz!‘ “

Beispiele aus den VKU-Mitgliedsunternehmen:

In Wuppertal werden seit der Optimierung der Fernwärmenetze, gespeist von der Abwärme des Müllheizkraftwerks, und der Stilllegung des Steinkohlekraftwerks etwa 350.000 Tonnen fossile CO2-Emissionen pro Jahr vermieden. Projekte zur Wasserstofferzeugung laufen unter anderem bei den Müllheizkraftwerken in Frankfurt am Main, Wuppertal und Oberhausen, und in Zella-Mehlis sogar bis hin zur Methanolproduktion.

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) vertritt rund 1.500 Stadtwerke und kommunalwirtschaftliche Unternehmen in den Bereichen Energie, Wasser/Abwasser, Abfallwirtschaft sowie Telekommunikation. Mit mehr als 275.000 Beschäftigten wurden 2018 Umsatzerlöse von rund 119 Milliarden Euro erwirtschaftet und mehr als 12 Milliarden Euro investiert. Im Endkundensegment haben die VKU-Mitgliedsunternehmen große Marktanteile in zentralen Ver- und Entsorgungsbereichen: Strom 62 Prozent, Erdgas 67 Prozent, Trinkwasser 90 Prozent, Wärme 74 Prozent, Abwasser 44 Prozent. Sie entsorgen jeden Tag 31.500 Tonnen Abfall und tragen durch getrennte Sammlung entscheidend dazu bei, dass Deutschland mit 67 Prozent die höchste Recyclingquote in der Europäischen Union hat. Immer mehr kommunale Unternehmen engagieren sich im Breitbandausbau. 190 Unternehmen investieren pro Jahr über 450 Mio. EUR. Sie steigern jährlich ihre Investitionen um rund 30 Prozent. Beim Breitbandausbau setzen 93 Prozent der Unternehmen auf Glasfaser bis mindestens ins Gebäude.