Sackgasse Redispatch 2.0?
Bilanzieller Ausgleich verursacht hohe Kosten – BKV mit Lösungsvorschlägen

Verteilnetzbetreiber (VNB) sind im Redispatch (RD) 2.0 zum bilanziellen Ausgleich gegenüber Bilanzkreisverantwortlichen (BKV) gesetzlich verpflichtet. Bis zum Aufbau der Zielprozesse kommt eine befristete Übergangslösung zur Anwendung. Diese offenbart zunehmend Probleme in der praktischen Umsetzung. Der VKU hat mögliche Lösungsvorschläge erarbeitet.

18.03.24

Es fehlen vor allem Ansprechpartner und Standards

Bilanzieller Ausgleich verursacht hohe Kosten – BKV mit Lösungsvorschlägen

In der Übergangslösung übernehmen die BKV den bilanziellen Ausgleich und erhalten im Gegenzug eine finanzielle Kompensation vom VNB. Die Übergangslösung scheint sich bisher als Dauerlösung abzuzeichnen und offenbart zunehmend Probleme in der praktischen Umsetzung. Vor allem Stadtwerke mit einem überregionalen Direktvermarktungsportfolio üben Kritik am Abrechnungsprozess, der u. a. mangels Standardisierung mit einem erheblichen Zeitaufwand für sie verbunden ist. Bei einigen BKV summieren sich hier Zahlungsrückstände bis in den unteren Millionenbereich auf. 

Der VKU hat auf die bestehenden Probleme hingewiesen und Lösungsvorschläge gemacht, den Abrechnungsprozess zu beschleunigen und den administrativen Aufwand auf beiden Seiten zu begrenzen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass Prozesse individuell gehandhabt werden, wodurch Mehrkosten anfallen und einheitliche Standards weiter in die Ferne rücken. Die Vorschläge stützen sich auf die im Vorfeld berichteten Rückmeldungen zu den aktuellen Hindernissen. Bislang spiegelt der finanzielle Ausgleich nicht die Kosten wider, die den BKV durch die Dienstleistung entstehen. 

Der BNetzA sind die Probleme bekannt. In ihrer Mitteilung Nr. 11 zum Redispatch 2.0 appelliert sie an die betreffenden Marktrollen und erinnert an bestehende Rechte und Pflichten. Sie hält jedoch an dem Ziel fest, Redispatch in einem massengeschäftstauglichen Verfahren zu gestalten und hat im September 2023 ein Verfahren zur Weiterentwicklung des Redispatch 2.0 eingeleitet.
 
Lösungsvorschläge des VKU
Das Zielmodell sollte weiterhin der bilanzielle Ausgleich durch die VNB sein. Für potenzielle Lösungen im Übergang wurden folgende Vorschläge gemacht:

  • Es braucht Klarheit und eine transparente Kommunikation der Ansprechpartner und Verantwortlichen bei den VNB. 
  • Um den Abwicklungsaufwand zu reduzieren, sollten Forderungen nur aufgrund von minimalen Abweichungen bezüglich Form oder errechnetem Betrag nicht abgelehnt werden. 
  • ANBs/VNBs könnten die Abrechnung des finanziellen Ausgleichs gegenüber den BKV in Form von Gutschriften übernehmen. Dies wäre verursachungsgerecht, da die finanziellen Forderungen aufgrund von Redispatch-Maßnahmen der Netzbetreiber entstehen und sich hier gleichzeitig auch die Quelle der dafür benötigten Daten befindet. 
  • Andernfalls wäre es unbedingt notwendig, ein Standardformat für den Abgleich von Ausfallarbeitsmengen und für die Rechnungsstellung zwischen BKV und VNB zu erarbeiten, um den Prozess in Gänze systemgestützter abwickeln und beschleunigen zu können und klare Fristen zu setzen. Der Abrechnungszeitraum muss standardisiert werden. 
  • Die Ausfallarbeit muss zu festgelegten Fristen von den VNB geliefert werden. Hier könnte man sich an den anderen MaBis-Fristen orientieren (z.B. 42. Werktag als Deadline). Die Granularität der Abrechnung (steuerbare bzw. technische Ressourcen, ggf. zusammengefasst) sollte einmalig festgelegt werden. Der Rechnungsinhalt muss standardisiert werden. 
  • Ein Pauschalbetrag/Rechnung, der den Arbeitsaufwand und die Softwarekosten der BKV für die Dienstleistung ist zwingend erforderlich.

VKU-Mitgliedsunternehmen finden eine ausführlichere Beschreibung zu den Lösungsvorschlägen hier.
 

Schlagworte