Vorstellung der Stromverteilernetzstudie Hessen Verteilernetze sind Lebensadern für die Energiewende

Wiesbaden, 16. April 2018. Das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung hat heute die Verteilnetzstudie Hessen in Wiesbaden vorgestellt. Dazu Ralf Schodlok, Vorsitzender der VKU-Landesgruppe Hessen: „Die Stromverteilnetze sind die Lebensadern der Energiewende, auf sie kommt es an. Die Energiewende zeichnet sich durch eine radikale Veränderung der Stromerzeugungsstruktur aus: Künftig wird noch mehr Strom dezentral erzeugt – sei es auf Basis erneuerbarer Energien oder durch eine klimaschonende Kraft-Wärme-Kopplung.“ Schon heute speisen 50 Mal so viele Erneuerbare-Energien-Anlagen Strom ins Verteilnetz ein wie noch im Jahr 2000. Tendenz: steigend.

Schodlok: „Die Verteilnetzstudie ist ein bedeutender Meilenstein für die Gestaltung der Energiewende in Hessen. Sie liefert detaillierte Erkenntnisse hinsichtlich des Anpassungsbedarfs und der Entwicklungsmöglichkeiten der Verteilnetze.“ Er betont: „Es ist Aufgabe der aktuellen und der zukünftigen Landesregierung, die richtigen politischen Schlussfolgerungen aus der Studie zu ziehen - vor allem im Hinblick auf den Regulierungsrahmen. Die Politik darf nicht nur Kupfer(kabel), sondern muss auch Köpfchen fördern. Wenn Kabel in die Erde verlegt werden, wird das finanziell anerkannt. Investitionen in intelligente Systeme allerdings nicht. Das muss sich ändern.“

Das Stromverteilnetz hat künftig aufgrund der stark schwankenden Stromeinspeisungen deutlich flexibler und intelligenter zu sein. „Der regulatorische Rahmen muss daher so angepasst werden, dass diese Flexibilität von den Verteilnetzbetreibern finanziert werden kann. Nur wenn die politischen Rahmenbedingungen die Bedeutung der Dezentralität für die Energiewende im Infrastrukturbereich umfassend widerspiegeln, wird die Energiewende in Hessen und in ganz Deutschland ökologisch und ökonomisch zum Erfolg geführt werden können.“

Der prognostizierte deutliche Anstieg e-mobiler Fahrzeuge in den nächsten Jahren führt zu neuen Herausforderungen für die Stromverteilnetze. Schodlok: „Die Verteilnetze werden zum neuen Tankstellennetz, weil nur sie in der Lage sind, allenthalben Strom bereitzustellen.“ Investoren und Betreiber – insbesondere größerer Anlagen – müssen ihren Beitrag zur Netzstabilität und zur Vermeidung von lastbedingtem Netzausbau leisten. Die Verteilnetzstudie beschäftigt sich in Ansätzen mit diesen Herausforderungen. Um die damit einhergehenden Probleme umfassend zu betrachten und mögliche Lösungsansätze, wie intelligentes, gesteuertes Laden, intensiv zu beleuchten, ist weitere Forschung nötig. Schodlok: „Wir fordern die Landesregierung daher auf, umfassende Forschungsvorhaben zum Thema ‘Netzintegration der Elektromobilität‘ zu fördern.“

Die vom Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung (HMWEVL) und neun Verteilnetzbetreibern aus Hessen 2014 initiierte und Ende 2015 durch das HMWEVL beauftrage Verteilnetzstudie Hessen wurde 2016 bis 2018 intensiv von den Dienstleistern Fraunhofer-Institut für Ener-giewirtschaft und Energiesystemtechnik und Bearing Point und den teilnehmenden Netzbetreibern bearbeitet.

In Hessen sind 146 kommunale Unternehmen im VKU organisiert. Die VKU-Mitgliedsunternehmen in Hessen leisten jährlich Investitionen in Höhe von über 930 Millionen Euro, erwirtschaften einen Umsatz von knapp 14 Milliarden Euro und sind wichtiger Arbeitgeber für fast 24.600 Beschäftigte.