Großes Interesse am VKU-Erfahrungsaustausch zur Umsetzung der Klärschlammverordnung in Hessen

Rund 60 Teilnehmer tauschten sich Ende August in Wiesbaden über die Umsetzung der Klärschlammverordnung aus. Einige Teilnehmer berichteten von einer akuten Entsorgungsproblematik. Die VKU-Landesgruppe Hessen wird das Thema gemeinsam mit den kommunalen Spitzenverbänden Hessischer Städte- und Gemeindebund und dem Hessischen Städtetag weiter begleiten.

Am 21. August 2018 veranstaltete die VKU-Landesgruppe Hessen gemeinsam mit dem Hessischen Städte- und Gemeindebund und dem Hessischen Städtetag einen Erfahrungsaustausch zur Umsetzung der im Oktober 2017 in Kraft getretenen Verordnung zur Neuordnung der Klärschlammverwertung. Rund 60 Vertreterinnen und Vertreter der Abwasserwirtschaft aus ganz Hessen kamen nach Wiesbaden, um sich über die Ausgestaltung der zukünftigen Klärschlammentsorgung auszutauschen.

Zu Beginn der Veranstaltung stellte Nadine Steinbach, Bereichsleiterin Umweltpolitik Wasser/Abwasser in der Hauptgeschäftsstelle des VKU in Berlin, die rechtlichen Vorgaben für die zukünftige Klärschlammverwertung vor. Ziel der Novelle der Klärschlammverordnung ist es, mittelfristig den Phosphor aus Klärschlamm und Klärschlammmonoverbrennungsaschen zurückzugewinnen. Die bodenbezogene Verwertung wird dann für diese Klärschlämme verboten. Die Umsetzung der Vorgaben erfolgt nach Größe der Anlage zeitlich versetzt. Relevant sind Anlagen mit einer Ausbaugröße von mehr als 50.000 EW. Spätestens bis Ende 2023 müssen als erster Schritt alle Klärschlammerzeuger, die eine Abwasserbehandlungsanlage betreiben, einen Bericht über die geplanten und eingeleiteten Maßnahmen zur Sicherstellung der durchzuführenden Phosphorrückgewinnung vorlegen. Frau Steinbach betonte, dass Klärschlammerzeuger unabhängig der Größenklasse ihrer Anlage die Kriterien Entsorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit bei der Bewertung ihres Verwertungsweges berücksichtigen müssen. Dabei werden kommunale Kooperationen in Zukunft noch stärker an Bedeutung gewinnen.

Larissa Breitenbach, Referentin der VKU-Landesgruppe Hessen, fasste die Aktivitäten der hessischen Landesregierung zum Thema „Klärschlammentsorgung“ zusammen. Diese fokussieren sich sehr stark auf das Thema „Phosphorrückgewinnung“. Das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat 2016 einen Phosphordialog gestartet, um einen Erfahrungsaustausch auf Landesebene zu initiieren. Im Rahmen des Dialogs ist im Oktober 2018 eine weitere Veranstaltung geplant. Für Demonstrationsvorhaben und Machbarkeitsstudien zur Phosphorrückgewinnung hat das Land Hessen Fördermittel bereitgestellt. Weitere Informationen hierzu finden Sie auf der Themenseite des Hessischen Umweltministeriums.

Nach den Vorträgen zu den politischen Rahmenbedingungen der zukünftigen Klärschlammentsorgung wechselte der Blick in die Praxis. Herbert Hochgürtel, Abteilungsleiter Abwasserreinigung bei den Wirtschaftsbetrieben Mainz, präsentierte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern das Mainzer Klärschlammentsorgungskonzept. Der Wirtschaftsbetrieb hat zusammen mit anderen kommunalen Unternehmen eine GmbH gegründet, die voraussichtlich im dritten Quartal 2019 eine neugebaute Klärschlammmonoverbrennungsanlage in Betrieb nehmen wird. Herr Hochgürtel erläuterte die einzelnen Etappen, die für die Umsetzung des Projektes notwendig waren, die Struktur der kommunalen Gesellschaft und den Aufbau der im Bau befindlichen Anlagen.

Herr Clemens Abel, Betriebsleiter der Mittelhessischen Wasserbetriebe (MWB), beschreibt die derzeitige Klärschlammentsorgungssituation in Mittelhessen. Zur Lösung der sich abzeichnenden Entsorgungsengpässe und zur Erfüllung der zukünftigen, rechtlichen Anforderungen hat die MWB gemeinsam mit den Stadtwerken Gießen AG und der Technischen Hochschule Mittelhessen ein regionales Entsorgungskonzept für Mittelhessen entwickelt. Geplant ist die Inbetriebnahme einer eigenen Klärschlammmonoverbrennungsanlage bis 2023 bzw. 2024. Für die Zwischenzeit wurde ein Übergangskonzept erarbeitet.

Bei der Diskussion im Anschluss an die Vorträge berichteten mehrere Abwasserentsorger von ihren akuten Entsorgungsengpässen und forderten mehr Unterstützung von der Landesregierung in Hessen. Des Weiteren wurde kritisch über die Wirtschaftlichkeit möglicher Phosphorrückgewinnungsverfahren und die Verwendbarkeit der Endprodukte als Düngemittel diskutiert. Die VKU-Landesgruppe Hessen wird die angesprochenen Diskussionspunkte weiter begleiten.

Bei Rückfragen zur Veranstaltung können Sie sich jederzeit gerne an die Landesgeschäftsstelle wenden.