Rekordbeteiligung bei der Woche der Abfallvermeidung

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Die achte Europäische Woche der Abfallvermeidung fand vom 18. bis 26. November 2017 in ganz Deutschland und 29 weiteren Ländern Europas statt. Die größte Kommunikationskampagne rund um die Abfallvermeidung und die Wiederverwendung der EU war mit einer Rekordbeteiligung erfolgreich. An über 1.000 Orten in Deutschland wurde ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft gesetzt.

Innovative Projekte und plakative Aktionen zeigten Menschen vor Ort, wie einfach es ist, selbst etwas gegen die hohen Abfallmengen zu unternehmen. EU-weit haben mehr als 13.000 Aktionen stattgefunden – ein toller Erfolg, der gleichzeitig den Handlungsbedarf in Deutschland unterstreicht: Pro Kopf und Jahr fallen hier rund 618 Kilogramm Abfall an – das ist gut doppelt so viel wie in Polen, Estland oder der Slowakei.

Das Jahresmotto „Gib Dingen ein zweites Leben“ stand 2017 besonders im Fokus. Kommunen und kommunale Unternehmen unterstützten die Aktionswoche und initiierten zum Beispiel Reparatur-Cafés auf den Wertstoffhöfen, wie etwa die Wirtschaftsbetriebe Duisburg. Die AWM München lud Schulgruppen in das Wiederverwendungskaufhaus „Halle 2“ ein, um dort gemeinsam ein Show-Reparieren von Geräten zu veranstalten. Zahlreiche kommunale Unternehmen unterstützten wiederum zivilgesellschaftliche Reparaturinitiativen mit Pressearbeit und der Bereitstellung von Räumlichkeiten. Ebenso dominierend waren die Initiativen der kommunalen Wiederverwendungskaufhäuser.

In Frankfurt, Hamburg, Ostholstein, Norderstedt, München, Dortmund, Ludwigsburg und vielen weiteren Orten machten Sonderaktionen die Menschen auf das Angebot der Reuse-Kaufhäuser aufmerksam. Auch Privatunternehmen beteiligten sich in diesem Jahr zahlreich an der Kampagne. So initiierten über 200 Reparaturbetriebe die Kampagne „Fragen kostet nix“. Hier wurde während der Abfallvermeidungswoche die Reparaturberatung gratis angeboten mit dem Ziel, Kundinnen und Kunden die Option des Reparierens wieder aktiv nahe zu bringen. Damit soll dem Trend entgegengewirkt werden, defekte Dinge nach Ablauf der Garantiezeit aus vermeintlichen Kostengründen zu entsorgen, um sich ein Neugerät zu kaufen. Oft lohnt sich die Reparatur nämlich doch!

Ein Fernseher hält nur drei Jahre

"Wir reparieren nicht, wir schmeißen weg", umriss der Vizepräsident des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), Patrick Hasenkamp, das Dilemma bei einer Pressekonferenz zur Europäischen Woche der Abfallvermeidung in Berlin. Als Beispiel nannte er das Produkt Fernseher, das heute eine Lebenserwartung von wenigen Jahren hat. Schon nach drei Jahren gehen Hersteller davon aus, dass 50 Prozent der Geräte am Ende ihres Lebenszyklus angekommen seien.

Wichtig wäre, dass sich Hersteller an die Ökodesignrichtlinie hielten, um eine umweltgerechte Gestaltung energieverbrauchsrelevanter Produkte zu erreichen. Doch vielfach werden die Geräte reparaturfeindlich konzipiert. Diese gehe schon beim Akku los, der vielfach nicht auswechselbar sei. Hasenkamp plädierte für ein Ampelsystem, das die Reparaturfreundlichkeit von Gebrauchsgütern darstellt. Diese Idee wird bereits seit langem von vielen europäischen Ländern gefordert. Solch ein Ampelsystem für die Reparaturfreundlichkeit würde mehr Transparenz schaffen, wie das Produkt einzuschätzen sei. Ein weiteres Instrument wäre, kleine Reparaturdienstleistungen zum Beispiel mit einem geringeren Mehrwertsteuersatz zu versehen. Das machen schon jetzt viele EU-Mitgliedstaaten. Generell sei aber der beste Ressourcenschutz immer noch die Abfallvermeidung, so Hasenkamp.

Die Aktionswoche lebt von lokalen Aktionen zur Abfallvermeidung: von Vereinen, Behörden, Bildungs- und Kultureinrichtungen, Unternehmen und Privatpersonen. Kommunen und kommunale Unternehmen sind auch nächstes Jahr wieder herzlich zum Mitmachen eingeladen! Die nächste Europäische Woche der Abfallvermeidung findet vom 17. bis 25. November 2018 statt. Inspirationen und gute Beispiele sind das ganze Jahr über unter www.wochederabfallvermeidung.de zu finden.

In Deutschland wird die Kampagne mit Mitteln der Europäischen Klimaschutzinitiative durch das Bundesumweltministerium finanziert. Das Umweltbundesamt (UBA) ist der fachliche Ansprechpartner. Koordiniert wird die Kampagne seit 2014 vom Verband kommunaler Unternehmen.