Neuordnung der umwelttechnischen Berufe Informationstag für Mitglieder

Am 14. Oktober 2019 fand in Frankfurt am Main der Informationstag zur Neuordnung der umwelttechnischen Berufe statt. Ziel der kostenlosen Informationsveranstaltung war es mit den Mitgliedsbetrieben, aber auch den Berufsschulen und den Arbeitnehmervertretungen ins Gespräch zu kommen. Auf Grundlage der vorgestellten Informationen konnten gemeinsam wesentliche Punkte für den Antrag auf Neuordnung diskutiert und festgehalten werden.

Zu der Veranstaltung eingeladen hatten BDE, bvse, DVGW, DWA, VDRK und VKU gemeinsam. Im Mittelpunkt standen die Möglichkeiten zur Anpassung der umwelttechnischen Ausbildung an die Arbeitswelt von morgen. Zu den vier umwelttechnischen Ausbildungsberufen gehören neben der Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft, die Fachkraft für Abwassertechnik, die Fachkraft für Wasserversorgungstechnik und die Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice. Die Veranstaltung traf auf sehr großes Interesse und die 70 bereitgestellten Plätze waren schnell belegt.

Im ersten Teil des Informationstages stellte das Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) zunächst einmal die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Berufsausbildung sowie den Ablauf eines Neuordnungsverfahrens vor.

Im Anschluss wurden die Sichtweisen der zuständigen Verbände auf die jeweiligen Ausbildungsberufe dargestellt. Frau Auricht (Fachgebietsleiterin im VKU Abfallwirtschaft und Stadtsauberkeit) präsentierte die Ergebnisse der VKU-Mitgliederumfrage für die Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft. Die Präsentation steht für VKU-Mitglieder im Anschluss an den Artikel zum Download zur Verfügung.

Nach der Mittagspause stellte eine Vertreterin von ver.di sowie Lehrerinnen und Lehrer mehrerer Berufsschulen ihre Vorstellungen zu einer Neuordnung der Ausbildungsberufe vor. Am Ende ließ sich feststellen, dass die vielen verschiedenen Akteure in vielen Ansichten und Auffassungen zur Neuordnung eng beieinander liegen. Wichtige Eckpunkte, unter anderem zur Ausbildungsdauer, zum Ausbildungsrahmenplan, zur Gestaltung der Zwischenprüfung und den gemeinsamen Kernqualifikationen, konnten bereits festgehalten werden.

Anregende Diskussionen, die noch ohne abschließende Einigung blieben, entwickelten sich unter anderem zur Berufsbezeichnung und Gestaltung des Qualifikationskataloges. Auch die gewünschte Ausbildungsstruktur für die Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft konnte noch nicht endgültig festgelegt werden. Im weiteren Neuordnungsverfahren wird sich noch genügend Zeit finden diese Themen ausführlich zu beleuchten.

Die Ausbildung zur Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft heute

Bei der Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft wird durch die Möglichkeit, zwischen den drei Schwerpunkten Logistik, Sammlung und Vertrieb, Abfallverwertung und -behandlung sowie Abfallbeseitigung und -behandlung zu wählen, den Anforderungen der sehr unterschiedlich strukturierten Entsorgungsunternehmen Rechnung getragen.

Das Annehmen von Abfällen, Identifizieren, Trennen, Zuordnen zu Entsorgungsverfahren, der Betrieb und die Instandhaltung von Anlagenteilen, das Anwenden von Mess- und Analyseverfahren sind nur einige Anforderungen, die die Fachkraft erfüllen muss. Weitere wesentliche Aufgabenfelder sind der Umgang mit Stoffströmen, die Logistik und Disposition sowie das kaufmännische Handeln und die Kundenbetreuung.

Ablauf eines Neuordnungsverfahrens

Wenn die Inhalte oder die Struktur eines Ausbildungsberufs modernisiert werden sollen oder ein neuer Beruf entstehen soll, geht die Initiative hierfür in der Regel von den Fachverbänden, von den Spitzenorganisationen der Arbeitgeber, von den Gewerkschaften oder vom Bundesinstitut für Berufsbildung aus. Nach Anhörung aller Beteiligten entscheidet das zuständige Bundesministerium in Abstimmung mit den Ländern. Häufig nimmt das Bundesinstitut für Berufsbildung zuvor in einem Gutachten dazu Stellung.

Die Entwicklung neuer Ausbildungsordnungen und Rahmenlehrpläne bzw. die Anpassung bestehender Ausbildungsvorschriften an eine veränderte Berufspraxis läuft nach einem geregelten Verfahren ab, an dem der Bund, die Länder, Arbeitgeber, Gewerkschaften und die Berufsbildungsforschung beteiligt sind.

Die Ordnungsarbeit muss einerseits die Verbindlichkeit der angestrebten Rechtsnorm, die Inhalte und Ziele der Ausbildung festlegt, berücksichtigen und andererseits der Dynamik der technisch-wirtschaftlich-gesellschaftlichen Entwicklung Rechnung tragen. Die Anwendung bestimmter Methoden oder die Verwendung bestimmter technischer Systeme sind in der Ausbildungsordnung nicht zwingend vorgeschrieben. Sie listet die zu erreichenden Lernergebnisse möglichst technikoffen und funktionsorientiert auf und bleibt so für neue Entwicklungen offen.

Ausblick

Am 5. Dezember 2019 ist ein erneutes Treffen der beteiligten Verbände geplant um abschließende Formalitäten zu klären und das Verfahren auf den Weg zu bringen. Der VKU wird sich auch weiterhin einbringen und seine Mitglieder informieren.

Für unsere Mitglieder steht im mitgliedergeschützten Bereich eine Präsentation zum Thema" UT-Berufe" zum Download zur Verfügung.