Wie lässt sich der Rohrleitungsbau optimieren? Prozessbenchmarking bietet Möglichkeit für Vergleich und Erfahrungsaustausch

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Benchmarking stellt in Form von freiwilligen Leistungsvergleichen eines der Schlüsselinstrumente für eine effiziente und transparente Wasserwirtschaft in Deutschland dar. Vor diesem Hintergrund haben sich seit vielen Jahren auf Ebene der Bundesländer genauso wie bundeslandübergreifend zahlreiche Projekte etabliert und kontinuierlich weiterentwickelt. Um die strategische Aufstellung und Ausrichtung im Rohrleitungsbau zu vergleichen und Ansätze zur Optimierung zu diskutieren, hat sich ein Netzwerk von Unternehmen im Prozessbenchmarking Rohrleitungsbau zusammengefunden und erste Ergebnisse erzielt. Weitere Teilnehmer sind willkommen.

Die Prozesse der Planung und Bauüberwachung bilden die Grundlage für einen effizienten, sicheren und nachhaltigen Netzbetrieb. Durch den Prozessvergleich verfolgen die beteiligten Unternehmen die Zielstellung, die Kosten und Qualität der eigenen Prozesse mit den anderen Teilnehmern zu vergleichen und die dabei gewonnenen Erkenntnisse im gegenseitigen Erfahrungsaustausch zu strategischen und operativen Fragen zu vertiefen. Dabei standen bisher u.a. folgende Überlegungen im Vordergrund:

  • Welche Rehabilitationsstrategien verfolgen andere Netzbetreiber und wie wirken sich diese aus?
  • Wie können Prozessabläufe in der Ingenieurabteilung effizienter gestaltet werden?
  • Was sind Kostentreiber und wie können diese positiv beeinflusst werden?

Das Projekt nimmt diese Fragen auf, indem zunächst auf einer übergeordneten Unternehmensebene die Struktur und der Zustand der Netze, die eingesetzten Ressourcen (Eigen- und Fremdleistung) sowie der erbrachte Output untersucht werden. Die dabei generierten Kennzahlen dienen als Ausgangspunkt für die Beantwortung der obigen Fragestellungen. Sie zeigen bereits erste Erkenntnisse, wie z. B. :

  • Um die Rehabilitationsraten anderer Netzbetreiber verstehen zu können, sind weitere Informationen, wie z. B. die Materialverteilung im Netz, das Netzalter sowie die Schadensraten, unerlässlich. Da sich im Prozessbenchmarking-Projekt diese Informationen abbilden lassen, können verschiedene Strategien abgeglichen und Betreiber mit ähnlichen Rahmenbedingungen für den konkreten Austausch identifiziert werden.
  • Der Ressourceneinsatz (Anteil der Ingenieurleistungen an den Gesamtinvestitionen) unterscheidet sich deutlich und deutet auf eine unterschiedliche Intensität der Abläufe im Rahmen der Planung und Bauüberwachung hin. Hier gilt es, eine gesunde Balance zu finden. Einerseits sollen nicht zu viele Ressourcen für diese Prozesse gebunden werden. Andererseits darf die Planung und Bauüberwachung nicht vernachlässigt werden, um die Qualität des Leitungsbaus sicherzustellen.
  • Kostentreiber und Projektabläufe werden anhand konkreter Projekte ab dem Jahr 2019 vertiefend untersucht. Die Bauleistungskosten bilden dabei einen Schwerpunkt. Die Analyse erfolgt durch die Betrachtung von Einflussfaktoren (wie bspw. Tiefenlage, Durchmesser, Materialart) und deren Auswirkung auf die Kosten. Die Materialkosten sowie die Kosten für Erdarbeiten, Rohrverlegung und Oberflächenwiederherstellung bilden ca. 80% der Bauleistungskosten ab. Kostenoptimierungen sollten an diesen Schlüsselpositionen ansetzen. Langfristig sind mit den vorhandenen Daten auch präzise Kostenschätzungen möglich.

Mit Blick auf die bereits erzielten Ergebnisse lässt sich für die Projektteilnehmer festhalten, dass mit dem Prozessbenchmarking Rohrleitungsbau eine belastbare Kennzahlensystematik zur Verfügung steht, die mit der damit verbundenen Analyse und dem Erfahrungsaustausch verschiedene Spielräume für die impulsgebenden Fragen aufzeigt. Auf dieser Grundlage lassen sich für die Unternehmen Handlungsmöglichkeiten ableiten und in die betriebliche Praxis integrieren. Alle interessierten Wasserversorgungsunternehmen sind eingeladen, sich dem Projekt anzuschließen. Die Projektdurchführung findet im jährlichen Rhythmus statt. Die nächste Projektrunde beginnt im Oktober 2019 und endet im Juni 2020. Die Ergebnisse werden im Rahmen eines Projekt-Workshops vorgestellt und mit den Teilnehmern diskutiert.

Sie interessieren sich für eine Teilnahme am Prozessbenchmarking Rohrleitungsbau? Sprechen Sie uns an. Wir stellen gerne den Kontakt mit den Projektpartnern her.